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Mettmann
Ideen von Konrad Heresbach aufleben lassen

Mettmann: Ideen von Konrad Heresbach aufleben lassen
Der Künstler Felix Droese mit seinem Heimat-Mettmann-Kunstwerk. FOTO: Achim Blazy
Mettmann. Der Beuys-Schüler Felix Droese äußert sich zur "Zukunft Mettmanns" im neuen Kunsthaus. Von Sabine Maguire

Felix Droese ist ein Querdenker. Simple Wegweisungen nach dem Motto "Tue dies und lasse das" sind von ihm nicht zu erwarten. Stattdessen spricht er über die kollektive Erinnerung, nach der man in Mettmann bohren solle. Und über Konrad Heresbach - den großen Sohn der Stadt, der jenseits eines nach ihm benannten Gymnasiums nur noch im Kleingedruckten zu finden ist. In der kommenden Woche wird der Documenta-Künstler nun also im neuen Mettmanner Kunsthaus in der Mühlenstraße seine Sicht der Dinge zur "Zukunft Mettmanns" zu Gehör bringen.

Eingeladen hat ihn die Genossenschaft VierViertel. Zuhören werden ihm etwa 20 Mettmanner, die sich für die Teilnahme eintragen lassen können. Der kleine Kreis ist den Räumlichkeiten geschuldet. Die Diskussion dürfte spannend werden. Schließlich bedient der Künstler nicht die klassischen Klischees einer solchen Veranstaltung, in der man üblicherweise erwartet, den Raum mit einem gedanklichen Zehn-Punkte-Plan und der Absicht zur Gründung eines Arbeitskreises zu verlassen. Davon gibt es aus Droeses Sicht schon genug. "Ich habe meinen Weg, die 1000 anderen Dinge können Andere machen."

Der Beuys-Schüler hat genug von der Einfältigkeit kommunaler Entscheidungen, die seiner Ansicht nach vor allem eines im Sinn haben: Materiellen Wohlstand, Gewinnmaximierung und Konsum. Was man ihm durchaus auch als intellektuelle Arroganz auslegen könnte, ist jedoch viel mehr als das: Felix Droese tritt heraus aus dem üblichen Trott, der meist bindungslos und ohne Bezug zu Vergangenem immer neue Oberflächlichkeiten produziert.

Was vor der Königshof-Galerie an gleicher Stelle stand? Bald wird wohl niemand mehr wissen, woran mit dem wohlklingenden Namen eigentlich erinnert werden soll. Der ehemals grüne Jubiläumsplatz? Vergessen! Der Grüngürtel rings um Mettmann? Mit Blick auf wachsende Gewerbegebiete als Nonplusultra kommunaler Wirtschaftsförderung vermutlich bald schon Vergangenheit. Womit wir wieder bei Konrad Heresbach wären - dem großen Sohn Mettmanns, der mit seiner "Rei Rusticae libri quatour" vor mehr als 450 Jahren die erste deutsche Veröffentlichung zum Thema Landwirtschaft vorgelegt hat. Und darin stehe keineswegs nur Mist, meint Droese. Vielmehr müsse man sich zurückbesinnen auf den ländlichen Charakter der Gegend, anstatt selbige dem Profitstreben zu opfern und das immergleiche Hohelied alternativloser Gewerbesteuereinnahmen zu singen. Die Frage danach, wie das gelingen kann, lässt er nicht unbeantwortet: "Wahrer Wohlstand hängt nicht von der Größe des Vermögens ab, sondern von der inneren Einstellung", zitiert er besagten Konrad Heresbach. Und genau daran müsse eben nachhaltig gearbeitet werden, glaubt wiederum der Künstler.

Dass Städte wie Kleve und Kalkar, in denen der Humanist Heresbach zu Lebzeiten ebenfalls gewirkt hat, zuweilen Stiftungen gründen, während in Mettmann noch nicht mal jeder weiß, wo genau das Heresbach´sche Geburtshaus steht, kann Felix Droese nicht verstehen. Dass man sich nicht um die Erhaltung des in die Jahre gekommenen Gutes bemüht, wohl auch nicht. Dass die Stadt für derartige Projekte kein Geld hat, lässt er als Hinderungsgrund nicht gelten. Dann müsse eben bürgerschaftliches Engagement anstelle dessen treten. Dabei weiß er durchaus, dass Derartiges auch schon mal an überbordenden Egos und latentem Selbstzweck scheitern kann. Droese spricht von einer Kakophonie - eben jenen unharmonische Klängen inmitten von Musik und Literatur, die immer dort zu finden seien, wo das große Ganze aus dem Auge verloren werde.

Damit das nicht geschieht, müsse man "ganz klein" beginnen. Schulgärten oder einen Botanischen Garten hält Felix Droese für eine gute Idee, um seinem Motto von "Bauen, graben, pflanzen" dort Ausdruck zu verleihen, wo Menschen mit Natur in Berührung kommen. Damit das gelingt, könnte man u.a. bei Heresbach und seinen Einlassungen zur Landwirtschaft nachschlagen, und sie einfließen lassen. Außerdem schlägt er vor, das Konrad-Heresbach-Gymnasium zu unterstützen.

"Urban Gardening" - jüngst vorgeschlagen vom Mettmanner Bürgerforum - dürfte dem Künstler auch gefallen. Gefördert werden könnten derartige Vorhaben seiner Ansicht nach von regionalen Landwirten oder Unternehmen, denen die Region und die Bewahrung ihrer Eigenheiten am Herzen liegt.

Spricht man mit Felix Droese über Stadtentwicklung, wird eines klar: Der Künstler denkt in großen Zusammenhängen, über Jahrhunderte und Generationen hinweg. Der Hang so mancher Entscheidungsträger, sich selbst zum Maß aller Dinge zu machen und Projekte auf den Weg zu bringen, die womöglich schon den nächsten Bürgermeister nicht überdauern, liegt ihm fern. Seine Wegweisung "Bauen, graben, pflanzen" will er auch in diesem Sinne verstanden wissen - als Einladung zu mehr Tiefgang kommunaler Debatten.

Quelle: RP
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