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Kreis Mettmann
Glück gehabt

Kreis Mettmann. Für den einen ist Glück, ein vierblättriges Kleeblatt zu finden. Der andere glaubt, glücklich zu werden, wenn er einen Sechser im Lotto hat. Für alle ist Glück erst einmal ein Wort. Ergotherapeutin Claudia Steffen plädiert dafür, Eigeninitiative zu ergreifen und Glücksgefühle bei den kleinen Dingen des Lebens zu finden. Von Sabine Maguire

Was ist Glück? Die Frage danach treibt uns um. Dabei ist Glück erstmal nur ein Wort. Und nicht nur das: oft wird es dazu auch noch überschätzt. "Das es im Leben auf und ab geht, ist eine Binsenweisheit", lässt uns der Lebenskunst-Philosoph Wilhelm Schmid wissen. Der wahre Weg zum Glück führe keineswegs über dessen hysterische Beschwörung. Im Gegenteil, die damit verbundenen Erwartungen seien häufig maßlos und heillos übertrieben. Maßlos, weil es so viel Glück gar nicht geben könne. Heillos, weil so hohe Erwartungen nur noch unglücklich machen können. Dabei sei die Flucht ins Glück durchaus verständlich. Man wolle seine Ruhe haben, sich quasi eine Glücksinsel im Meer stürmischer Veränderungen schaffen und nichts mehr wissen von der Verrücktheit dieser Welt. Folgt man dieser Sicht der Dinge, so scheinen vermeintliche Glücksmomente oft in weite Ferne zu rücken. Und das wäre auch gut so, um nicht im Ewiggleichen zu erstarren. Würde Hermann Hesse ohne die Hochs und Tiefs seines Seelenlebens bis heute mit seinen wunderbaren Geschichten die Bücherregale füllen? Ist es nicht eher das Unglück, das uns stetig antreibt? Sollten wir uns nicht über jeden Tag freuen, an dem die Melancholie zur treuen Begleiterin wird? "Auf keinen Fall", sagt Claudia Steffen. Die Ergotherapeutin hält nichts davon, sich im gefühlten Unglück einzurichten. Stattdessen plädiert sie für Eigeninitiative, wenn es um die Suche nach Glücksgefühlen geht. Dabei stellt sie nicht die großen Entwürfe, sondern vor allem die kleinen Dinge des Lebens in den Vordergrund. Glückliche Familie, erfolgreich im Job und das Häuschen im Grünen: Oft werde das persönliche Wohlgefühl damit verknüpft. "Solche Konzepte können jedoch schnell zusammenbrechen. Es gibt zu viele Unwägbarkeiten, die man nicht beeinflussen kann", glaubt Claudia Steffen.

Vielmehr gehe es doch darum, sich jeden Tag aufs Neue den Kleinigkeiten zuzuwenden. Ein Spaziergang im Wald oder an einem Fluss entlang könne dem aufmerksamen Beobachter unzählige Glücksmomente bescheren. Keinesfalls gehe es um das Höher-Schneller-Weiter-Prinzip - stattdessen sollten wir innehalten und schauen. Das allein genüge jedoch noch nicht, um sich nicht doch wieder vom Unheil davontragen zu lassen.

"Es hilft niemandem, wenn ich in Anbetracht des Unglücks auf der Welt zuhause vor dem Fernseher verzweifle", plädiert die Dozentin an der Ratinger VHS dafür, selbst aktiv zu werden. Zu schauen, wo und wie man sich einbringen könne, sei der bessere Schritt auf dem Weg zum Glück. Das gelte im Übrigen auch für die dunklen Lebensphasen inmitten von Trauer, Schmerz und Verzweiflung. Auch dann könne man sich noch fragen, welche Möglichkeiten und Chancen das Leben bereithalte.

Quelle: RP
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