| 10.50 Uhr

Erkrath
Lokal wird zur Krimi-Bühne

Düsseldorf. Im Restaurant La Terrazza in Erkrath spielt das Stück "Ein mörderischer Empfang". Ein Gast fällt tot vom Stuhl und die Besucher können zwischen den Gängen miträtseln, wer ihn umgebracht hat. Von Manfred Müschenig

"Ein Arzt! Befindet sich ein Arzt unter den Gästen?" Ein eindringlicher Hilferuf schallt durch das Restaurant La Terrazza in Erkrath. Tatsächlich erhebt sich einer der Gäste und eilt zu dem Mann, der gerade mit kräftigem Röcheln neben einem Tisch zu Boden gegangen ist, tastet nach dessen Puls und schaut ihm in die Pupillen. Der Doktor findet kein Lebenszeichen mehr, kommt zu dem Schluss, dass wohl Gift im Spiel sei, und nimmt wieder Platz. Doch keine Angst, hier wurde kein unliebsamer Gast von Restaurantchef Michele di Stasi um die Ecke gebracht, vielmehr musste Jochen Leicar vom Lokalkrimi-Team aus Erftstadt in seiner Rolle als schusseliger Notar in dem Stück "Ein mörderischer Empfang" soeben dran glauben.

Große Nähe zu Akteuren

Nun sind erst mal alle Gäste gefordert, sich zu erheben und dem Verstorbenen mit dem zum britischen Volkslied gewordenen "Old lang syne" des schottischen Poeten Robert Burns die letzte Ehre zu erweisen, bevor sie sich dem zweiten Gang dieses kulinarisch-theatralischen Dinners hingeben können. Es gibt Antipasto Fantasia: unschuldiges Hornvieh in hauchdünne Scheiben geschnitten, zu Grabe gelegt und bedeckt mit einem Kranz von Rucola, Streifen eines Käse aus Parma und Tränen von Balsamico (oder schlicht Rindercarpaccio mit Rucola, Parmesan und Balsamico).

Bei der Suche nach neuen Spielstätten für sein Ensemble ist Theaterchef Jörg Heinrich auf das La Terrazza aufmerksam geworden und stieß bei dessen Inhaber Michele di Stasi gleich auf offene Ohren. Schließlich ist der immer für interessante Events zu haben, hatte er doch sogar fürs Guinness-Buch der Rekorde einmal die längste Pizza am Stück gebacken. Sein Restaurant passte hervorragend ins Konzept von Jörg Heinrich, der mit seinem Team – alles professionelle Schauspieler – bereits seit vier Jahren in der Gastronomie Theater spielt. Dass ganze Lokal wird zur Bühne, zwischen Vorspeise und Dessert werden die einzelnen Szenen gespielt, diesmal eine Testamentseröffnung, bei der es ausgerechnet den Notar schon nach kurzer Zeit dahinrafft. So nah kommt ein Theaterbesucher den Akteuren sonst kaum, und so genießen die Teilnehmer nicht nur ihr Menü, sondern auch die Spielszenen, die natürlich zum Mitraten nach dem Täter animieren. Als Lohn gibt's schließlich für den Tisch, der der Lösung am nächsten gekommen ist, noch eine Flasche Sekt als Belohnung. Doch bis dahin werden zunächst einige falsche Fährten gelegt, und einer der Gäste erlebt eine zusätzliche Schrecksekunde, als einer der Schauspieler nach einem Renault mit Düsseldorfer Kennzeichen fragt, der doch sehr sehr ungünstig vor dem Lokal abgestellt worden sei und den er deshalb mit seinem Wagen erwischt habe.

Auch wenn die Lösung des Falles am Ende manchen überrascht, haben doch alle Besucher ihren Spaß, gut gegessen und wegen der gemeinsamen Suche nach dem Täter auch reichlich Gesprächsstoff. Einige haben dann gleich für den nächsten Auftritt der Erftstädter in Erkrath reserviert.

Quelle: RP
 
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