| 00.00 Uhr

Mettmann
Im Reparaturcafé wird alten Schätzchen geholfen

Mettmann. Einmal monatlich verwandelt sich das Johanneshaus in eine Werkstatt. Die Erfolgsquote liegt bei über 50 Prozent. Von Dirk Neubauer

Gegen das Reparieren kennt die Wegwerfgesellschaft viele Tricks. Die meisten Schrauben haben heute die abenteuerlichsten Köpfe - Sterne oder Schlitze mit einem Mittelnoppen, zum Beispiel - nur um das Öffnen des Gehäuses zu erschweren. Manche Plastikchassis enthalten besonders gemeine Gewinde. Dann lassen sich Schrauben zwar hinein-, aber nicht zerstörungsfrei herausdrehen. Solche Niggeligkeiten der Hersteller gegen eine fachgerechte Reparatur schrecken Willi Dietz, Friedrich Abel und Manfred Moog nicht. Zusammen mit einem heute erkrankten Kollegen sind sie das Kernteam im Reparaturcafé des Johanneshauses. An jedem ersten Donnerstag im Monat sitzen die Herren zwischen 14 und 16 Uhr im Raum neben der Kegelbahn und warten auf Kundschaft.

Zum Beispiel auf den verflixten Ventilator. "Am Vortag lief er noch ganz normal, dann tat sich plötzlich gar nichts mehr", klagt der Besitzer. Für Manfred Moog beginnt eine zweistündige Schraubenzieher-Detektivarbeit, bei dem das Gerät Schritt für Schritt in seine Einzelteile zerlegt wird. Ganz zum Schluss entpuppt sich das Lager des Elektromotors vermutlich als Fehlerquelle. Denn es dreht sich nicht so leicht, wie es sollte.

"Wir haben Mitte 2017 mit dem Reparaturcafé begonnen", berichtet die Leiterin des Johanneshauses, Annette Droste. Pro Termin kamen seither zwischen fünf und zehn Hilfesuchende. Deutlich mehr als der Hälfte von ihnen und ihren kaputten Haushaltsgeräten konnten die gelernten Elektriker und Feinmechaniker helfen. Das hat sich herumgesprochen. Selbst durch den Schneeregen des Februartermins kämpfen sich Verbraucher mit ihren maroden Schätzchen. Ein Mann bringt eine 20 Jahre alte Küchenmaschine. Sie ist irreparabel, sagt Abel nach kurzer Diagnose. Aber selbst diese schlechte Nachricht verärgert den Besitzer nicht: "Okay, dann weiß ich wenigstens Bescheid." Am Tisch gegenüber vollbringt derweil Willi Dietz ein kleines Wunder; jedenfalls aus Sicht der Inhaberin einer Weihnachtsstele mit sieben Kerzen. Nach der Ansage "Die leuchtet nicht mehr" hat er vorsichtig alle Birnen festgeschraubt. Und siehe da - einem erleuchteten Advent 2018 steht nichts mehr im Wege. "Wir würden uns über weitere Reparateure freuen", wirbt Annette Droste (Telefon 02104/71011). Angenommen werden im Reparaturcafé alle Küchengeräte, die man tragen kann, also keine Waschmaschine, Radios, Verstärker und auch Computer. Der nächste Termin ist am 1. März 2018, 14 bis 16 Uhr im Johanneshaus, Düsseldorfer Straße 154.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mettmann: Im Reparaturcafé wird alten Schätzchen geholfen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.