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Kreis Mettmann
Mitarbeiter der Kreisverwaltung soll Geld veruntreut haben

Kreis Mettmann. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittelt, der Schaden soll im sechsstelligen Bereich liegen. Von Christoph Zacharias

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittelt nach Informationen unserer Zeitung gegen einen Mitarbeiter der Kreisverwaltung Mettmann. Wie Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert unserer Zeitung gestern auf Anfrage mitteilte, habe der Mann, der in der Verwaltung des Kreises arbeitete, Aufträge an Firmen erteilen dürfen. Ihm wird nun vorgeworfen, diese Aufträge an Firmen von Familienangehörigen übergeben zu haben. Offenbar hätten aber diese Firmen die Leistungen nicht erbracht, das Geld sei aber dennoch an sie überwiesen worden.

Wie Baumert weiter mitteilte, sei dem Mitarbeiter der Kreisverwaltung mittlerweile gekündigt worden. Man habe sich arbeitsrechtlich geeinigt. Baumert hat sich in den vergangenen Wochen mehrere richterliche Beschlüsse besorgt und die Wohnung des Mannes und der Firmen durchsuchen lassen. "Wir werten derzeit aus", sagte der Oberstaatsanwalt gestern. Sollte sich der Anfangsverdachts des Betruges erhärten und der Schaden, wie vermutet, im sechsstelligen Bereich liegen, dann drohen dem Mann entweder eine hohe Geld- oder eine Freiheitsstrafe, die außerhalb des Bewährungsrahmens liegen könne.

Die Kreisverwaltung teilte gestern auf Nachfrage Folgendes mit: Es bestehe der Verdacht eines Betrugsfalles im Baubereich, der vom Rechnungsprüfungsamt des Kreises aufgedeckt wurde. Personalrechtliche Konsequenzen hätten dazu geführt, dass die Kreisverwaltung sich inzwischen von einem Mitarbeiter getrennt hat. Insgesamt seien die Ermittlungen bisher nicht abgeschlossen. Aufgrund des laufenden Strafverfahrens bittet die Kreisverwaltung um Verständnis, dass derzeit keine weiteren Auskünfte möglich sind. Fälle, dass Mitarbeiter von öffentlichen Verwaltungen im Dienst gefehlt haben, sind keine Seltenheit. So wurden zwei Mitarbeiter der Stadtverwaltung Erkrath im Jahr 2008 wegen Bestechlichkeit und Urkundenfälschung zu Bewährungsstrafen verurteilt. In Ratingen war vor drei Jahren ein Baudezernent vom Dienst suspendiert und wegen Vorteilsannahme zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Düsseldorfer Landgericht sprach den Mann wegen des Korruptionsdelikts schuldig. Er habe bei der Renovierung seines Privathauses einen Rabatt von 25 Prozent von einer Firma angenommen, die auf das Wohlwollen der Stadt angewiesen sei, so die Richterin damals. Viele Kommunen und Kreise haben in den letzten Jahren sogenannte Antikorruptions-Vereinbarungen getroffen. Auch der Kreis Mettmann verfügt über ein solches Antikorruptionskonzept, das aber nicht öffentlich einsehbar ist. Anders bei der Stadt Mettmann: Dort existiert eine solche Konzeption, die öffentlich ist.

Quelle: RP
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