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Peter Nieth im Interview
Hier passieren die meisten Unfälle

Peter Nieth im Interview: Hier passieren die meisten Unfälle
Bei der Verkehrssicherheit steht der Kreis gut da, so Peter Nieth. FOTO: Polizei
Mettmann. Der 59-Jährige ist seit 1. Oktober neuer Leiter der Direktion Verkehr der Polizei im Kreis Mettmann. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht er über Brennpunkte im Kreis und die vielen tödlichen Unfälle mit Motorradfahrern. 

Herr Nieth, wo gibt es aktuell welche Brennpunkte im Kreis Mettmann?

Nieth Brennpunkte haben wir in diesem Sinne nicht. Die Unfälle verteilen sich auf das gesamte Kreisgebiet. Im Südkreis gibt es anteilig mehr Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern, im Nordkreis anteilig mehr Unfälle mit Motorradfahrern. Das ist in beiden Fällen der Topographie geschuldet.

Unfall mit zwei Motorrädern in Hilden – ein Toter FOTO: Patrick Schüller

Wollen Sie die Verkehrsüberwachung verändern, vielleicht sogar verschärfen?

Nieth Das haben wir nicht vor. Was die Verkehrssicherheit angeht, steht der Kreis Mettmann gut da. Im vergangenen Jahr hatten wir kreisweit 12.757 Unfälle (18,7 Prozent unter Landesdurchschnitt). Richtig ist aber auch: Repression ist auch gute Prävention. Wir wollen den Verkehrsteilnehmern schon vermitteln: Die Polizei ist präsent und achtet darauf, dass die Verkehrsregeln auch eingehalten werden.

Haben Sie genug Leute und Streifenwagen?

Nieth Ich habe 80 Beamte und zehn Angestellte zur Verfügung. Neben den Streifenwagen haben wir auch Sonderfahrzeuge zum Beispiel zur Geschwindigkeitsmessung, Moutainbikes oder unser Provida-Motorrad, das nicht als Polizeifahrzeug erkennbar ist und Verstöße gerichtsfest dokumentieren kann. Also logistisch sind wir gut ausgestattet. Personell ist es etwas eng, aber wir können unsere Aufgaben erfüllen.

Hilden: Schwerer Unfall mit Maserati FOTO: Polizei

Wie läuft das Projekt Korrekt?

Nieth Neben den alltäglichen Kontrollen im ganzen Jahr führen wir dreimal im Jahr großangelegte Schwerpunktkontrollen durch, wie zuletzt am 24. September. Wir wollen damit Fußgänger und Radfahrer als schwächer geschützte Verkehrsteilnehmer sensibilisieren. Ich denke, dass gelingt uns auch. Wir stellen fest, dass immer mehr Bürger aufs Fahrrad steigen. Darunter sind viele Ältere, die sich ein E-Bike zulegen. Trotzdem ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern und Fußgängern nicht gestiegen. Wir führen das auch auf unser Projekt Korrekt zurück.

In diesem Jahr gab es besonders viele tödliche Unfälle mit Motorradfahrern. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Nieth Im Kreis Mettmann sind bislang bereits drei Motorradfahrer tödlich verunglückt - und das Jahr ist noch nicht um. Zum Vergleich: 2014 hatten wir nicht einen getöteten Kradfahrer. 2013: 2, 2012:0 und 2011:3. In zwei der aktuellen Fälle kann ich etwas zu den Ursachen sagen. Im Mai wurde ein Motorradfahrer getötet, der auf einer ruhigen Nebenstraße ein so genanntes Wheely geübt hat. Er hat versucht, nur auf dem Hinterrad zu fahren - ohne Schutzkleidung. Er ist gestürzt und hat sich dabei tödlich verletzt. Auch in Hilden wurde ein Motorradfahrer auf der Düsseldorfer Straße getötet. Das Gutachten liegt noch nicht vor. Der Experte hat aber angedeutet, dass der Motorradfahrer viel zu schnell gefahren sind. Eine Minderheit unter den Motorradfahrern rast einfach. Bei Youtube kann man sich diese Exzesse ja anschauen. Wir führen insbesondere im Nordkreis dagegen Maßnahmen durch (Provida-Krad, Geschwindigkeitsmessungen mit Anhalten). Aber das individuelle Fehlverhalten als Unfallursache ist von uns wenig steuerbar.

Fahrer angetrunken: Auto überschlägt sich in Hilden FOTO: Polizei

Welches ist die unfallträchtigste Stadt im Kreis und welche ist die sicherste?

Nieth In den letzten Jahren passieren die meisten Verkehrsunfälle in Relation zur Bevölkerungszahl in Langenfeld (2014: 3022 pro 100.000 Einwohner) und in Hilden (2959). Das hat hat damit zu tun, dass es dort viel Verkehr und viele Radfahrer gibt. Aber das ist ein komplexes Thema. Die wenigsten Unfälle passieren in Erkrath (1797 pro 100.000 Einwohner). Das liegt an unserer guten Arbeit. Aber ernsthaft: Das hängt unter anderem von der Verkehrs-, Einwohner- und Straßenstruktur ab, Topographie und sicherlich anderen Faktoren, die wir nicht alle beeinflussen können. Aber insgesamt ist festzustellen, dass sich unsere Bürger im Straßenverkehr sicher fühlen können - sicherer als in vielen anderen Kommunen.

CHRISTOPH SCHMIDT STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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