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Mettmann
Kino auf dem Weg zurück in die Zukunft

Mettmann. Im Jahr 1972 haben Margarete Papenhoff und Gabriele Rosslenbroich das Weltspiegel-Kino in Mettmann übernommen. Nach 44 Jahren ziehen sich die beiden Geschwister zurück und machen den Weg frei für einen Neuanfang. Von Oliver Wiegand

Von außen steht immer noch "Lichtspiel-Haus" am Weltspiegel Kino in Mettmann. Mit dem Namen können viele heute nichts mehr anfangen. Lichtspiel-Haus - das klingt nach längst vergangenen Zeiten. Als sich die Leute noch keinen Fernseher hatten, die Filme nicht mal Ton - und im Saal noch ein Klavierspieler die Schwarz-weiß-Streifen begleitete.

In den vergangenen Monaten haben die beiden Kino-Betreiberinnen Margarete Papenhoff und ihre Schwester Gabriele Rosslenbroich lange überlegt. "Wir haben uns nun entschlossen, das Kino zu vermieten", sagt Margarete Papenhoff. Der neue Betreiber, Thomas Rüttgers, kündigte an, dass auch nach der umfassenden Sanierung das im Jahr 1907 gegründete Kino weiterhin den Namen "Lichtspiel-Haus" an der Außenfront tragen wird. "Wir wollen die Tradition bewahren", sagt Rüttgers, der das Weltspiegel-Kino jetzt gemeinsam mit seinem Projekt-Partner Wolfgang Burckhardt übernommen hat. Mehr als 500 000 Euro investieren die beiden in die Neugestaltung der Technik. Dabei bleibt es aber nicht. Auch die Kinosäle werden umfassend renoviert. "Die Säle werden gedreht", sagt Rüttgers. Die Leinwände, deutlich größer als vorher, werden an der jetzigen Seitenwand angebracht. Dazu erhalten die Besucher in den neuen sehr komfortablen Sitzen deutlich mehr Beinfreiheit.

Bis zu 1,80 Meter soll der Abstand zum Vordermann reichen. "Es gibt Sessel, die können sie wie im heimischen Wohnzimmer nach hinten klappen", sagt Rüttgers. Sogar die Beine kann man dann noch gemütlich auflegen. Damit man aber nicht einschläft, dafür sorgt eine 64-Kanal Dolby Surround-Anlage. "Wenn es im Film regnet, denken Sie, Sie werden wirklich nass, so realistisch ist das", sagt Rüttgers. Richtig realistisch soll das Kino-Erlebnis auch in den "Decliner-Sesseln" werden, von denen etwa zehn Stück pro Saal in den hinteren Reihen aufgestellt werden. Die Sessel arbeiten mit kleinen Elektromotoren und können so sehr hautnah simulieren, was gerade an Action auf der Leinwand abgeht. Die Umbauarbeiten werden einige Wochen in Anspruch nehmen.

Für den September ist aber bereits die Wiedereröffnung geplant. Umgebaut wird auch das Foyer. Es soll zwei Meter breiter werden. Gemeinsam mit den bis zu den Boden reichenden Türen ergibt sich so ein Treffpunkt, wo man vor und nach dem Film noch etwas plauschen kann. Der größte Saal hat 148 Plätze, ins Kino 2 passen 128 Gäste und im kleinsten Saal haben 44 Besucher Platz. In der Bilanz macht das etwa 130 Plätze weniger als früher (von 450 auf 320).

"Aber dafür haben es die Gäste jetzt sehr viel bequemer", sagt Margarete Papenhoff. Die Vermietung des Kinos hat sie sich mit ihrer Schwester Gabriele Rosslenbroich gut überlegt. Thomas Rüttgers, kennen die beiden schon seit Jahrzehnten. Rüttgers und sein Projekt-Partner kommen aus der Kino-Branche. Sie vertreiben und verkaufen die Technik, die ein Kino heute so braucht. Für die Unternehmer ist das Mettmanner Kino daher auch so etwas wie ein Vorführmodell, das wie im Autohaus immer die beste Sonder-Ausstattung hat. Die Sitze, in denen man quasi im Film mitschwebt, sind die ersten Modelle, die es rund um Düsseldorf überhaupt gibt. Dazu kommt die neue 3-D-Anlage, die aufgrund der hohen Lichtstärke deutlich schärfere Bilder liefert, als das bisher genutzte Modell.

Ein bisschen Wehmut und Abschiedsschmerz, den haben Margarete Papenhoff und Gabriele Rosslenbroich natürlich trotzdem. "Unser Vater ist 1972 gestorben, seit 44 Jahren haben wir das Kino geleitet", sagt Margarete Papenhoff, die schon als Kind gerne im Kino war. Ihr erster Film, den sie im Weltspiegel gesehen hatte, war Bambi. Das war in den 1950er Jahren. Später schlichen die Rosslenbroich-Töchter Margarete, Gabriele, Leonie und Ulrike heimlich in den Kinosaal. Sie saßen im Bademantel in einer Ecke und sahen Filme. Auch einige, die sie eigentlich nicht sehen durften, wie zum Beispiel Dracula. Dem Kino bleiben sie trotzdem verbunden. Die Filiale in Ratingen bleibt bestehen, die Schwestern kümmern sich weiter persönlich drum. Niemals geht man so ganz.

Quelle: RP
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