Mettmann Operation geglückt: Alis Sohn ist gerettet

Mettmann · Ein Junge aus Damaskus war bei einem Bombenangriff schwer verletzt worden. Der Vater lebt in einer Mettmanner Flüchtlings-Unterkunft. Es gab eine große Welle der Hilfsbereitschaft.

 Ali S. ist wieder guter Dinge. Sein Sohn konnte in Syrien operiert werden. Das Mettmanner Krankenhaus hatte eine kostenlose OP angeboten. Doch der Junge durfte nicht aus Syrien ausreisen.

Ali S. ist wieder guter Dinge. Sein Sohn konnte in Syrien operiert werden. Das Mettmanner Krankenhaus hatte eine kostenlose OP angeboten. Doch der Junge durfte nicht aus Syrien ausreisen.

Foto: Achim Blazy

Dass Flüchtlingshilfe in diesen schwierigen Zeiten noch funktioniert, zeigt das Beispiel von Ali. S., der in einer Mettmanner Unterkunft lebt. Die gute Nachricht vorweg: Alis Sohn Hussein (7) ist gerettet.

Die Redaktion hatte Anfang Oktober über den Syrer und seinen Sohn berichtet. Ali, der dreifache Vater, war im Juli aus Syrien wegen des unsäglichen Krieges über die Westbalkan-Route geflohen. Zu Fuß mehrere hundert Kilometer.

Über Arnsberg, dort musste er seinen Reisepass abgeben, kam er nach Mettmann. Wochen zuvor war sein Sohn (7) morgens in die Schule in die Nähe von Damaskus gegangen. Dann fielen Bomben. Ein Bombensplitter traf den Jungen im Bauchbereich. Er verlor sehr viel Blut, musste notoperiert werden.

Seine Chancen in Syrien zu überleben, waren gering. Denn die dortige medizinische Versorgung lässt es nicht zu, dass der Splitter aus dem Bauchraum entfernt werden kann, so hieß es. Der Vater entschloss sich daraufhin zur Flucht nach Deutschland. Dort sollte seinem Sohn geholfen werden. Ein langer Weg, doch Ali schaffte es.

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Foto: Endermann, Andreas

In Mettmann quälten ihn seitdem Tag und Nacht die gleichen Gedanken. Wie geht es seiner Familie und vor allem wie geht es seinem Sohn? Wird der Kleine sterben, soll der Vater zurückgehen? Er war verzweifelt. Als seine Mitbewohner im Camp das muslimische Opferfest feierten, saß er auf seinem Bett und weinte. Die Frage, um die sich alles drehte, wie kann er seinen Sohn so schnell wie möglich nach Mettmann holen, um ihn hier zu retten. "Die Chancen für eine erfolgreiche Operation in Deutschland liegen bei 100 Prozent", hatten ihm Mediziner in Syrien gesagt. In Syrien bei 50 Prozent.

Die Caritas wurde eingeschaltet. Diplom-Sozialarbeiterin Manuela Mangialaio sammelte Unterlagen über den Fall und schickte sie zur Deutschen Botschaft nach Beirut. Allerdings blieb eine Antwort zunächst aus. Wir fragten beim Evangelischen Krankenhaus Mettmann nach, ob sie uns helfen könnten. Binnen vier (!) Minuten kam die Antwort von Geschäftsführer Bernd Huckels: "Wir operieren das Kind und übernehmen sämtliche Kosten des Krankenhausaufenthaltes."

Die Firma Paeschke aus Langenfeld erklärte sich spontan bereit, die Flugkosten von Syrien, beziehungsweise Libanon zu übernehmen und spendete einen großen Geldbetrag.

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Foto: dpa, rwe jai

Soweit so gut. Eine große Welle der Hilfsbereitschaft. Wir waren sehr motiviert. Doch dann kam die Antwort aus der Botschaft in Beirut. Eine vorgezogene Familienzusammenführung sei nicht möglich. Also kein Transfer von Hussein nach Deutschland.

Die Familie von Ali (mittlerweile anerkannter Flüchtling) bekam einen Termin für Juni 2016 und könne sich dann um ein Visum bei der Deutschen Botschaft im Beirut für Deutschland bemühen, hieß es. Alis Sohn gingt es zwischenzeitlich schlechter. Er musste in einem syrischen Krankenhaus notfalltechnisch behandelt werden. Sein Vater war verzweifelt, erlitt Nerven-Zusammenbrüche, musste mehrfach ins Mettmanner Krankenhaus. Wir schalteten noch einmal das Auswärtige Amt in Berlin ein und versuchten Kontakt mit der Botschaft in Beirut aufzunehmen. Am 7. Januar kam dann die Antwort der Visastelle der Botschaft in Beirut:

"Mit Blick auf die immens hohen Flüchtlingszahlen aus Syrien ist es uns aber leider nicht möglich, den Termin vorzuziehen, da alle vorherigen Termine bereits gebucht sind, und wir den vor Ihnen wartenden Familien diesen Platz nicht nehmen können. Hierfür müssen wir Sie um Verständnis bitten. Die furchtbare Lage in Syrien führt leider dazu, dass zahlreiche Familien in ebenfalls akuten Notlagen hier vorsprechen.

Aufgrund der Verletzung des Kindes Hussein könnte dann eine Ausnahme gemacht werden, wenn nachgewiesen wird, dass die Verletzung weder in der Türkei noch in Libanon fachgerecht behandelt werden kann." Also keine Chance.

Eine Mitarbeiterin des Auswärtigen Amtes schickte uns auf unseren Wunsch eine Liste mit Namen und Adressen von Ärzten und Hospitälern in Libanon. Die Situation verschärfte sich für Alis Sohn. Es musste dringend gehandelt werden. Schließlich fand die Familie doch noch einen Arzt in Syrien, der das Kind am vergangenen Samstag in einem Krankenhaus erfolgreich operierte. Alis Sohn geht es gut, seine Familie ist erleichtert. Jetzt hoffen alle auf ein Wiedersehen im Juli oder August. Den vielen Helfern sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt.

(RP)
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