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Analyse
Fraktionen bekommen kalte Füße

Mettmann: Fraktionen bekommen kalte Füße
Die Anne-Frank-Schule läuft aus. Mettmann muss sich Gedanken machen, wo die Hauptschüler unterkommen. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Die Fragebogenaktion zur Schullandschaft in Mettmann wurde auf Eis gelegt. Ein Grund ist die Bürgermeisterwahl im September. Eine Gesamtschule würde das Aus für eine bestehende Schule bedeuten. Von Christoph Zacharias

Schnellschüsse können auch schon mal nach hinten losgehen. Ein Beispiel ist die Fragebogenaktion zur Mettmanner Schullandschaft, die alle Fraktionen im Rat gefordert beziehungsweise unterstützt haben. Eigentlich sollte der Fragebogen nach der Sitzung des Schulausschusses am 21. Mai auf den Weg gebracht werden. Doch daraus wurde nichts.

Die Eltern der Kinder von 0 bis 10 Jahren sollten bis zum 14. August ein Votum abgeben, ob sie mit dem vorhandenen Schulsystem einverstanden sind, oder ob sie eine Gesamtschule oder Sekundarschule in Mettmann wünschen. Hintergrund: Die Fraktionen befürchten, dass immer mehr Mettmanner Grundschulkinder eine weiterführende Schule außerhalb der Stadtmauern besuchen. Nicht ohne Grund: Denn die Zahl der Viertklässler, die Mettmann den Rücken kehren, nimmt zu. Von 366 Mettmanner Viertklässlern sind jetzt 82 an weiterführende Schulen in anderen Städten angemeldet worden. Im letzten Schuljahr waren es noch 72 Schüler.

Aber: Es haben sich auch 23 auswärtige Schüler an den weiterführenden Schulen der Stadt Mettmann angemeldet. Die Vergleichszahlen im vergangenen Jahr lagen bei 13 Schülern. Ein zweiter Grund: Die Anne-Frank-Hauptschule läuft aus. Ab dem Schuljahr 2015/2016 werden nur noch die Jahrgänge 8, 9 und 10 beschult.

Eine Aufnahme von Kindern nach der vierten Klasse ist seit einigen Jahren nicht mehr möglich. Wo sollen diese Kinder beschult werden? Dritter Grund: Die Gesamtschule in Heiligenhaus boomt; 30 Viertklässler aus Mettmann sind für das neue Schuljahr angemeldet worden. Mettmanner Eltern fordern deshalb eine neue Gesamtschule in Mettmann, allein um den Kindern die langen Wege zu ersparen.

Die Verwaltung hatte in die Hände gespuckt und zusammen mit der Bezirksregierung einen Fragebogen entworfen, der aber noch nicht verabschiedet wurde. Er soll noch einmal überarbeitet werden, heißt es offiziell aus den Fraktionen. Beispielsweise wurde von der Bezirksregierung moniert, dass Eltern, deren Kinder derzeit noch im Vorschulalter seien, keine verlässliche Aussage über den Schulwerdegang ihres Kindes machen können.

Deshalb sei die verbindliche Auswertung einer Elternbefragung nur dann realistisch, wenn die Fragen sich an die Eltern der Dritt- und Viertklässler richten. Doch dies sind nicht die einzigen Gründe, warum der Fragebogen erst einmal auf Eis gelegt wurde. Fakt ist, dass der Fragebogen jede Menge kommunalpolitischen Zündstoff in sich birgt.

Die Aussagen des Fragebogens könnten Auswirkungen auf die Zukunft der Realschule, des HHG und des KHG haben. Denn die Bezirksregierung und das städtische Schulverwaltungsamt haben unmissverständlich klar gemacht, dass eine Gesamtschule oder eine Sekundarschule das Aus für eine oder sogar zwei bestehende weiterführende Schulen in Mettmann bedeuten würde. Man stelle sich vor: Es kommen 100 (erforderliche) Anmeldungen für eine neue Gesamtschule zusammen.

Damit wären beispielsweise das HHG, das KHG oder die Realschule überflüssig. Der Aufschrei in Mettmann wäre groß. Und das Ergebnis käme zur Unzeit, nämlich zur Bürgermeisterwahl im September. Ein Szenario: Eltern von Kindern, die das HHG besuchen, würden vermutlich Sturm laufen, wenn das Metzkausener Gymnasium für eine Gesamtschule "geopfert" werden müsste. SPD und CDU müssten sich den Wählern erklären.

Zur Erinnerung: Die Bildung einer Sekundarschule in Mettmann war 2013 am Elternwillen gescheitert. Es gab zwar Eltern, die sich vehement für eine solche Schulform einsetzten, aber es waren letztendlich zu wenige. Die 75 notwendigen Anmeldungen kamen nicht zusammen.

Ähnlich könnte es bei der Abstimmung zur Gesamtschule sein. Falls nicht, müsste ein Gymnasium in eine Gesamtschule umgewandelt werden.

Quelle: RP
 
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