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Mettmann
Mit historischen Schätzen werben

Mettmann: Mit historischen Schätzen werben
Die Reste des Wehres und des Stausystem sind am Wanderweg entlang der Düssel noch erkennbar. Das Bodendenkmal müsste allerdings erhalten werden. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Die Stadt soll das Flößsystem im Düsseltal und den alten Fernhandelsweg "strata coloniensis" besser vermarkten. Von Christoph Zacharias

Reste eines über 150 Jahre alten Bewässerungssystems existieren noch im Düsseltal. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts bewässerten Bauern einen Teil ihrer Wiesen, da die mitgeführten Nährstoffe und die Feuchtigkeit des Wassers den Heu-Ertrag wesentlich erhöhten. Dafür wurde die Düssel hinter dem Haus Wanderclub aufgestaut und mit Schleusen versehen. Die Zuleitungsgräben zu den Wiesenflächen nannte man Flößgräben. Heute sind im Gelände noch einige, verlandete Grabenabschnitte und Mauerreste der Wehre zu sehen. Nach bisherigen Untersuchungen unter anderem von Friedel Sackel und W. Sauter überlappen sich die drei System räumlich, funktionieren aber völlig unabhängig voneinander. Dabei handelt es sich um den Holtzer Graben, den Stöckers Graben und den Butterberggraben. Ziegelmauerreste des oberen Stauwehres sind heute noch vorhanden.

Uwe-Michael Kloss schlug jetzt im Bürgerausschuss vor, das Bodendenkmal touristisch besser zu vermarkten. Dies ist bereits in Ansätzen geschehen: Denn an dem ehemaligen Wehr ist eine große Tafel angebracht worden, die das Bewässerungssystem erklärt. Da sich die Flößgräben auf Privatgelände befinden, das bewirtschaftet wird und die Gräben nur noch ansatzweise zu erkennen sind, scheidet eine Exkursion auf die Wiesen aus. Neben den Flößgräben, so Kloss, sei auch die strata coloniensis (Kölnische Landstraße) ein Bodendenkmal, mit dem man touristisch werben könnte.

Die strata coloniensis gehörte im Mittelalter zu den bedeutendsten Fernhandelswegen des niederbergischen Hügellandes. Die hochwasserfreie Trasse verband die reichsfreie Abtei Werden mit der Handelsmetropole Köln. Von dieser alten Wegtrasse sind heute im Stadtgebiet von Mettmann nur noch wenige Teilstücke erhalten. Beginnend an der süd-westlichen Stadtgrenze zu Erkrath unmittelbar an der ehemaligen Furt der Düssel verläuft die heute asphaltierte Straße auf den Hof Thunis zu und erreicht über eine Serpentine die nördlich gelegene Hoffläche. Im Bereich der Kreuzung nach Schragen bzw. Höchsten hat sich der Weg und die kreuzende Verbindung als Hohlweg in das Gelände eingetieft. Weiter nach Nordosten erreicht die Straße die Einzelhofsiedlung Steinöckel. Am Ausgang des Weilers ist die alte Trasse noch auf etwa 150 Meter erhalten, bevor sie durch moderne Wegumlegung verändert wird. In ihrem weiteren Verlauf ist die ehemalige "strata colonensis" erst wieder nordöstlich des Ortsteils Schöllersheide, an Auerbaum vorbei bis zur Stadtgrenze nach Wülfraths Trasse erhalten.

Die mittelalterlichen Wege waren wenig oder gar nicht befestigt. War eine Fahrspur ausgefahren, so wurde parallel dazu eine neue eingerichtet. Vor allem an den Berghängen entstanden so im Zusammenhang mit Erosion ausgeprägte Hohlwege. Durch die eisenberingten Wagenräder der Karren und Fuhrwerke, haben sich vielfach Fahrspuren als Karrengleise im Erdreich oder dem anstehenden Gestein erhalten. Neueren wissenschaftlichen Forschungen nach, wurden im Mittelalter durchaus auch die Fernhandelswege künstlich befestigt.

Zurück zum Antrag im Bürgerausschuss: Die Stadt will Kontakt mit dem Kreis aufnehmen, ob er Hinweis- und Erklärungstafel an der strata coloniensis anbringen kann.

Quelle: RP
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