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Wülfrath
Keine Gefahr für Bevölkerung
Wülfrath: Keine Gefahr für Bevölkerung
Der Einsatz wird nicht nur kritisch hinterfragt. Stadtbrandmeister René Rahner (l.)und Kreisbrandmeister Friedrich-Ernst Martin (2.v.l.) hören auch den Dank des Ausschusses für die Arbeit der Feuerwehr. FOTO: RPO
Düsseldorf. Aber: Über die Entwarnung nach dem Chemieunfall wurde zu spät informiert. Firma ASK entschuldigt sich bei Verletzten und will am Tag der offenen Tür über Sicherheitsstandards berichten. Von Jochen Delphendahl

Der Chemieunfall bei der Firma Ashland-Südchemie-Kernfest (ASK) beschäftigte gestern den Ausschuss für Verkehr und Ordnung. Vertreter von Stadt, Feuerwehr und Polizei sowie des Unternehmens standen Ratsvertretern und Bürgern Rede und Antwort. „Eine Gefahr für die Bevölkerung Wülfraths hat es nie gegeben“, stellte Kreisbrandmeister Friedrich-Ernst Martin zu Beginn klar. „Wir hatten die Situation von Anfang an im Griff“, fügte Stadtbrandmeister René Rahner hinzu.

Eingeräumt wurde, dass die Aufklärung der Bevölkerung nicht optimal war. Die durch die Chemiewolke wegen des Süd-West-Windes gefährdeten Bewohner von Tönisheide und Neviges waren zwar gewarnt, aber die Wülfrather nicht informiert worden. Ausgetreten waren nach dem Bruch einer Sicherheits-Berstscheibe 300 Liter eines chemischen Zwischenprodukts aus Dicyclopentadien und Sojaöl für die Düngemittel-Produktion. 53 Menschen, die sich im engeren Umkreis von ASK aufgehalten hatten, waren verletzt worden.

Sportveranstaltungen abgesagt

Über vier Stunden war das Industriegebiet gesperrt. Hunderte Menschen hielten sich dort auf. In Unkenntnis der Lage nach dem Unfall machten sie und ihre Angehörigen sich große Sorgen. Sportveranstaltungen am Abend in der Realschule und auf dem Erbacher Berg wurden deshalb abgesagt.

Stadtbrandmeister René Rahner erklärte, warum es Stunden dauerte, bis die Entwarnung kam: Solange die Messergebnisse nicht ausgewertet waren, war unklar, ob weitere medizinische Maßnahmen ergriffen werden mussten. Zudem habe es Zeit gebraucht, die Schleuse aufzubauen, in der Reifen der Fahrzeuge abgespritzt und Schuhe der Fußgänger gereinigt werden mussten, damit keine Giftstoff aus dem Gebiet heraus gelangen.

ASK-Werkleiter Michael Mack entschuldigte sich bei den Verletzten. Bei den Nachbarn wird ASK es heute in einem Brief tun, in dem die Sicherheitsstandards des Chemieunternehmens beschrieben werden. Darüber will das Werk auch an einem Tag der offenen Tür berichten, zu dem die Bevölkerung am 12. Oktober eingeladen wird. Warum der Unfall passierte und ob die Umgebung des Werks (Böden und Dächer) belastet sind, dazu sollen die Untersuchungsergebnisse in den nächsten Tagen vorliegen. Im Kanalsystem wurde keine Belastung festgestellt.

Ordnungsamtsleiter Reinhard Schneider kündigte an, dass die Aufklärungsarbeit verbessert wird. Dass dies nötig ist, zeigt ein Wortbeitrag von Ausschussmitglied Hans-Peter Altmann: „ Es gibt Wülfrather, die glauben, dass bei Kernfest Kernenergie produziert wird.“

Quelle: RP
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