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Kreis Mettmann
Kröten wandern jetzt über die Straßen

Kreis Mettmann. Die aus der Winterstarre erwachten Tiere suchen Laichgewässer. Landesbetrieb warnt Autofahrer vor Rutschgefahr. Von Petra Czyperek und Oliver Wiegand

Obwohl es bereits März ist, sind die Temperaturen immer noch winterlich kalt. Doch mit den ersten warmen Sonnenstrahlen erwachen Kröten, Molche und Frösche aus der Winterstarre, und sie machen sich auf die Wanderschaft.

"Autofahrer müssen mancherorts mit erhöhter Rutschgefahr durch überfahrene Tiere rechnen", warnt Stephan Lamprecht vom Landesbetrieb Straßen. An den bekannten Wegen der Kröten errichteten dessen Straßenmeistereien Warnschilder und stellen Krötenzäune sowie Sammelbehälter auf. Freiwillige Helfer tragen darin abends und früh morgens die Tiere über die Straßen.

Kröten suchen das Gewässer, in dem sie selbst geboren wurden. Dort legen sie ihre Eier ab. Für Autofahrer bedeute das, an allen Straßen, die die Amphibien auf ihrem Weg passieren müssen, aufzupassen. In Mettmann sind Erdkröten am Regiobahnhof Neanderthal aktiv. Vor Jahren musste wegen der Kröten sogar der Parkplatz gesperrt werden. Die Regiobahn hatte außerdem aufgrund der Erdkröten Probleme mit dem Streckenausbau in Richtung Wuppertal-Dornap. Im September vergangenen Jahres stockte sogar der Ausbau. Die Bauarbeiten konnten erst weiter gehen, nachdem die Kröten eingesammelt worden waren. Wo es geht, versuchen Straßenbauer und Stadtplaner aber die Kröten von den Straßen fernzuhalten. An der Osttangente und am Südring in Mettmann verhindern Zäune, dass die Kröten die Straße überqueren. In Erkrath sind vor kurzem die erste Kröten am Römerweg zwischen Gerresheim und Unterbach gesehen worden.

In Wülfrath und Velbert kümmert sich Miriam Mundorf um Erdkröten und Frösche. Die 18-Jährige ist Umweltschützerin und bekam vor kuirzem für ihr Engagement vom BUND Kreis Mettmann den Umweltpreis verliehen. Auf die Idee, Kröten und Co. bei deren Wanderung zu beschützen, kam sie als Sechsjährige durch ihren Vater Markus.

Amphibien zu schützen ist für sie "selbstverständlich. Die gehören zum Ökosystem und wenn man sich nicht um sie kümmert, gibt es sie irgendwann nicht mehr." Einen Niedlichkeitsfaktor haben die Tiere nicht gerade, Angst sie anzufassen hat Miriam Mundorf nicht. Molche sind trocken, Frösche tatsächlich glitschig, beschreibt sie verschiedene Arten.

Mit Handschuhen geschützt, greift sie sich die jeweiligen Exemplare, legt sie vorsichtig in entsprechende Eimer und transportiert sie weg von gefährlichen Straßen. Und weil eine der Strecken, an denen die Amphibien bevorzugt wandern von der aus Rohdenhausen nach Velbert verlaufenden Rutzkauser Straße entlang der Mettmanner Straße führt, ist hier außerdem ein Tempolimit geplant, wie Nicole Fangmann von den Technischen Betrieben Velbert sagt. Spielt das Wetter mit, soll in den nächsten Tagen auf 400 Metern die Beschilderung zu einem Geschwindigkeitstrichter entstehen. Von Tempo 70 soll die Geschwindigkeit auf maximal 30 bis 40 km/h reduziert werden. Der Appell der Naturschützer an die Autofahrer, an den ausgeschilderten Stellen vorsichtig zu fahren, vor allem abends und nachts, soll damit Nachdruck verliehen werden. Zum Schutz der Tiere sollen außerdem Fangzäune aufgestellt werden, die die Tiere von der Straße fernhalten sollen. Tierschützer sammeln sie anschließend ein und tragen sie über die Straße. "Handarbeit ist unverzichtbar", beschreibt Mundorf die wichtigste Methode bei dieser Art von Tierschutz.

Quelle: RP
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