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Mettmann
Im Café sind die Frauen unter sich

Mettmann: Im Café sind die Frauen unter sich
Rita Rüttger (links) und Anke Nass werben mit einem viersprachigen Flyer für den Frauentreff. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Der SKFM geht mit einem wöchentlichen Treff speziell auf die Bedürfnisse der Flüchtlingsfrauen ein. Von Birthe Rosenau

Ermira Collaku hat kaum den Raum betreten, da füllt sie ihn mit ihrem warmen Lächeln. Auf dem Arm trägt die junge Albanerin ihren sechs Monate alten Sohn Aiden. Er brabbelt fröhlich vor sich hin. Collaku ist heute die erste Besucherin des Treffs für Flüchtlingsfrauen, den Rita Rüttger und Anke Nass vom Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) vor einem halben Jahr ins Leben gerufen haben. Jeden Dienstagnachmittag nutzen seitdem bis zu 15 Besucherinnen das offene Angebot im "SKFM - statt Laden".

"Wir haben in unserer täglichen Arbeit mit Flüchtlingen schnell festgestellt: Die Frauen haben tiefgreifende und umfassende Sorgen und brauchen eine Anlaufstellen, einen geschützten Raum", sagt Rüttger. Sie kümmert sich beim SKFM um den Bereich Frauen und Familie, ihre Kollegin um Arbeit und Beschäftigung. "Unser Anspruch ist es, nachhaltige Unterstützung zu bieten, die außerdem zu unserem Kerngebiet passt", erläutert Nass, "und da sind wir eben bei den Frauen gelandet." Schließlich habe der SKFM Angebote wie die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt oder die Schwangerschaftsberatung esperanza direkt im Haus.

Nur etwa 20 Prozent der Flüchtlinge, die in den vergangenen Monaten nach Mettmann gekommen sind, sind laut Rüttger weiblich. "Viele Angebote, die es für Flüchtlinge gibt, erreichen die Frauen nicht. Denn wenn Männer kommen, bleiben Frauen bestimmter Kulturkreise grundsätzlich fern", berichtet Rita Rüttger. Aus diesem Grund sind männliche Kinder auch nur bis zum Alter von neun Jahren beim Treff erwünscht. "Danach gelten sie in manchen Herkunftsländern bereits als heiratsfähige Männer", weiß Rüttger.

Wie wichtig es ist, einen niedrigschwelligen Zugang zu gewährleisten, haben die beiden SKFM-Mitarbeiterinnen in der Vergangenheit immer wieder erlebt. Oft dauert es einige Treffen, ehe sich die Frauen öffnen und von ihren teils intimen Problemen berichten. Die Kontaktaufnahme erfolgt oft in den Erstunterkünften, Anke Nass und Rita Rüttger haben dafür Flyer auf Englisch, Farsi, Serbo-Kroatisch und Arabisch drucken lassen. "Viele Frauen sind sprach- und hilflos, wenn sie nach Deutschland kommen", weiß Rita Rüttger.

Ermira Collaku erreichte Mettmann mit ihrem Mann kurz vor der Geburt ihres ersten Sohnes. Wenig später übernahm Martina Steinhauer die Betreuung der jungen Familie. Sie ist eine der vielen ehrenamtlichen Helfer, die den SKFM bei seinen Angeboten in der Flüchtlingshilfe unterstützt. Getroffen haben sich die beiden Frauen beim Treff für Flüchtlingsfrauen - und längst hat sich ein freundschaftlich-vertrautes Verhältnis zwischen ihnen entwickelt. "Das Schönste hier ist der Austausch mit anderen Frauen", sagt Ermira Collaku.

Das Angebot richtet sich flexibel nach den aktuellen Themen der Besucherinnen. Mal kochen oder backen die Mitarbeiter mit den Gästen, helfen ihnen beim Ausfüllen von Formularen oder spielen Gesellschaftsspiele. Ganz nebenbei lernen die Frauen die deutsche Sprache. "Denn die ist der Schlüssel, auch damit die Frauen ihre Ängste und ihre Scheu verlieren", weiß Rüttger. Regelmäßig kommt die Familienhebamme vorbei; geplant sind auch Besuche einer Kinderärztin und Referentinnen, die etwa das deutsche Gesundheitssystem erklären.

Quelle: RP
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