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Kreis Mettmann
Rabattschlacht ist beliebt wie immer

Kreis Mettmann. Schlussverkäufe gibt es offiziell nicht mehr. Den neudeutschen "Sale" lieben Kunden auf der Suche nach dem Schnapp. Von Valeska von Dolega

Nach ihnen wird Ausschau gehalten, den knallroten Schildern mit der neudeutschen Aufschrift "Sale". Dieser "Sale" oder auch "Final Sale" ersetzt, was Generationen zuvor als Schlussverkauf kannten. Und wie auch immer diese Phase, die sich durch sogenannte Rotstiftpreise auszeichnet, nennt: Käufer schätzen sie mehr als es manche Einzelhändler glauben.

So hat eine im Sommer vergangenen Jahres durchgeführte, repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa ergeben, dass jeder zweite Deutsche plante, den bevorstehenden Schlussverkauf zu nutzen. Ganz oben auf der Liste standen Bekleidung mit 85 Prozent und Schuhe mit 62 Prozent Nennungsanteil. Hauptnutzer waren jüngere Frauen, die über 60-Jährigen waren deutlich weniger interessiert.

Zudem ist der Schlussverkauf eine Domäne des stationären Handels. 81 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, in den lokalen Geschäften auf Schnäppchenjagd zu gehen. Ansonsten so beliebte Adressen wie Internet und Outlet-Center liegen hier mit 14 beziehungsweise drei Prozent Nennungsanteil weit abgeschlagen.

Über mangelnde Resonanz kann sich Saskia Zoll in ihrer Boutique "Seepferdchen" (Bahnstraße 59, Erkrath) nicht beklagen. Die clevere Modefachfrau allerdings denkt sich immer mal wieder neue Attraktionen aus. "Wir sind ja an nichts mehr gebunden", so startete bei ihr bereits an Nikolaus der sogenannte Pre-Sale. Stammkunden erfahren solche Aktionen per Post und werden darüber informiert, dass bereits 30 bis 50 Prozent Preisnachlass gegeben werden. "Ich brauche jetzt den Platz für die Frühjahrskollektion." Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt der Kunde die verbleibenden Teile durchblättert, hat er noch die freie Wahl der Größen.

Auch Ertugrul und Sabrina Aysal, den Besitzern des im Herbst vergangenen Jahres eröffneten Modegeschäfts mit Namen "Platzhirsch (Jubiläumsplatz, Mettmann) verfahren ähnlich. Um das Paradies für Frauen inmitten von Taschen, Tüchern, Schals, Jacken und Schuhen immer wieder neu zu bestücken, nutzen sie ihre Freiheit, Rabatte einzurichten, wann immer es ihnen passt. "Als Nächstes planen wir einen Valentins-Sale", erzählt Ertugrul Aysal. Bevor er und seine Frau das Geschäft am Jubi eröffneten, waren sie in Wien erfolgreich. Und haben von dort "viele Ideen" mitgebracht.

Um die Lager leer zu bekommen und so die notwendigen Vorhalte-Kapazitäten für neue Ware zu haben, gibt es ebenso in Karin Schwanbecks Kindermodengeschäft Eisbär Kids (Wilhelmstr. 173, Wülfrath) so manches feine Teil zum Dumpingpreis. Ihr Ladenlokal inmitten der Fußgängerzone ist allerdings nur eine Säule des Geschäfts. "Eine funktionierende Homepage zu entwickeln, um online präsent zu sein, ist wichtig." Egal wie etabliert oder alt eingesessen ein Einzelhändler ist, von der Kundschaft, die dann ausschließlich aus der Stadt kommt, könne man nicht leben.

Fazit: Der Schlussverkauf ist vielfach attraktiver als gedacht. Er muss allerdings als End- und Höhepunkt der bereits Wochen vorher startenden Reduzierungsphase begriffen und gegenüber den Kunden kommuniziert werden. "Und wer plötzlich um 70 Prozent reduziert, macht sich unglaubwürdig, was die vorangegangene, ursprüngliche Preisgestaltung angeht", sagen die Einzelhändler.

Quelle: RP
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