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Mettmann/Erkrath/Wülfrath
"Rückkehr zu G9 wäre eine Katastrophe"

Mettmann/Erkrath/Wülfrath. Die Schulleiter in Mettmann, Erkrath und Wülfrath sind mit den Plänen der SPD nicht einverstanden. "Eine Rückkehr zu G9 wäre eine systemische Katatstrophe", sagt Hans Gruttmann, Schulleiter des Gymnasiums am Neandertal in Alt-Erkrath. Von Oliver Wiegand und Sabine Maguire

In der vergangenen Woche stellte die SPD im Landtag Pläne vor, dass das Abitur am Gymnasium wieder nach neun Jahren möglich sein soll. Wer will, kann es auch in acht Jahren versuchen. Die SPD begründet ihren Vorstoß mit Stimmen aus der Landeselternschaft, wo über die Verdichtung des Unterrichtsstoffes und den Druck auf die Schüler geklagt wird. Hinzu kommt: Die Initiative "G9 jetzt" hatte dem Landtag 100.000 Unterschriften mit der Forderung nach Rückkehr zu G9 vorgelegt. Ebenfalls angedacht ist eine Verlängerung der Sekundarstufe I an Gymnasien von fünf auf sechs Jahre - also bis einschließlich der 10.Klasse.

In den Gymnasien in Mettmann, Erkrath und Wülfrath hat man seit Beginn der 2000er Jahre Erfahrung mit der Umstellung von G9 auf G8 gesammelt. 2005 kamen die ersten Schüler an die Schulen, die in acht Jahren ihr Abitur absolvieren konnten. "Eine Rückkehr zu G9 wäre eine systemische Katatstrophe", sagt Hans Gruttmann, Schulleiter des Gymnasiums am Neandertal in Alt-Erkrath. Seine Schule sei einer der ersten gewesen, die in den gebundenen Ganztag eingestiegen ist. Darüber hinaus habe man mit den Schülern und Eltern tragbare Modelle entwickelt, um die Hausaufgaben auf einem erträglichen Niveau zu halten. "Aus meiner Sicht haben auch die Erkrather Eltern nichts gegen G8", sagt Gruttmann. Die Vertreter der Eltern in seiner Schule hätten ihm gegenüber großes Unverständnis für die Pläne der SPD geäußert.

Auch am Wülfrather Gymnasium hält man nicht sonderlich viel von einer Rückkehr. Schulleiter Joachim Busch: "Wir würden lieber beim G8 bleiben und die bestehenden Strukturen optimieren." Als Gründe für seine Sicht der Dinge nennt er: "Wir haben uns jetzt darauf eingestellt und als dreizügiges Gymnasium würde uns die Umstellung auf G9 schwerer fallen, als es mit vier Klassen der Fall wäre." Als Rektor sieht er keine Notwendigkeit, die Praxis der vergangenen Jahre über Bord zu werfen. Zumal es auch kaum Klagen aus der Elternschaft gegeben habe. Dort gebe es mit Blick auf den beklagten Unterrichtsausfall andere Sorgen. Auch die Verlängerung der Sekundarstufe I hält er nicht für ein dringliches Problem. Man habe sich darauf eingestellt, den Schülern mit Nachprüfungen zu einem Schulabschluss nach der 10. Klasse zu verhelfen. "Wir haben noch keinen Schüler ohne Fachoberschulreife entlassen", so Busch.

Am Mettmanner Konrad-Heresbach-Gymnasium hat man sich längst arrangiert mit G8. "In den ersten zwei bis drei Jahren gab es Diskussionsbedarf", blickt Schulleiter Rudolf Kirschner zurück auf die Irritationen, die das Turboabitur ausgelöst hatte. Damals habe man die Ängste und Befürchtungen mangels Erfahrungen kaum ausräumen können. Mittlerweile lässt sich eine Bilanz ziehen - und die sei keineswegs negativ. "Die Wiederholerquoten sind noch gesunken", freut sich Kirschner darüber, dass die meisten seiner Schüler ihr Abitur im ersten Anlauf schaffen. Aus seiner Sicht hätte man es allerdings damals schon bei G9 mit der Möglichkeit, Turboklassen für leistungsstarke Schüler einzurichten, belassen sollen.

Quelle: RP
 
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