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WÜlfrath/SchÖller
In Schöller wird die letzte Messe gelesen

WÜlfrath/SchÖller. Bislang wurde in der Turmkapelle dreimal im Jahr die Heilige Messe zelebriert. Damit soll nun bald schon Schluss sein. Von Sabine Maguire

Sie ist ein wahres Kleinod. Und kaum jemand weiß, dass es sie überhaupt gibt. Die kleine Kapelle im Turm des Rittergutes in Schöller öffnete bislang dreimal im Jahr ihre Türen, um dort die Heilige Messe zu zelebrieren. Damit ist nun offenbar Schluss, nachdem bei St. Maximin entschieden wurde: Das machen wir nicht mehr, die drei Messen werden zukünftig in St. Barbara im Schlupkothen stattfinden. Dort hatten sich offenbar Gemeindemitglieder beschwert, dass ihre Kirche leer blieb, während in Schöller ein Gottesdienst gefeiert wurde. Einen letzten soll es dort nun allerdings noch geben. Wann genau, weiß Pfarrer Jürgen Arnolds noch nicht. "Wir werden nicht sang- und klanglos verschwinden", kündigt er an.

Er selbst dürfte sich wohl zwischen den sprichwörtlichen zwei Stühlen stehend fühlen, seit er vor mehr als einem halben Jahr die Nachfolge von Pastor Heinz-Otto Langel angetreten hat. Bislang galt es als gesetzt, sich an drei Sonntagen im entlegenen Teil der Kirchengemeinde in Schöller zur Messe zu treffen. Dort ist man ohnehin der Ansicht, mit der Gemeindegebietsreform schon vor Jahrzehnten ins Abseits geraten zu sein. Zuvor hatten die dortigen Katholiken in Glaubensdingen ihre Heimat in Mettmann. Und auch für die Katholische Kirche dürften die Zeiten damals jenseits von Sparzwängen noch andere gewesen sein.

Nun also steht fest: Die Kapelle in Schöller soll endgültig von der Gottesdienst-Liste gestrichen werden. Einen Namen hat sie übrigens auch: St. Mariä-Empfängnis-Kapelle. Hören wird man den wohl bald nur noch selten, nachdem Pfarrer Jürgen Arnold unmissverständlich erklärte: "Wir wollen ein Zeichen in Richtung St. Barbara setzen." Im Schlupkothen hatte es bis zum Frühjahr 2016 regelmäßig Gottesdienste gegeben. Aus Krankheitsgründen musste die Kirche jedoch auf die reduzierte Gottesdienstordnung zurückgreifen, die sonst üblicherweise nur in den Sommerferien galt. Eine, die dennoch weiter darum kämpfen will, dass das Schöller-Kleinod nicht gänzlich in Versenkung verschwindet, ist Ursula Horn. Sie wohnt selbst direkt neben der Kapelle, die mittlerweile zum Familienbesitz gehört. "Vor 30 Jahren hat es hier gebrannt. Mein Mann hat damals noch die Mutter Gottes vor den Flammen gerettet", erinnert sie sich an ein Inferno, dem St. Mariä Empfängnis damals beinahe zum Opfer gefallen wäre. Vor Jahrzehnten gerettet und nun doch für Gottesdienste verloren? In Schöller hofft man noch auf ein Einlenken. "Vielleicht könnte man wenigstens eine Messe im Jahr hier feiern", richtet Ursula Horn ihr Wort in Richtung St. Maximin.

Übrigens: Seit bei dem Brand die kleine Glocke dahin schmolz, wurde für Gottesdienste nebenan in der Kirche der evangelischen Gemeinde geläutet. "Wenn es kalt war, haben wir sogar von dort Sitzkissen geholt. Die evangelischen Christen haben sogar bei uns mitgefeiert, das war gelebte Ökumene", blickt Ursula Horn wehmütig auf das gute Miteinander. Dass die Schölleraner Katholiken zukünftig zum Gottesdienst in den Schlupkothen kommen werden, glaubt sie hingegen nicht. Wehmütig ist man in Schöller auch deshalb, weil auch über der evangelisch reformierten Gemeinde dunkle Wolken aufgezogen sind. Dort denkt man nach dem Wegfall der Pfarrstelle derzeit über eine Zusammenlegung mit der Gruitener Gemeinde nach. Die Weihe würde die Turmkapelle übrigens nicht verlieren. "Das müsste von Kardinal Woelki abgeordnet werden", weiß Pfarrer Jürgen Arnolds.

Quelle: RP
 
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