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Großbäckerei in Mettmann macht dicht
Lebensmittelkontrolleure machen eklige Funde

Ekel-Funde der Lebensmittelkontrolleure
Ekel-Funde der Lebensmittelkontrolleure FOTO: Kreis Mettmann
Kreis Mettmann. Das Amt für Verbraucherschutz des Kreises Mettmann hat im vergangenen Jahr 2404 Betriebe kontrolliert, die Lebensmittel herstellen oder verkaufen. Dabei wurden 210 Verwarngelder und 20 Bußgeldbescheide fällig. Ein Betrieb fiel immer wieder auf und gab jetzt auf. Die Kontrolleure bekommen eklige Funde zu sehen.  Von Oliver Wiegand

Dezernent Nils Hanheide staunt jedes Jahr, was die zehn Lebensmittelkontrolleure des Kreises Mettmann so alles finden. Da gibt es laktosefreien Schafskäse vom Wochenmarkt, der in Wirklichkeit voller Laktose ist. Auch auf dem Markt gefunden: Glutenfreies Brot, das gar nicht glutenfrei ist. Oder Fischfilets, die mit viel zu viel Wasser angereichert sind. Tückisch: Seeteufel der den gefährlichen Kugelfisch enthalten könnte. Eklig: Große Schimmelpilzkulturen im Apfelsaft. Fast noch harmlos: Ein 5-Liter-Kanister Olivenöl, der in Wirklichkeit billiges Soja-Öl war.

Auch wenn es einige spektakuläre Fälle gibt: "Die Verbraucher müssen sich keine Sorgen machen", sagt Hanheide jetzt bei der Vorstellung des Verbraucherschutzberichts für den Kreis Mettmann. Die Kontrolleure haben im vergangenen Jahr 3906 mal in Restaurants, Kneipen, Bäckereien, Metzgereien und Supermärkten vorbeigeschaut. 210 Verwarngelder wurden erhoben, 20 Bußgeldbescheide ausgestellt. 173 mal haben die Verbraucher die Kontrolleure auf Missstände aufmerksam gemacht. In den Betrieben sind es oft kleine Beanstandungen. Wie etwa die Kennzeichnung von Lebensmitteln. Ist ein Zusatzstoff nicht deklariert, fällt man eben auf.

Richtig aufgefallen und das gleich mehrfach ist allerdings eine Großbäckerei, die mit mehrere Filialen im Kreis Mettmann vertreten ist. Schon im Jahr 2014 waren erhebliche Missstände zu beklagen. Die Kontrolleure fanden kaputte Fliesen, Dreck an den Produktionsstätten für Brot, Kuchen und Teilchen sowie dreckige sanitäre Anlagen. Dazu kam Mäusekot und "sonstiger Schädlingsbefall".

"Um die Verbraucher zu schützen, mussten wir die produzierte Ware zurückrufen", sagt Amtsleiterin Dorothea Stangier. Erst nach vier Nachkontrollen wurde der Bäckerei die Produktion wieder erlaubt. Doch bei einer erneuten Kontrolle im Mai vergangenen Jahres staunten die Prüfer. Im Rohstofflager, im Sauerteig-Raum sowie in der Kommissionierung befand sich erneut Mäusekot. In der Konditorei sowie im Kühlhaus war der Boden stark verschmutzt. Das Amt für Verbraucherschutz ordnete eine Grundreinigung sowie die Bekämpfung der Schädlinge an. Nach drei Nachkontrollen, Gebühren von 1250 Euro sowie einem Bußgeldbescheid in vierstelliger Höhe hatten die Verantwortlichen offenbar die Nase voll. Der Betrieb hat seine Produktionsstätte im Kreis Mettmann aufgegeben und nach Duisburg verlagert. Offenbar waren erhebliche Investitionen notwendig, um die Bäckerei in einen ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen.

Ein ganz ähnliches Bild ergab sich bei einer zweiten Großbäckerei im Kreis Mettmann, die nach wie vor produziert. Dort fanden die Prüfer in Regalen, in denen Lebensmittel gelagert wurden, Mäuse und ihre Nester. Viele Lebensmittel waren verdreckt, verdorben von Mäusen angefressen oder verunreinigt. Im Bericht ist von "ekelerregenden Zuständen" die Rede. Die Kontrolleure ordneten die sofortige Vernichtung des Lebensmittellagers an. Das Bußgeldverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Doch auch die Bürger selbst entdecken in Lebensmitteln ab und an Dinge, die sie stutzig werden lassen, berichtet Dorothea Stangier. Ein Bürger im Kreis Mettmann hatte sich bei einem Lebensmittel-Discounter Apfelsaft in einem Tetra-Pack gekauft. Nach zwei Tagen fand er in der Packung eine "schwammige Ablagerung." Die Laboruntersuchung bestätigt: Es handelte sich um dem Schimmelpilz Mycel, der den Saft ungenießbar machte. Weil es bereits der dritte Schimmelpilz-Fund im Saft des Herstellers war. Der betroffene Hersteller, der nicht aus dem Kreis Mettmann stammt, wurde informiert.

Warum nennt der Kreis Mettmann die betroffenen Betriebe nicht mit Namen?

Kreissprecherin Daniela Hitzemann erklärt:  "Die teilweise schlimmen Zustände in den betroffenen Bäckereien sind beseitigt und abgestellt".  Alles was ordnungsrechtlich möglich ist, wurde gemacht. Es gab Bußgelder und es laufen Verfahren. Darüber hinaus gibt es es Möglichkeiten, den Betrieb sogar zeitweise zu schließen. "Wir wollen die Leute warnen, wenn eine aktuelle  Gesundheitsgefahr besteht", sagt Hitzemann. Es gehe aber nicht darum, Unternehmen an den Pranger zu stellen, die die Mängel beseitigt haben. 

Quelle: RP
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