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Mettmann
Graffiti-Alarm in Mettmann
Mettmann: Graffiti-Alarm in Mettmann
Günter Fischer dokumentiert bei der Regiobahn Schmierereien und entfernt sie dann. Züge waren wiederholt Angriffsziel von Sprayern. Wer erwischt wird, zahlt: Im vergangenen Jahr sprach ein Gericht der Bahn in einem Fall über 30 000 Euro Schadenersatz zu. FOTO: Dietrich Janicki, Regiobahn
Mettmann. Günther Fischer beseitigt im Auftrag der Regiobahn Farbschmierereien. Er beobachtet in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Graffiti. Auf Sprayer kommen hohe Strafen zu. Zwei Jugendliche müssen 30 000 Euro zahlen. Von Christian Spolders

Günther Fischer ist ein Stammgast an den Haltestellen der Regiobahn. Allerdings nicht, weil er den öffentlichen Nahverkehr übermäßig nutzt. Sondern weil er die Graffiti an den Wänden entfernt. "Einmal die Woche muss ich raus und die Schmierereien wegmachen", sagt der 68-Jährige. Dabei ist das gar nicht so einfach.

"Die Farben sind aggressiv, schlimmstenfalls gehen sie nur mit einem Sandstrahl weg." Seit etwa zehn Jahren beseitigt sein Unternehmen im Auftrag der Regiobahn die Verunstaltungen. "Vom Gefühl her würde ich sagen, dass es in den vergangenen Jahren wieder zugenommen hat."

Schmierereien in Erkrath

Genaue Zahlen kann die Kreispolizei nicht nennen. Die Delikte würden lediglich als Sachbeschädigung notiert werden, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Im Vergleich zu anderen Städten könne man aber keine übermäßige Graffiti-Kriminalität feststellen. Erst gestern meldete die Polizei aber wieder zwei Fälle von Farbschmierereien in Erkrath. Zwischen dem 9. und 14. Januar wurde das Heck eines auf der Neanderstraße abgestellten Busses zugesprayt. Am Sonntag wurde eine Garagenwand an der Friedrich-Hebbel-Straße besprüht. Schaden: etwa 2000 Euro.

Ende vergangenen Jahres wurden zwei Jugendliche in einem besonders schweren Fall verurteilt. Sie hatten 2008 eine Bahn derart verunstaltet, dass Reinigungskosten in Höhe von etwa 36 300 Euro entstanden. Ein ähnliches Vergehen (Schaden: etwa 30 000 Euro) konnte ihnen nicht nachgewiesen werden. Die Regiobahn und die Täter einigten sich auf einen Vergleich. In den kommenden 30 Jahren teilen sich die Jugendlichen die Kosten von 30 000 Euro (pro Person 41,67 Euro im Monat).

Damit es so weit nicht mehr kommen muss, hat sich der Verein "Neue Wege" der Sprayer angenommen. "In den vergangenen Jahren haben wir jugendliche Straftäter begleitet", sagt der stellvertretende Vorsitzende Dirk Wermelskirchen. "Wir haben uns Genehmigungen von Stadt und Privatpersonen geholt, um mit den Jugendlichen in Projekten Häuser im Kreis Mettmann zu besprühen." Bei jeder Aktion seien acht bis zwölf Jugendliche dabei gewesen, um den Diskoraum des Mettmanner Jugendhauses, die Wand der Turnhalle des Wülfrather Gymnasiums oder ein Haus am Panorama-Radweg in Heiligenhaus zu gestalten.

"Die meisten Jugendlichen wissen, dass es eine Dummheit war, ohne Erlaubnis fremdes Eigentum zu beschmutzen", sagt Wermelskirchen. Laut seiner Schätzung werden 85 Prozent derer, die am Gemeinschafts-Projekt mitgearbeitet haben, nicht mehr rückfällig.

Illegale Sprayer gibt es aber noch immer. "Ich schätze, dass die Szene drei oder vier Sprayer groß ist", sagt Günther Fischer. Er hält jedes Bild mit einer Kamera fest, da man anhand der Zeichnungen vergleichen kann, wer am Werk war. So könne ein Sprayer, sobald er erwischt wird, auch für frühere Vergehen belangt werden. Fünf bis sechs Stunden Arbeit hat Fischer mit der Beseitigung an einer Betonwand. Die Reinigungskosten liegen pro Graffiti im mittleren dreistelligen Bereich. Geld, das irgendwann der Sprayer zahlen muss.

Quelle: RP/rl
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