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Erkrath
Neuer Charme für ältere Siedlungen

Erkrath: Neuer Charme für ältere Siedlungen
Experten haben sich in Erkrather Siedlungen umgeschaut, auch am Lärchenweg. FOTO: Dietrich Janicki
Erkrath. Experten empfehlen, Einfamilienhäuser aus den 50er- bis 70er Jahren herzurichten, damit sie später nicht veröden. Von Isabel Klaas

Ältere Siedlungen haben ihren Charme, öfter aber auch – wenn sie nicht gerade in attraktiven Großstädten liegen – mehr Nach- als Vorteile.

Die Wüstenrotstiftung unterstützt ein Forschungsprojekt, das sich speziell Einfamilienhausgebieten aus den 1950er bis 1970er Jahren angenommen hat. Unter den 29 Fallstudien in 15 Gemeinden sind auch die Erkrather Wohngebiete Millrath (Ulmen-, Buchen- und Lärchenweg) sowie der Willbecker Hang mit Ruhr- und Wupperstraße).

Donnerstagabend stellte Andrea Berndgen-Kaiser vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung Dortmund im Ausschuss für Stadtentwicklung die Ergebnisse mit dazugehörigen Handlungsempfehlungen vor.

Mit ihren Vorschlägen begeisterte sie besonders die Grünen und die anwesenden Vertreter der Initiative "Zukunft für Unterfeldhaus", die unverdrossen gegen ein neues Wohngebiet vor der eigenen Haustür kämpfen. Berndgen-Kaiser nämlich warnte davor, neue Wohngebiete auszuweisen, die nicht rentabel seien, während ältere langsam verödeten. Sie plädierte dafür, den Bestand aufzurüsten und vorhandene Siedlungsgebiete zu verdichten.

"Wir wollen den Gemeinden helfen, heute noch im richtigen Zeitraum Entscheidung zu fällen, die die Entwicklung überalterter Wohngebiete ins Positive umlenkt, ehe es zu spät ist", sagt Stefan Krämer, Leiter des Ressorts Wissenschaft und Forschung der Stiftung Wüstenrot. "Denn der Leerstand droht, wenn nichts unternommen wird", betonte Berndgen-Kaiser gestern.

Klar wurde, dass der Stadt Erkrath sehr daran gelegen ist, ihren alten Wohnungsbestand auf Vordermann zu bringen. Die Verwaltung hatte sich vor Jahren für die Teilnahme an dem Forschungsprojekt "Zukunft von Einfamilienhausgebieten aus den 1950er bis 1970er Jahren" beworben. "Das ist ein Zeichen, dass sich die Gemeinde stark mit dem Thema beschäftigt und aufgeschlossen ist", bestätigte auch Krämer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Obwohl an jede Siedlung eine eigene Messlatte angelegt werden muss, nennt Krämer einige allgemeingültige Beobachtungen: Die Häuser entsprechen nicht mehr aktuellen Energierichtlinien. Sie sind oft zu kleinteilig gebaut und nicht attraktiv für junge Familien. Die Bewohner sind überaltert, denn die Kinder sind meist weggezogen, oft leben nur noch die Witwen der ehemaligen Häuslebauer allein in ihrem Domizil.

Die Busanbindung ist schlecht, vernetzte Wege und Stätten der Begegnung sind nicht vorhanden. Potenzielle Kaufinteressenten wissen nicht, ob An- und Umbauten planungsrechtlich möglich sind. "Viele dieser Probleme lassen sich jetzt noch lösen, wenn die Gemeinden präventiv agieren", sagt der Fachmann. "Das ist eine Entscheidung der Stadträte vor Ort. Wir geben nur Empfehlungen."

Besonders die Grünen und Wolfgang Sternberg vom Naturschutzbund hoffen nun, dass die Ergebnisse des Forschungsprojektes ins Stadtentwicklungskonzept einfließen.

(RP/ila)
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