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Mettmann
Neues Glasdach wird zum Zankapfel

Mettmann: Neues Glasdach wird zum Zankapfel
Das "Waschbrett" ist über 40 Jahre alt und muss - falls es nicht abgerissen wird - saniert werden. Die Verwaltung schätzt die Kosten auf 30.000 Euro. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. An der Mühlenstraße soll anstelle des "Waschbretts" eine luftigere Konstruktion gebaut werden. Von Christoph Zacharias

Lange Gesichter auf der Verwaltungsbank: Die Mitglieder des Planungsausschusses lehnten bei einer Enthaltung den Vorschlag der Verwaltung ab, ein neues Glasdach anstelle des alten "Waschbretts" an der Mühlenstraße zu errichten. Offenbar hatten die Fraktionen Bauchschmerzen, eine Konstruktion durchzuwinken, die 500.000 Euro kosten soll (mit Abbruchkosten und Platzgestaltung). Das Land hatte zwar im Vorfeld zugesagt, 70 Prozent der Kosten zu übernehmen - der Förderbescheid liegt bereits im Rathaus. Bleiben aber noch 150.000 Euro bei der Stadt hängen. "In der derzeitigen Haushaltssituation ist diese Ausgabe dem Bürger nicht zu erklären", sagte FDP-Fraktionschef Klaus Müller. Der Bund der Steuerzahler kritisierte bereits im Mai das Vorhaben der Stadt Mettmann, einen neuen Unterstand mit einem Glasdach an der Mühlenstraße zu bauen. 500.000 Euro würden die Planung, der Abbruch des "Waschbretts" und der Neubau des Glasdachs kosten. Hinzu kämen noch Kosten für die weitere Platzgestaltung.

Finanziert werden, so der Steuerzahlerbund, müsse der städtische Eigenanteil von 30 Prozent aus Krediten. Zwei mal pro Jahr müsse das Glasdach außerdem gereinigt werden zu Kosten von 500 Euro je Reinigung, wie aus Ratsunterlagen hervorgehe. "Könnte auf ein Wetterdach nicht komplett verzichtet werden? Zugegeben, es ist klobig und nicht sehr elegant. Doch eine optische Zumutung ist es nicht", hieß es beim Bund der Steuerzahler. Auch wenn das Land die 70 Prozent Förderung für das schicke Glasdach spendiere und der Eigenanteil der Stadt "nur" 30 Prozent ausmache - es sei alles Steuergeld. Ute Stöcker (CDU) lehnte ein Glasdach an der Mühlenstraße ebenfalls aus Kostengründen und wegen der Folgekosten ab. Außerdem vermisse sie eine Gesamtplanung des Bereichs. "Das ist nur ein punktuelles Gestaltungselement. Man muss die künftige Neugestaltung des Jubiläumsplatzes miteinbeziehen", sagte sie. Ähnlich äußerte sich die SPD: "Wir haben immer gesagt, dass wir den gesamten Jubi neu ordnen müssen. Ansonsten wird das ein Flickwerk bleiben", betonte Berthold Becker (SPD). Der Wunsch nach einem Workshop wurde geäußert. "Den hatten wir bereits", sagte Klaus Müller (FDP). Die Ergebnisse seien aber unbefriedigend gewesen, meinten SPD und CDU.

Die UBWG-Fraktion forderte, auf den Zuschuss zu verzichten und keine Erneuerung des Waschbrettes vorzunehmen. Fraktionschef Hans-Günther Kampen: "Wem soll denn diese Überdachung nutzen? Taubenlandeplatz oder Unterstand für Rudis Resterampe?" Piraten/Linke und Grüne lehnten ebenfalls ein neues Glasdach ab.

Eine Sonderkonstruktion, die viel Geld kostet: So sollte der neue Unterstand an der Mühlenstraße aussehen. Der Planungsausschuss will das Thema im November erneut beraten. FOTO: Büro Stadtraum

Bürgermeister Thomas Dinkelmann machte den Vorschlag, die historische Straßenbahn hinter der Ellipse am Jubi unter einem Glasdach zu platzieren. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt. "Die Straßenbahn gehört auf die Bismarckstraße. Dort ist sie ein Blickfang und kann schön in ein neues Umfeld mit Café eingebettet werden", meinte Gabriele Hruschka (CDU). Auch der Vorschlag von Dinkelmann, ein Platanendach anstelle des Waschbretts zu errichten, fand keine Mehrheit.

Das alte Waschbrett - sollte es stehenbleiben - muss in den nächsten Jahren für 30.000 Euro saniert werden. Die Verwaltung ist skeptisch, ob sich diese Ausgabe noch lohnen würde. Fazit: In der nächsten Planungsausschuss-Sitzung am 15. November soll noch einmal über das Thema "Waschbrett" gesprochen werden. Das Ergebnis ist offen. Übrigens: Die Fördermittel des Landes von 350.000 Euro verfallen nicht, sagte gestern Fachbereichsleiter Kurt-Werner Geschorec. Sie könnten zwei bis drei Jahre gelten, sind allerdings zweckgebunden; also für einen neuen Unterstand. Ob eine preiswerte Lösung auch bezuschusst wird, muss ausgehandelt werden, so Geschorec.

Quelle: RP
 
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