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Mettmann
Sozialleistungen hinterzogen?

Mettmann. Ein einst als "sozialer Unternehmer" ausgezeichneter Firmenchef ist angeklagt. Von Wulf Kannegiesser

Für "herausragendes soziales Engagement" war der Chef einer Langenfelder Firma in der Kategorie "Sozialer Unternehmer" 2008 von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher ausgezeichnet worden. Seit gestern stehen dieser Firmen-Chef (60) und sechs weitere Manager, teilweise aus dem Kreis Mettmann, vor dem Landgericht unter dem Vorwurf, der Betrieb habe zwischen 2004 und 2009 keineswegs beispielhaft für seine Mitarbeiter gesorgt, sondern durch vorgetäuschte Selbstständigkeiten in 258 Fällen Sozialleistungen in Millionenhöhe hinterzogen.

Die Anklage nennt einen Gesamtschaden von rund 1,7 Millionen Euro. Mit Verlesung der Anklage begann gestern der Wirtschaftskrimi.

Der Chef jenes Betriebes, der unter anderem Qualitätsmanagement im Umfeld der Autozuliefer-Industrie anbietet, hatte mehrfach mit Polit-Prominenz posiert. So ließ er sich angeblich mit Bill Clinton und Angela Merkel ablichten. Formell arbeiteten angeblich bis zu 1500 Menschen für seine Firmen-Gruppe.

Die Anklage entwirft jetzt allerdings ein ganz anderes Bild des Firmen-Konstrukts. Demnach war von den 1500 Beschäftigten nur ein Bruchteil ordnungsgemäß bei der Sozialversicherung gemeldet. Die Ermittler glauben, dass hier massenweise Scheinselbstständige beschäftigt wurden, die nur formell als nicht abgängig beschäftigte Mitarbeiter ausgegeben worden seien.

Sechs der jetzt angeklagten Manager sollen in vielen hundert Fällen also als wahrhaftige Arbeitgeber für jene Scheinselbstständigen keinerlei Sozialversicherungsbeiträge gezahlt haben. Dem Firmen-Chef wird angelastet, er habe dem angeblichen Millionen-Schwindel durch entsprechende Weisungen Vorschub geleistet, was die Anklage als Beihilfe wertet.

Der Prozess geht am 15.März weiter und soll bis Ende April dauern.

Quelle: RP
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