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Mettmann
Parteienfrust nach der Stichwahl

Mettmann: Parteienfrust nach der Stichwahl
FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)
Mettmann. Analyse: Die Bürger haben sich klar für die unabhängigen Kandidaten entschieden. Die etablierten Parteien müssen sich fragen lassen, ob sie den Wähler noch erreichen. Dinkelmann muss nun beweisen, dass er es kann. Von Christoph Zacharias

Nach der Bürgermeisterwahl müssen sich die etablierten Parteien einige Fragen stellen: 1. Erreichen wir noch den Bürger? 2. Werden die Arbeit und die Beschlüsse in den Ausschüssen und Fraktionen überhaupt noch wahrgenommen? 3. Gehen die Beschlüsse am Bürgerwillen vorbei? 4. Hat sich die Absicht, den Bürger über das Ehrenamt, der Bürgerausschuss an der politischen Arbeit zu beteiligen als Flop erwiesen? Die Fragen 1. und 2. müssen vermutlich mit Nein, die Fragen 3. und 4. mit Ja beantwortet werden.

Die SPD und die CDU haben mit ihren beiden Kandidaten Andrea Rottmann und Norbert Danscheidt eine heftige Wahlschlappe erlitten. Bereits im ersten Wahlgang kam Rottmann auf sehr magere 11,8 Prozent, Danscheidt blieb bei 32,5 (vorher 32,6) Prozent hängen.

Stichwahl 2015: Thomas Dinkelmann ist neuer Bürgermeister in Mettmann FOTO: Janicki, Dietrich

Thomas Dinkelmann profitierte vom Schulterschluss mit Ziad Moughrabi, der seinen Wählern empfahl, Dinkelmann die Stimme zu geben. Mit 67,5 Prozent ließ Dinkelmann schließlich seinen Mitbewerber Danscheidt meilenweit hinter sich.

Im Nachhinein muss man sagen, dass sowohl die SPD als auch die CDU auf den falschen Kandidaten gesetzt haben. Andrea Rottmann konnte den Frauenvorteil nicht nutzen und punktete weder bei der Stammwählerschaft noch bei den jungen Leuten. Auch Norbert Danscheidt, ein erstklassiger Verwaltungsmann, wirkte in den Podiumsdiskussion wenig emphatisch, seine zurückhaltende Art legten Wähler (fälschlicherweise) als steif und blass aus.

Dinkelmann gegen Danscheidt: Bilder des Wahlabends FOTO: Janicki, Dietrich

Die CDU hatte es verpasst, einen jungen unbelasteten Newcomer aufs Pferd zu setzen. Siehe Erkrath. Fabian Kippenberg, der schon als Bürgermeisterkandidat gehandelt wurde und seinen Hut in den Ring geworfen hatte, musste sich den Granden in der CDU und den einflussreichen Besserwissern in der Partei beugen und den Rückzug von seiner internen Kandidatur einläuten. Das wird mit Sicherheit Folgen haben, den Kippenberg wird jetzt reinen Tisch machen wollen, seinen "Parteifreunden" den Fehdehandschuh vor die Füße werfen und den Parteivorstand "neu sortieren". Im Wahlkampf hat er die Beine unterm Tisch still gehalten, ja er hat sogar seinen früheren Mitbewerber Danscheidt im Wahlkampf massiv unterstützt. Und Thomas Dinkelmann: Der muss nun beweisen, dass der große Vertrauensvorschuss in seine Person gerechtfertigt ist. Die Zeiten im Bürgerforum, als er Stimmung gegen die etablierten Parteien und die Verwaltung machte, sind vorbei. Er muss jetzt zeigen, dass er Teamworker ist und die Verwaltung neu motivieren und aufstellen kann. Für ihn ist es nicht einfach, ohne eine Partei im Rücken, Politik im Rathaus zu machen. Viele in der SPD haben die parteinternen Auseinandersetzungen vor sechs Jahren immer noch nicht vergessen, Einige werden im Rat versuchen, ihm das politische Leben so schwer wie möglich zu machen. Dinkelmann hat übrigens - ähnlich wie Danscheidt - im Vorfeld ein Zehnpunkte-Programm aufgestellt, dass er möglichst schnell anpacken will: 1. Verwaltung optimieren zu einem transparenten, dynamischen Dienstleistungsbetrieb. 2. Im Rat unbefangen ein Miteinander von Verwaltung und Politik erwirken. 3. Direkter Ansprechpartner für die Bürger, Vereine und Verbände sein. 4. Stadtmarketing verbessern, Wirtschaftsförderung stärken. 5. Einsparpotenziale ermitteln. 6. Unterentwickelte Gewerbeflächen (z.B. Bergstraße) ertüchtigen. 7. Stelle für Flüchtlingskoordinator schaffen. 8. Flüchtlingsunterkünfte errichten. 9. Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit optimieren. 10. Grabungen am Elberfelder Stadttor aufnehmen und Ergebnisse dauerhaft präsentieren. Man darf gespannt sein.

Quelle: RP
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