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RP-Serie Fit Durch Den Herbst
Pilates: Mehr Sport, als man denkt

RP-Serie Fit Durch Den Herbst: Pilates: Mehr Sport, als man denkt
Entspannende Anstrengung: Pilates taugt durchaus dazu, sein inneres Gleichgewicht zu finden. Dazu melden sich auch schon bald Bauch- und Rückenmuskulatur. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Unser Sportredakteur machte den Pilates-Selbstversuch bei Medi-Sport in Mettmann. Sein Urteil: Das ist anstrengend. Von André Schahidi

Mettmann Ich bin schon fast zur Tür hinaus, da spricht sie mich an. Eine Dame, sie dürfte Mitte fünfzig sein. Sie macht ein ernsthaftes Gesicht. Ich kenne die Frau. Vor rund einer Viertelstunde lag ich ihr in einem Übungsraum auf einer Matte gegenüber. Beim Pilates. Und genau darum geht es. "Mein Mann sagt immer zu mir, Pilates sei kein Sport", sagt sie. "Das ärgert mich schwarz. Können Sie vielleicht schreiben, dass das nicht stimmt?"

Dienstagmorgen, neun Uhr. Medi-Sport in Mettmann. Ich nehme erstmals am Pilates-Kurs von Irina Livshits teil. Ich schaue mich um. Fünf Frauen, ein Mann. Alle deutlich älter als ich. "Kann ja nicht so schlimm werden", denke ich mir. Irina, sie duzt ihre Teilnehmer, hat gute Laune. Sie macht die Musik an. Und wir gehen auf die Matten.

Beim Pilates geht es laut Irina darum, ein "stabiles Körperzentrum" aufzubauen. Im so genannten "Power House", dem Korsett aus Bauch-, Tiefenmuskeln und Beckenboden gebildetem Körper-Zentrum, liegt laut Joseph Pilates, dem Erfinder des gleichnamigen Trainings, gleichzeitig auch das Energiezentrum des Körpers.

Die ersten Übungen sind harmlos. Ich liege auf dem Rücken, mache kreisende oder Scherenbewegungen mit den Beinen. Die Arme kommen immer wieder dazu. Rücken und Bauch sind angespannt. Ich soll nicht verkrampfen, mahnt Irina. Pilates beinhalte schließlich auch einige Yoga-Elemente und diene auch dazu, ein gewisses inneres Gleichgewicht zu erlangen. Ich bin gespannt.

Nach rund 15 Minuten spüre ich meine Muskeln das erste Mal. Es ist der Rücken, der sich meldet. Nicht ganz so, wie geplant, glaube ich. "Du musst den Bauch anspannen, den sollst du vor allem fühlen", sagt Irina. Ich mache es also falsch. Versuche, anders zu atmen. Und tatsächlich, nun meldet sich auch der Bauch. Irina sieht, dass ich mich ein wenig anstrenge. Sie schmunzelt. "Ich dachte mir, du du spielst ja Eishockey, bist relativ sportlich", meint sie. "Daher mache ich mit dir das Fortgeschrittenen-Programm." Hätte ich das vorher gewusst.

Nach rund einer halben Stunde kommt ein mäßig aufgepumpter, kleiner Ball hinzu. Der wird unter meinen Rücken gelegt. Die gleichen Übungen wie vorher - nur auf instabiler Unterlage. Und jetzt wird es tatsächlich anstrengend. Ich schaue auf meine Mitstreiter, die alle doch relativ tiefenentspannt aussehen. Stammgäste sind sie, erfahre ich später. "Es dauert rund zehn Stunden, bis man einen Unterschied spürt", sagt Irina. "Und nach 20 Stunden sieht man den Unterschied." Ich spüre tatsächlich jetzt schon, dass Bauch und Rücken angesichts der Übungen auf dem Ball ans Arbeiten geraten. Ich habe viel Mühe damit, mein Gleichgewicht auf dem Ball zu halten. Es tut nicht weh, aber es kostet Kraft. Sport halt.

Nach einer Stunde ist es vorbei. Ich habe nicht wirklich geschwitzt - und trotzdem fühlt sich mein Körper an, als hätte ich wirklich was getan. Und am nächsten Tag habe ich sogar ein bisschen Muskelkater. Das fühlt sich gut an. Daher zurück zur Dame am Medi-Sport-Ausgang: Ja, Herr Ehemann. Pilates ist definitiv Sport. Begleiten Sie Ihre Frau doch einfach mal. Bauch, Rücken und das allgemeine Körpergefühl werden es Ihnen danken.

Quelle: RP
 
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