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Mettmann
Ökumene funktioniert in der Kreisstadt

Mettmann: Ökumene funktioniert in der Kreisstadt
Auf ein gutes Miteinander (v.l.): Pfarrer Herbert Ullmann, Vizepräses Christoph Pistorius und Pfarrer Klaus Schilling. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Vizepräses Christoph Pistorius kritisierte beim Ökumenischen Jahresempfang Äußerungen des AfD-Politikers Gauland zur Flüchtlingsfrage. Es gelte gemeinsam, den christlichen Glauben zu leben und ihn im Alltag zu praktizieren. Von Klaus Müller

Zu einer schönen Tradition ist in Mettmann der Ökumenische Jahresempfang geworden. Bei der gut besuchten Veranstaltung im Kaplan-Flintrop-Haus stellte Monsignore Herbert Ullmann von der katholischen Pfarrei St. Lambertus heraus, dass in Mettmann die Ökumene prima funktioniere. "Dies liegt besonders am ökumenischen Arbeitskreis, der gute Arbeit leistet und sozusagen die Speerspitze der Ökumene in der Kreisstadt bildet." Pfarrer Ullmann blickte kritisch zurück und machte deutlich, dass es früher in der katholischen Kirche viele Kräfte gab, die meinten, die Menschen im Glauben bevormunden zu müssen. "Dies ist glücklicherweise heute nicht mehr der Fall und es gilt, in der Gesellschaft Stellung zu beziehen, ohne zu bevormunden." Pfarrer Klaus Schilling von der evangelischen Kirchengemeinde Mettmann führte kurz in das Thema des Abends ein und stellte den Referenten, Christoph Pistorius, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, näher vor. Pfarrer Schilling gab zu, dass die Themenstellung für den Vortrag des Vizepräses recht sperrig sei. "Von der Freiheit und Verantwortung eines Christenmenschen. Grundlegende Werte und Positionen zu gegenwärtigen Herausforderungen und Integration".

Vizepräses Christoph Pistorius, der nach seinem Umzug aus Trier seit drei Jahren in Mettmann wohnt, setzte den Schwerpunkt seines beeindruckenden Referates nicht nur auf das aktuelle Flüchtlingsthema, sondern blickte auch auf das 500-jährige Reformationsjubiläum im kommenden Jahr und befasste sich mit der Martin Luther-Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen." Zum Thema Flüchtlinge führte er auch Beispiele aus seinem direkten familiären Umfeld aus. Unter anderem sei vor einiger Zeit einer Familie aus dem Iran, die vor Krieg und Terror flüchtete, im Haus Asyl gewährt worden. Er verwies im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage aktuell auf die nicht nachzuvollziehende Bemerkung eines gewählten Politikers, der unverblümt in den Mund nahm, dass man sich einen Schwarzen nicht als Nachbarn wünsche. Pistorius ging passend zum ökumenischen Jahresempfang zum Verhältnis zu der katholischen Kirche ein. Er sei der Auffassung, dass viele Differenzen in den letzten Jahrzehnten überwunden worden seien. Die alltägliche Nachbarschaft katholischer und evangelischer Kirchengemeinden seien zumeist eher von einem Miteinander als von einem Nebeneinander oder gar Gegeneinander geprägt. Bestehende theologische Differenzen seien der breiten Öffentlichkeit nicht mehr zu erklären. "In einer Zeit des Bedeutungsverlustes des christlichen Glaubens sollten wir nicht getrennt und zerstritten in der Welt unterwegs sein, sondern Schulter an Schulter".

Quelle: RP
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