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Wülfrath
Mit dem Leihopa in die Natur

Wülfrath: Mit dem Leihopa in die Natur
Hans-Jürgen Schlinsog erklärte den Lindenschülern den Nutzen der Buche. FOTO: RPO
Düsseldorf. Hans-Jürgen Schlinsog führte Lindenschüler in einen Buchenwald. Umweltgruppe der offenen Ganztagsschule war wissbegierig unterwegs. Mit Pfeil und Bogen traf keiner. Von R. Mairose-Gundermann

Leuchtend grüne Buchenblätter. Vogelgezwitscher. Sonnenstrahlen zwischen Zweigen. Ein leichtes Lüftchen. Eine wissbegierige Gruppe von acht Kindern. Eine Waldbank zum Rasten, Trinken, Reden und Lernen. So macht Schule Spaß. Die Umweltgruppe der Offenen Ganztagsgrundschule (Ogata) der Lindenschule befindet sich auf „geschichtlicher Exkursion in der Natur und Wissenschaft.“ Daniel trägt einen Beutel mit Speer, Pfeil und Bogen über der Schulter. „Ich habe schon gefragt, ob wir damit Rehe jagen“, grinst Christian. Jasmin riskiert unterwegs einen Blick in Bauer Niermanns Kuhstall.

„Wir sprechen heute über die Buche“, sagt Senior Hans-Jürgen Schlinsog. Über das SKFM-Projekt, „Leihoma/ Leihopa“, engagiert er sich vor allem in der DRK- Kindertagesstätte. Bei einem SKFM-Familientreffen war Nadine Helmers, Leiterin der Ogata der Lindenschule, so begeistert von seinem Vortrag, dass sie ihn um einen Beitrag für die Umwelt AG bat. „Er hat so viele Ideen. An einem Nachmittag werden wir das nicht schaffen. Außerdem hat er einen tollen Umgang mit den Kindern“, sagt Helmers begeistert.

Erst- bis Viertklässler

Die Erst- bis Viertklässler lassen sich gespannt auf alles ein. „Wer kann von Euch die Luft anhalten“, fragt Schlinsog. Alle Arme fliegen hoch. Alle halten die Luft an. Es wird still auf der Bank am Waldesrand. Nadine Helmers lächelt. „Das sollte ich öfter versuchen.“ Wie lange kann der Mensch ohne Sauerstoff auskommen? Warum? Woher bekommt er den Sauerstoff? Schlinsog spricht über Atmung, über den Sauerstoffbedarf der Bäume. „Was sie nicht brauchen, geben sie an uns weiter. Weil das alle Pflanzen machen, können wir alle leben.“

Die Kinder nehmen sich Buchenblätter vor und lernen etwas über „Photosynthese“. Julian findet das einfach, „cool“. Das Thema, „Buche“, ist schier unerschöpflich. Die aufgeweckten Schüler bringen selbst eine Menge Wissen ein. Von eingesammelten Bucheckern geht es weiter zur Herstellung von Öl. Vom Buchenholz, auf das Menschen vor Urväterzeiten Informationen schrieben, zu Buch und Buchstaben. „Vor 300 Jahren gab es noch keine Seife. Da haben sich die Leute mit verbranntem Holz, mit Pottasche gewaschen“, erzählt Schlinsog. Im Wald sucht sich jedes Kind eine Buche aus. Glatte Rinde, Höhe 20-30 Meter, befinden sie.

„Machen wir jetzt was mit dem Speer?“ Was Daniel die ganze Zeit mit sich herum schleppte, macht alle neugierig. Schlinsog zeigt eingeritzte Zeichnungen auf dem schlichten Holzspeer und seine Handhabung „Kinder mussten früher lernen, mit dem Speer umzugehen.“ De Kinder probieren geduldig aus, mit Pfeil und Bogen einen Luftballon im Busch zu treffen. „Die Kinder merken, dass sie nicht treffen können“, sagt der Senior. Das liefert den Einstieg, einen Gedanken darauf zu werfen, wie der Mensch zur Viehzucht kam.

Insgesamt besuchen 38 Lindenschüler die von der SKFM geführte Ogata. Eines der Angebote ist die Umweltgruppe, an der sich zehn Kinder beteiligen. Einmal wöchentlich treffen sie sich zu Experimenten, forschen in der Natur, legen einen Schulgarten an. Sie sähen und ernten Gemüsesorten, um sie selbst zu Gerichten zu verarbeiten.

In dem generationsübergreifenden Projekt, „Leihoma/ Leihopa“, geben Senioren ihren Schatz an Lebenserfahrung und Berufswissen an Kinder weiter. In Gruppen der Ogata werden beide Projekte zusammengeführt. Eine Seniorin schart beispielsweise wöchentlich die kleinen „Leseratten“ um sich, eine andere hat mit Kindern Plätzchen gebacken. Hans-Jürgen Schlinsog hat sich Buche und Natur angenommen. Weitere engagierte Senioren werden gesucht.

Quelle: RP
 
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