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Handball
"Cool: Wir haben den Tabellenführer besiegt"

Handball: "Cool: Wir haben den Tabellenführer besiegt"
Steffi Veermann findet immer öfter Gehör bei ihrer Mannschaft - der Erfolg gibt der Mettmanner Trainerin recht. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Mettmann In den vergangenen beiden Spielzeiten kämpften die Handballerinnen von Mettmann-Sport in schöner Regelmäßigkeit um den Verbleib in der Oberliga. Jetzt wollte Steffi Veermann mit ihrer Mannschaft an der Spitze mitmischen. Ein klassischer Fehlstart und der Absturz ans Tabellenende ließen den Traum der Trainerin jedoch erst einmal in weite Ferne rücken. Erst am sechsten Spieltag gab es den ersten Sieg - und es folgten gleich zwei weitere. Eine faustdicke Überraschung war zuletzt der Erfolg über Spitzenreiter GSG Duisburg.

Hätten Sie sich in Ihren schlimmsten Alpträumen fünf Niederlagen in Folge zum Saisonauftakt vorgestellt?

Veermann Nein, erst nicht, aber als sich Kim Spiecker verletzte, war mir schon klar, dass die ersten Spiele nicht leicht werden. Durch den Ausfall mussten wir in Angriff und Deckung umstellen, auf der rechten Seite fehlte nun ein Linkshänder. Die Spielzüge laufen dann anders, das Timing ist einfach anders. Wenn eine Leistungsträgerin wie Kim wegbricht, müssen die anderen lernen, mehr Verantwortung zu tragen. So ein Ausfall ist schwer zu kompensieren. Es waren aber auch einige unnötige Niederlagen dabei. Spiele, die wir mit ein bis drei Toren verloren haben, hätten wir auch gewinnen können. Bis zur 45. Minute lief es immer ganz gut, dann waren wir mit der Kraft und dem Kopf am Ende. Da waren wir nicht breit genug aufgestellt.

Was macht die Mannschaft in den letzten drei Begegnungen besser?

Veermann Seit Kim wieder dabei ist, ist die Verantwortung wieder anders auf den Schultern verteilt. Kim zieht die anderen mit. Man braucht immer eine erfahrene Spielerin, die vorneweg geht. Der Rest der Mannschaft ist zu unerfahren, zu ängstlich. Die jüngeren Spielerinnen waren bisher noch nie Führungspersönlichkeiten, Kim ist aber eine. Sie ist in Mettmann groß geworden, arbeitet für Mettmann-Sport.

Loreen Jakobeit steht mit 72 Toren auf Rang zwei der Torjägerliste in der Oberliga. Ist sie im Angriff die Mettmanner Lebensversicherung?

Veermann Im Zusammenspiel mit Kim ist Loreen nicht auszurechnen. Dabei fällt es nicht auf, dass sie so viele Tore erzielt hat. Sie macht sie einfach, lässt aber auch noch viel liegen. Kim ist da ganz anders, sie nutzt ihre Chancen viel offensiver, knallt die Bälle rein. Loreen macht das eher so heimlich, ist aber eine totale Leistungsträgerin und in der Offensive unverzichtbar. Sie schafft unheimlich viele Räume und findet immer einen Platz zum Durchkommen. Der Rest der Mannschaft lernt, mitzuspielen.

Was rechnen Sie sich in den letzten vier Begegnungen der Oberliga-Hinrunde aus?

Veermann Es waren sicher nicht die letzten Punkte, die wir geholt haben. Wir wollen weiterhin gute Spiele bringen und unsere Leistung abrufen. Wir haben den Tabellenführer GSG Duisburg geschlagen. Das war kein leichtes Unterfangen, zumal auswärts - das muss man uns erst einmal nachmachen.

Als nächstes geht es in einer Woche gegen den Tabellendritten TV Aldekerk II . . .

Veermann Das wird lustig, denn ich muss gegen meine eigene Tochter spielen, die für Aldekerk aufläuft. Schon jetzt liefern wir uns zu Hause einen verbalen Kampf. In Mettmann geben wir aber keine Punkte mehr ab. Wenn alles gut läuft, wir unverletzt bleiben und fleißig trainieren, können wir noch ein paar Überraschungen einfahren. Die Mannschaft muss sich einfach mehr zutrauen. Anfangs haben die Negativerlebnisse der letzten Jahre noch nachgewirkt - gerade die jungen Spielerinnen hatten das noch im Kopf. Wenn man in der 45. Minute deutlich führt, muss man das Spiel souverän nach Hause bringen. Bei uns hat dann aber oft der Kopf blockiert und dann haben wir Einzelaktionen gestartet.

Was ist jetzt anders?

Veermann Das coole Gefühl: Wir haben den Tabellenführer besiegt, haben als Mannschaft das geschafft, was noch keiner geschafft hat. Das Team funktioniert gut, Teamgeist haben wir und auch die Führungsspieler. Jetzt müssen gerade die jungen Spielerinnen lernen, auch Fehler zu machen. Die wollen immer perfekt spielen, weil sie Negativerlebnisse in anderen Vereinen hatten, wenn sie Fehler gemacht haben. Wir arbeiten daran, dass sie aus ihren Fehlern lernen und sich positiv entwickeln. Sie müssen aber auch lernen, zuzuhören. Und es ist sehr wichtig, dass sie Vertrauen haben. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen. Mit drei Siegen ist man Tabellenführer. So weit denken wir aber gar nicht. Wir wollen unser Repertoire abrufen, das, was wir können, und dann schauen wir mal.

BIRGIT SICKER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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