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Erkrath
Neue Räder für weiße Speiche

Düsseldorf. Der Tandemclub bietet Sehbehinderten die Möglichkeit, als Mitfahrer auf dem Rad frische Luft und Fitness zu tanken. Die bis zu 30 Kilometer langen Touren werden mal gemütlich, mal schnell angegangen. Von Manfred Müschenig

Auch wer aufgrund einer Sehbehinderung nicht mehr allein aufs Fahrrad steigen kann, muss auf das Strampeln an frischer Luft nicht verzichten: Regelmäßig bietet der die Tandemgruppe "weiße Speiche Erkrath Düsseldorf" im ADFC Erkrath Ausflüge mit den Zwei-Personen-Fahrrädern an. Acht dieser speziellen Räder standen dafür bisher dem Club zur Verfügung, jetzt kamen durch eine Spende des Blindenvereins Düsseldorf zwei brandneue Räder hinzu.

Helga Hermanns, Vorsitzende des Blindenvereins, überreichte die Räder jetzt an Dr. Wolfgang Anft, den Leiter der Tandemgruppe. Ihr Verein fördere viele Aktivitäten, die deutlich machen, dass für Blinde und stark Sehbehinderte das Leben nicht zu Ende ist nur aufgrund ihrer Behinderung. So gebe es eine sehr aktive Wandergruppe, es werde Skat gespielt, andere Kegeln oder Schießen – sie peilen mit Hilfe eines Kopfhörers und einem eingespielten Ton ihr Ziel an.

Solch ein Tandem koste in der Regel rund 2000 Euro, ihr Verein habe es glücklicherweise zu einem Sonderpreis bekommen, berichtete Helga Hermanns. Sie hofft, mit dem Bestand von nun zehn Rädern die "weiße Speiche" viele schöne Ausflüge unternehmen kann. Die Initiative zur Gründung der Gruppe hatte Dr. Anft im Jahre 2006 ergriffen. "Als Augenarzt habe ich viel mit Blinden zu tun. Und ich fahre selbst gerne Rad. So konnte ich Beruf und Hobby verbinden", berichtet Anft. In der Regel sind vier bis fünf Tandems dabei, maximal können nun zehn Zweierteams auf Tour gehen. Das sei natürlich nur möglich, weil der Club viele engagierte Piloten habe, die in ihrer Freizeit mit großer Begeisterung die Blinden durch die Natur steuern.

Gegenseitiges Vertrauen sei natürlich auch wichtig, ergänzt Wolfgang Schulten aus Mettmann, der seit vorigem Jahr regelmäßig mit auf Tour geht. Kurz nachdem er seinen Augenerkrankung bekam, habe er von dem Club erfahren und sei einmal mitgeradelt. "Es hat großen Spaß gemacht und seitdem bin ich dabei." Er schätzt die Bewegung draußen an der Luft und kann gar nicht verstehen, dass nicht viel mehr aus seinem Blindenverein dieses Angebot nutzen. Irene Ellwanger aus Düsseldorf ist schon einige Jahre dabei. Ihr Pilot ist aus Erkrath, sie sind bereits ein eingespieltes Team, treffen sich meist schon vor Beginn der Tour in Erkrath. Es sei eine Glanzleistung, solch einen Tandemkreis aufzubauen, betont sie. Immerhin kann sie vergleichen, besucht bereits seit Jahren eine ähnliche Gruppe in Köln.

Die Erkrather überlegen jetzt sogar eine zweite Gruppe einzurichten. Eine, die die etwa 30 Kilometer langen Touren wie bisher eher gemütlich angeht, eine weitere, die es etwas sportlicher mag und noch ein wenig kräftiger in die Pedalen tritt.

Quelle: RP
 
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