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Mettmann
Keine Obstbäume an der Treppe

Mettmann: Keine Obstbäume an der Treppe
Die SPD möchte gerne, dass am Hang Kunstwerke installiert werden, die einen Bezug zu Mettmann haben. FOTO: DJ
Mettmann. Die Mehrheit des Planungsausschusses ist gegen eine Umsetzung des Projektes "Essbare Stadt" am Königshof. Ein Pflanzbeet am Wandersweg wurde bei Bauarbeiten zerstört. Von Sabine Maguire und Christoph Zacharias

Fünf Mülltüten hatten die Mitstreiter des Bürgerforums im vergangenen Herbst vom Wandersweg abtransportiert. Der Inhalt: All das, was rücksichtslose Mitbürger in der Landschaft entsorgen. Danach wurden Beete hergerichtet und mehrere hundert Blumenzwiebeln gepflanzt. Jetzt wollte man schauen, ob sich die Frühjahrsblüher schon durch die Erde gekämpft haben. Und was sahen die engagierten Bürger? Eine verschlammte Baustelle!

Zwischen der Pflanzaktion von damals und dem Entsetzten von heute lagen einige Monate. Und ein Bauvorhaben, von dem offenbar niemand etwas wusste. Zumindest nicht diejenigen, die damals grünes Licht für die Pflanzaktion gegeben hatten. "Das ist sehr unglücklich gelaufen", glaubt Ilona Bungert-Dellit. Die Vorsitzende des Bürgerforums erinnert sich, wie die Sache damals abgelaufen ist. Eigentlich habe man an der "chinesischen Treppe" tätig werden wollen. Dort allerdings durften die Frühlingszwiebeln nicht gepflanzt werden, da die Bauarbeiten im Umfeld noch nicht gänzlich abgeschlossen waren.

Offenbar war das Gelände von der ausführenden Baufirma noch nicht abschließend freigegeben worden. Auf dem Gelände an der Treppe am Lavalplatz werden keine Obstbäume gepflanzt werden. Dies hat der Planungsausschuss auf Antrag der SPD mehrheitlich beschlossen. Vielmehr sollten dort Kunstwerke mit einem historischen Bezug zur Stadt installiert werden. Somit können Pflanzaktionen des Bürgerforums in der Innenstadt auch nicht aus dem Verfügungsfond finanziert werden, sagte Ralf Bierbaum vom Planungsamt. Es gebe in der gesamten Innenstadt keine weiteren Flächen, die für eine Pflanzaktion in Frage kommen.

Zurück zum Wandersweg: Dass es später mit dem Wandersweg ein recht abgelegener Ort wurde, wirft auf den ersten Blick die Frage auf, ob das Bürgerengagement gern in städtischen Randbereichen platziert wird, um Verwaltungsabläufe möglichst wenig zu stören. Davon kann hier jedoch keine Rede sein. Im Gegenteil: Die Stadt hatte dem Bürgerforum die Entscheidung damals selbst überlassen. "Und der Wandersweg schien dafür gut geeignet zu sein", sagt Ilona Bungert-Dellit.

Was bleibt, ist die Verwunderung darüber, dass die mit dem Vorhaben betrauten Mitarbeiter beim Grünflächenamt nichts davon wussten, dass dort nur wenige Wochen später die Bagger anrollen sollten. Auch Bürgermeister Thomas Dinkelmann räumt ein, dass durchaus bekannt gewesen sei, dass am Wandersweg irgendwann Trinkwasserleitungen gelegt werden würden. "Wir wussten allerdings nicht genau, wann damit begonnen werden soll", fügt er hinzu.

Da die Entscheidung zum Blumenbeet im Vorfeld seiner Amtszeit getroffen wurde, wäre es für ihn im Grunde recht einfach, jegliche Verantwortung von sich zu weisen. Stattdessen räumt er offen ein: "Das hätte mir auch passieren können". Als Grund dafür gibt er an, dass es bislang kaum vorgekommen sei, dass Bürger sich über die Bepflanzung von innerstädtischen Baumscheiben hinaus bei der Pflege von Grünanlagen engagieren wollten. Innerhalb der Verwaltung gebe es daher noch kein eingespieltes Procedere, um derartige Anfragen abzuarbeiten. Im vorliegenden Fall heißt das: Im Tiefbauamt habe man sehr wohl von dem Vorhaben gewusst. Dort allerdings hatte damals keiner nachgefragt.

Bei der Stadtverwaltung bemüht man sich nun um Schadensbegrenzung. Auch wenn jenseits vermutlich zerstörter Blumenzwiebeln kein materieller Schaden entstanden ist, will man keineswegs das Bürgerengagement untergraben oder Bürger verprellen, die etwas für das Stadtbild tun möchten. "Wir haben uns Gedanken gemacht, um so etwas zukünftig zu vermeiden", kündigt Bürgermeister Thomas Dinkelmann an, die interne Kommunikation verbessern zu wollen. Zukünftige Projekte werden zeigen, wie gut das gelingt.

Quelle: RP
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