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Rp-Serie Mit Dem Fahrrad In Den Frühling (5)
Mit Handicap die Heimat neu entdecken

Rp-Serie Mit Dem Fahrrad In Den Frühling (5): Mit Handicap die Heimat neu entdecken
Mitfahrerin Monika Spielmann auf dem Dreiradtandem mit Wolfgang Appelbaum. "An seiner Seite fühle ich mich sicher", sagt sie. FOTO: Privat
Mettmann. Der Hildener Wolfgang Appelbaum bietet Touren durch die Region an. Mit ihm fahren Menschen, die es allein nicht schaffen. Von Dominique Schroller

Hilden Ein Handicap sollte keine Behinderung sein - davon ist Wolfgang Appelbaum überzeugt und bietet seit vier Jahren begleitete Radtouren an. "Die Idee ist entstanden, als wir damals Besuch von einem Freund mit Multipler Sklerose bekamen. Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, mit ihm auch außerhalb des Hauses etwas zu unternehmen. I

Internet habe ich dann diese Räder entdeckt", erinnert sich der Hildener. Er kaufte das Spezialtandem und strampelt seitdem zusammen mit seinen Klienten. Er kommt bis zu ihrer Haustür und erfährt mit ihnen die Umgebung. "Wir radeln zum Markt, durch die Stadt oder zum Eis essen." Er bietet auch Ausflüge an. "Die Menschen lieben das und ich liebe diese Menschen", sagt Appelbaum.

"An seiner Seite fühle ich mich sicher und erreiche Ziele, die ich sonst nie erreichen könnte", berichtet Monika Spielmann. Sie ist seit einer Gehirnblutung halbseitig gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. "Meine Welt ist seitdem begrenzt." Zweimal im Monat ist sie mit Appelbaum unterwegs und genießt diese Ausflüge in vollen Zügen. "Es tut mir gut, mich zu bewegen und in der Natur zu sein. Unsere Gespräche möchte ich auch nicht missen", sagt die Langenfelderin. Ihre Lieblingstour führt durch die Ohligser Heide, Wolfgang Appelbaum ist besonders gerne an der Urdenbacher Kämpe unterwegs. "Beide Routen sind jedoch 25 Kilometer lang und für weniger geübte Fahrer zu anstrengend. Deshalb haben wir uns etwas anderes überlegt."

Startpunkt Für Tandems, Dreiräder und Spezialfahrzeuge aller Art geht es am Parkplatz an der Langforter Straße gegenüber der Feuerwehr los. "Er ist mit dem Bus gut zu erreichen, Pkw und Anhänger lassen sich gut abstellen", sagt Appelbaum.

Beginn Er startet seine Rundfahrt rechts Richtung Gut Langfort, überquert die Berghausener Straße und nimmt Am schwarzen Weiher Kurs auf den Oerkhaussee. "Der Weg führt am Jüdischen Friedhof vorbei. Dafür kann man sich im Rathaus den Schlüssel holen oder bei Herrn Schmitz anmelden und eine Führung bekommen. Das lohnt sich, die Stille dort und die ganze Atmosphäre rund um die historischen Grabsteine ist außergewöhnlich", sagt Monika Spielmann.

See und Wildschweinpark Die Tour führt am Oerkhaussee vorbei und bietet einen Blick auf die Wasservögel und ihren Lebensraum. "Das Ufer ist etwas freigeschnitten und es ist wirklich sehr schön dort", betont Wolfgang Appelbaum. Er lenkt sein Gefährt am Ende des Sees nach Westen und lässt es durch das Tor in das Wildschwein-Revier im Garather Forst rollen. "Wir halten uns dann links und fahren ganz gemächlich am Garather Mühlenbach entlang und über die Kastanienallee auf den Schlosspark zu." Da dort immer etwas blüht, lohnt sich die Rundfahrt durch den romantischen Garten. Siepmann freut sich auf den Wildschweinpark im Garather Forst. "Ich möchte mal eines der Tiere sehen. Sie gehen leider immer in Deckung, wenn ich komme."

"Wir verlassen den Park im Süden und wenden uns Richtung Hellerhof. Die hohen Hecken hinter denen sich die großzügigen Häuser verbergen, säumen die Straße", berichtet Wolfgang Appelbaum. Seit er die begleiteten Fahrten anbietet, sieht er die Landschaft mit anderen Augen. "Inzwischen kenne ich viele Blumen und Tiere, die ich vorher schlicht übersehen habe." Neben ihm sitzen Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen, aber auch mit Demenz. Bei ihnen kann er über das Rad oft verloren geglaubte Erinnerungen wecken. "Da die meisten in ihrer Jugend häufig so unterwegs waren, sind damit oft zahlreiche Erlebnisse verknüpft. Die Betreuer berichten mir oft, dass die Menschen alles andere vergessen, aber vom Radfahren noch Tage später sprechen."

Ende und Einkehr Auf seiner Tour umrundet Wolfgang Appelbaum den Schlosspark östlich, überquert links die Brücke über den Galkhausener Bach, hält sich links Richtung Wolfhagen und rollt über die Wolfhagener Straße, um dann wieder links zum Schwarzen Weiher abzubiegen und zum Ausgangspunkt zurückzukehren. "Das Bistro der Sportgemeinschaft Langenfeld bietet anschließend noch Gelegenheit zu einer gemütlichen Einkehr."

Gestartet ist Appelbaum mit einem Rad in seine Selbstständigkeit. Inzwischen hat er drei Paralleltandems und zwei einsitzige Dreirädern. "Die Reaktionen der Kunden sind positiv. Wenn sie einmal mit mir gefahren sind, kommen sie immer wieder." Denn auf zwei Rädern machen sie ganz neue Erfahrungen - und ihre Welt bekommt mit jedem Pedaltritt eine neue Weite.

Quelle: RP
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