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Mettmann
Krankenhaus: Mitarbeiter protestieren

Mettmann: Krankenhaus: Mitarbeiter protestieren
Noch sind sie nicht zu sehen, aber heute um 12 Uhr lassen die Mitarbeiter des Evangelischen Krankenhauses Protest-Ballons aufsteigen. i FOTO: D. Janick
Mettmann. Aus Verärgerung über die geplante Krankenhaus-Reform der Bundesregierung lassen die Mitarbeiter des EVK in Mettmann heute Luftballons steigen. Es geht um personelle Engpässe und einen Sanierungsstau. Von Oliver Wiegand

Wo die mit Helium gefüllten Luftballons landen werden, weiß der Himmel. Die an einer Schnur angehängten Postkarten werden aber garantiert nicht ihre Empfänger in Berlin erreichen. Doch die heute um 12 Uhr geplante Aktion der Mitarbeiter des Evangelischen Krankenhauses gegen die von der Bundesregierung geplanten Krankenhausreform ist auch nur symbolisch gemeint.

Hintergrund: Die Bundesregierung hat im Bundestag einen Gesetzentwurf für die Krankenhausreform eingebracht, der bei den Trägern und in der Medizin und Pflege auf breite Kritik und große Empörung stößt. Die Reform gebe auf die Finanzierungsprobleme der Krankenhäuser keine Antwort. Die notwendige Absicherung der Personalkosten finde nicht statt.

In dem Gesetzentwurf geht es um eine Änderung bei der Regelung der Finanzierung sowie der Messbarkeit von Qualität der Häuser. Unter bestimmten Bedingungen sollen sie geschlossen werden.

Bernd Huckels, Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses formuliert das so: "Der Entwurf sieht Belastungen und Kürzungen vor, anstatt die Finanzierung des Personals in den Krankenhäusern zu sichern". Das erzeuge in den Krankenhäusern im Kreis Mettmann sowie bei den Mitarbeitern zu Recht Unverständnis, Protest und Empörung. "Mehr Qualität durch weniger Geld und Personal - diese Formel kann nicht aufgehen", so Huckels. Die von der Bundesregierung angestrebte "Stärkung der Pflege am Bett" könne so unmöglich erreicht werde.

Man müsse sich das bei der Finanzierung eines Krankenhauses in etwa so vorstellen, als wenn VW einen neuen Golf für den Preis von 20.000 Euro ausliefere. "Am Ende bekommt der Konzern aber nur 5000 Euro für den Wagen. Das würde doch in der freien Wirtschaft keiner mitmachen", sagt Huckels.

Das Problem der Reform liege vor allem bei der Finanzierung. Das Krankenhaus in Mettmann ist erst vor kurzem aufwendig saniert worden. "Was hier steht, muss bezahlt werden", sagt Huckels. Es gelte, die Investitionskosten wieder hereinzubekommen. Doch das klappe auf Dauer nicht, wenn Mehrleistungen nicht abgegolten werden. "Wir sollen 120 Prozent leisten, bekommen aber viel weniger bezahlt.".

Die anhaltend schwierige Lage vieler Krankenhäuser, die hohen Belastungen des Personals, vielerorts sogar Personalengpässe, Sanierungsstau infolge unzureichender Investitionsmittel und immer weiter steigender Behandlungsbedarf, insbesondere in den Notfallambulanzen - das seien die drängenden Probleme der Krankenhäuser und zu deren Lösung die Krankenhausreform maßgeblich beitragen müsse, so Huckels.

Bereits heute Morgen haben sich Mitarbeiter aus verschiedenen Häusern im Kreis Mettmann mit Bus und Bahn auf den Weg nach Berlin gemacht, um mit tausenden Kollegen aus ganz Deutschland vor dem Brandenburger Tor an der zentralen Kundgebung der Deutschen Krankenhausgesellschaft teilzunehmen.

Quelle: RP
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