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Mettmann
Plan: Schulsport neben Flüchtlingsbetten

Mettmann: Plan: Schulsport neben Flüchtlingsbetten
Die Sporthalle des Konrad-Heresbach-Gymnasiums. FOTO: Achim Blazy
Mettmann. Die Stadt überlegt, die Sporthalle des Konrad-Heresbach-Gymnasiums mit einer Trennwand zu teilen. Von Sabine Maguire und Uwe Reimann

Erst vor Wochen zogen die ersten Flüchtlinge in die Gymnastikhalle des Konrad-Heresbach-Gymnasiums in der Laubacher Straße ein. Mittlerweile ist auch dort kein Platz mehr und die Suche nach geeigneten Unterkünften geht weiter. "Es gibt Überlegungen, die neben der Gymnastikhalle gelegene Turnhalle zur Hälfte für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen", kündigt der Erste Beigeordnete Dietrich Stang an. Im Klartext heißt das: Links beginnt der Schulsport, rechts wohnen Flüchtlinge. Die einen haben weniger Platz zum Turnen, die anderen keine Ruhe. Auch mit einer Trennwand dazwischen ist nur schwer vorstellbar, wie das funktionieren soll. Konflikte - auch mit den Sportvereinen, die derzeit noch die Halle nutzen - sind programmiert.

So verteilen sich Flüchtlinge auf Europa

Hört man der Sozialagentur-Sachgebietsleiterin Anja Karp zu, wird klar: Die Unterbringung von Flüchtlingen gleicht einem Krisenmanagement mit täglich neuen Herausforderungen. Die Statistik listet mit Stand Juli 337 Personen auf, das sind mehr als 100 Neuzugänge seit Jahresbeginn. Zehn Zuweisungen gab es allein in den vergangenen Tagen und es ist nicht abzusehen, dass sich die Situation entspannt.

Bei der Stadt sucht man nun händeringend nach neuen Quartieren, da die städtischen Unterkünfte bereits überbelegt sind. Privater Wohnraum, die Aufstellung von Containern, der Kauf von geeigneten Gebäuden: Derzeit liegen alle Optionen auf dem Tisch. Auch am Benninghof wurden schon eine Familie und mehrere Einzelpersonen in zwei Doppelappartements untergebracht. Weitere Zuzüge soll es dort vorerst wohl nicht geben. Bereits im Mai drohte das Problem: Die Anmietung von Zimmern auf dem freien Wohnungsmarkt ist extrem schwierig, deshalb wurde die KHG-Turnhalle als Unterkunft umgebaut. Im Gegensatz zur Situation in den 1990-er Jahren, in denen mobile Paravents zur Abtrennung des Wohnraums in den Hallen dienten, wurden aktuell feste Wände aus Holz mit einer Mindesthöhe aufgebaut, die wenigstens minimalen Schutz der Persönlichkeitssphäre ermöglichen sollen. Es ist kaum vorstellbar, dass solche Wände die Trennung Flüchtlinge-Schulsport bewerkstelligen können.

"Im Extremfall würden wir sogar die Beschlagnahmung von Eigentum in Betracht ziehen", spricht Dietrich Stang über Notlösungen. Das gilt als "Ultima ratio", aber es zeigt eines ziemlich klar: Die Stadt steht mit dem Rücken zur Wand. Daran, dass sich die Situation entspannen könnte, glaubt niemand. Die Prognosen sprechen von steigenden Zuweisungen - und Auszüge gibt es de facto nicht. "Im vergangenen Jahr wurden zwei Flüchtlinge in die Länder zurückgeschickt, über die sie eingereist sind. Sonstige Ausweisungen gab es nicht, abgelehnte Asylbewerber werden größtenteils geduldet", sagt Karp.

Das größte Problem sei jedoch, dass nichts wirklich geplant werden könne. "Wir müssten fiktive Kosten in den Haushalt einstellen, die anderswo eingespart werden müssten", sagt Stang.

Das Krisenmanagement scheint immer weniger Raum für soziale Betreuung zu lassen. "Wir haben Verträge mit den freien Trägern, die auch den Einsatz von Ehrenamtlern koordinieren", so Stang. Erst kürzlich wurden die Zuweisungen an die Caritas von jährlich 964 Euro auf 15 000 Euro aufgestockt. In Anbetracht der steigenden Flüchtlingszahlen dürfte auch das nicht mehr ausreichen, um eine nachhaltige Betreuung zu gewährleisten. "Es müsste doch möglich sein, auch in der derzeitigen Lage innezuhalten, um nach langfristigeren Lösungen zu suchen", plädiert Caritas-Abteilungsleiter Martin Sahler für einen Strategiewechsel in Sachen "Flüchtlingsmanagement".

Quelle: RP
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