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Lokalsport
Bouncerball ist watteweich

Lokalsport: Bouncerball ist watteweich
Ähnlich wie beim Hockey befördern die Spieler den Ball mit Schlägern Richtung Tor. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Die noch sehr junge Sportart findet immer mehr Anhänger. Denn das dynamische Spiel ist ungefährlicher als Hockey. Trotzdem sind die Partien spannend - und gehen auch in die Verlängerung. Von Anna Mazzalupi

"Komm! Nicht rumstehen!" Die Anfeuerungen von der Bank dringen vermutlich gar nicht zu den Feldspielern durch. Aber trotzdem folgt ein Motivationsruf dem nächsten. Schnell wechseln in dem Spiel die Seiten. Im hohen Bogen fliegt der Ball mit Kindermotiv nach oben, wird mit dem einem Wattestäbchen ähnelnden Schläger angenommen und mit Kraft weiter nach vorne Richtung Tor gepeitscht. Kurze Zweikämpfe - und schon liegt der Zug wieder auf der anderen Spielfeldseite.

Die Hälfte der siebenminütigen Spielzeit ist abgelaufen. "Zieh ab! Zieh ab!" lautet die Forderung von der Reservebank. Ein kurzer Augenblick, dann wird gejubelt. Es sind noch 2:20 Minuten zu spielen. Das erste Tor für die zweite Mannschaft des Polizeisportvereins Mettmann gegen die Damenmannschaft des SC Nienberge wird nur kurz gefeiert. Es folgt schon der Gegenangriff. Es ist unübersichtlich. Dann, kurz vor Ablauf der Partie, erzielt der PSV den zweiten Treffer.

Bouncerball oder Speedball nennt sich die rasante Sportart, die am Wochenende das Geschehen in der Sporthalle an der Wülfrather Wasserwelt bestimmte. 15 Mannschaften aus der ganzen Republik traten beim vierten und letzten Ligaturnier an, um den neuen Bouncerball-Meister zu finden. Gastgeber und Ausrichter waren die "Blaulichtbouncer" des PSV. "Eigentlich wurde Bouncerball für den Behindertensport entwickelt. Es ist ungefährlicher als Hockey", erklärt Judith Kühn, Trainerin und Abteilungsleiterin des Mettmanner Klubs.

Der Sport liegt im Trend. Jugendliche kennen dem um die Jahrhundertwende entwickelten Mannschaftssport vor allem aus der Schule vom Sportunterricht. "Es können viele Tore fallen, es ist schnell und es gibt gemischte Mannschaften", berichtet PSV-Spielerin Lisa Külchen. Immer sechs Teamspieler sind auf dem Feld mit Hockey-Maßen. Bleibt ein Spieler dauerhaft als Aktiver auf dem Feld, verschafft das der Mannschaft einen Punktevorteil.

Die Regeln: Hände und Füße dürfen fürs Spiel nicht verwendet werden. Um den Ball auf die Hockey-Tore zu befördern, verwenden die Sportler einen leichten Schläger mit Schaumstoffkopf. Aber auch Brust oder Kopf dürfen zum Führen des Balls verwendet werden. Der Wechsel der Spieler findet sozusagen fliegend statt. Ein Schiedsrichter hält das Fairplay im Blick. Auch das Spiel über Bande und Wand ist erlaubt. "Auf dem Feld sieht es schon mal ruppig aus. Ist es aber nicht", sagt Kühn augenzwinkernd.

In der kleinen Liga mit etwa 20 Teams kennt man sich schließlich. Ein gutes Miteinander ist wichtig. Das Fairplay reicht sogar so weit, dass sich die Kontrahenten auch schon mal Spieler ausleiht, wenn in er eigenen Truppe welche fehlen. "Ganz wichtig ist, dass es ein Mannschaftsspiel ist. Der Teamgeist ist sehr gut. Außerdem ist es eine gute Mischung aus Kardio- und Krafttraining", merkt PSV-Bouncer Andreas Röttger an. Und dann gibt es da noch den Überraschungsmoment, der zusätzlich für Spielspaß sorgt: "Man glaubt, man weiß, wohin der Ball fliegt - und dann kommt es doch ganz anderes", sagt Külchen mit einem Lachen.

Die Stimmung in der Halle ist super. Im Sieben-Minutentakt gehen die Duelle über die Bühne, um die Meisterschaft an einem Tag über die Bühne zu bringen. Der Favorit, das Team der Uni Marburg, wird lautstark in der Gruppenrunde angefeuert. "Marburg! Marburg!" dröhnt es im Takt von der Tribüne. Die Uni-Sportler haben echte Chancen, in diesem Jahr den Pokal zu holen, der sonst seit Austragung der Meisterschaft im Jahr 2011 immer nach Nienberge ging. Auch der TV Westfalia Epe sowie die Jugendmannschaft Nienberge haben noch gute Aussichten auf den Titel.

Nach spannenden Begegnungen in einer tollen Atmosphäre schafft das Team der Uni Marburg am Ende den historischen Coup - in einer nervenaufreibenden Finalpartie mit Verlängerung und Siebenmeterschießen. Die Marburger sind mit 36 Punkten der neue Meister der Bouncerball-Liga, gefolgt von der zweiten Nienberger Mannschaft, die auf 28 Punkte kommt. Die beiden Mannschaften des PSV belegen in dieser Saison die Plätze 15 und 16 - nicht zuletzt deshalb, weil die Mettmanner nicht an allen Ligaturnieren teilnehmen konnten.

Quelle: RP
 
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