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Mettmann
Großes Ballett aus London live im Weltspiegel-Kino

Mettmann. Nur wenige Zuschauer bei der Übertragung. Von Hanna Eisenbart

Zu einem großartigen Festival der Sinne hatte die Rosslenbroich Familie mit der Übertragung eines Ballettabends live aus der Royal Opera in London die leider zahlenmäßig sehr überschaubaren Gäste in den Weltspiegel eingeladen. Dennoch gelang ihr damit etwas ganz Großes.

Wie die Moderatorinnen erwähnten, lud dieses Programm zu einer Weltreise ein: von Amerika mit Viscera, über Frankreich mit Afternoon of the Faun, Russland mit dem Pas de Deux aus Tschaikowskis Schwanensee bis hin nach Spanien mit Carmen. Der Abend begann mit abstraktem Tanz nach der Musik von Lowell Liebermanns erstem Klavierkonzert und man fühlte sich ein wenig an die unvergessene Pina Bausch erinnert. The Afternoon of a Faun - hier gelang den Tänzern ein in lasziver Weise enorm starker Ausdruck. Das Bühnenbild zeigte die Umrisse eines Tempels, und das Paar, das sich darin bewegte, beobachtet sich selbstverliebt in einem imaginären Spiegel. Die Musik von Claude Debussy hatte den Choreographen Jerome Robbins inspiriert. Die Choreographie zu dem Pas de Deux von Tschaikowski gelang George Balanchine überzeugend. Die beiden Tänzer stellten sich zu erst gemeinsam als Paar da, dann tanzte ein jeder ein umwerfendes Solo um sich wieder zu vereinigen, - der Schritt zu zweit - pas de deux.

Liebe, Eifersucht, Rache und unglaubliche Traurigkeit: Dieses Kaleidoskop der Gefühle findet in der Oper Carmen von George Bizet seine Vollendung. Und wie Marianela Nunez und Carlos Acosta als Carmen und Don José diese Rollen in Tanz umzusetzen vermochten, war einfach umwerfend. Auch der Torero Escamillo, ein eitler Fatzke, der Don José seine geliebte Carmen ver- und entführte, - jede Bewegung, jeder Schritt und jede Figur erzählten von Leidenschaft, Koketterie, wahrer Liebe und bodenloser Traurigkeit. Dass Don José seine große Liebe voller Trauer lieber ersticht, als sie dem Nebenbuhler zu überlassen, diese Tragik über Bewegung zu vermitteln, war eine faszinierende Glanzleistung.

Sicherlich ganz selten erlebt man den Opernchor und auch einige Gesangs- oder Instrumentalsolisten mit auf der Bühne eines Ballettabends. Hier wurden keine Mühen und Kosten gescheut, um einem Abend der Weltklasse das letzte i-Tüpfelchen aufzusetzen.

Quelle: RP
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