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Lokalsport
Das Sportabzeichen macht sie mit links

Haan. Mit 77 Jahren ist Elke Berrenberg nicht mehr ganz so fit wie ein Turnschuh, erhält aber jetzt schon zum 50. Mal die Urkunde. Von Daniele Funke

Sichtlich stolz öffnet Peter Berrenberg die braune, lederne Dokumentenmappe. Prall gefüllt ist sie mit den mittlerweile über 100 Sportabzeichen, die der 77-Jährige gemeinsam mit seiner Frau Elke in den vergangenen Jahrzehnten absolviert hat. "Meine Frau hat sogar ein bayrisches und ein österreichisches Sportabzeichen" erklärt der Rentner stolz und holt eine Urkunde aus ihrer Klarsichthülle. "Hier, das ist das bayrische Abzeichen, das war extrem anspruchsvoll". Elke Berrenberg lacht. "Er protzt gerne mit mir", sagt sie mit liebevollen Blick auf ihren Mann, der vertieft in seiner Mappe blättert, in Erinnerungen schwelgt.

Der Sport, die Abzeichen, all das hat beide zusammengeschweißt, die Freizeit des kinderlosen Ehepaares über Jahrzehnte bestimmt. "Von je her war das Schwimmen meine Lieblingsdisziplin. Mein Vater hat früher Generationen von Kindern das Schwimmen gelehrt und ich war nahezu täglich mit im Schwimmbad", erinnert sich Elke Berrenberg, die zwar in Haan geboren, aber in Ohligs aufgewachsen ist. Auf dem Weg in den gepflegten Garten fällt auf: Die 77-Jährige humpelt, das Gehen fällt ihr nicht leicht. "Ich habe vor drei Jahren eine neue Hüfte bekommen", sagt die Rosenliebhaberin und fügt scherzhaft hinzu: "Das ist das beste Teil an mir." Ihren Humor hat sich die begeisterte Sportlerin trotz einiger gesundheitlicher Probleme, auch mit der Wirbelsäule, stets behalten. "Ich sehe damit viele Dinge leichter als mein Mann, das ist gut so."

Mitten auf der Rasenfläche hat sich das Ehepaar schon vor Jahren eine eigene Sprunggrube gebaut. "Früher waren Sportplätze nicht immer geöffnet, daher mussten wir uns etwas überlegen, um jederzeit trainieren zu können", erklärt Peter Berrenberg. Mittlerweile werde die Grube auch zur Vorbereitung auf Elke Berrenbergs ungeliebteste Disziplin genutzt - das Kugelstoßen. "Vor 2012 gab es andere Regeln beim Sportabzeichen, da konnte meine Frau Kugelstoßen stets durch Schwimmen ersetzen, das ist heute leider nicht mehr möglich."

1961 legte die ehemalige Lehrerin für berufsbildende Schulen ihr erstes Sportabzeichen ab, seit 1968 dann in jedem Jahr - bis heute. 2016 erhielt sie ihre fünfzigste Urkunde. "Es wird immer etwas anstrengender, aber aufhören? Auf keinen Fall. Man will sich irgendwie damit bestätigen, es gehört einfach zu unserem Leben", meint Elke Berrenberg. Alters- und gesundheitsbedingt muss das Ehepaar in seinen sportlichen Aktivitäten kürzer treten, trotzdem gehört die Bewegung nach wie vor zum täglichen Muss. "Ich gehe zwei- bis dreimal die Woche schwimmen und lege meine 500 Meter hin. Und ich mache morgens meine Fitnessübungen. Ansonsten laufe ich zum Einkaufen, was mich aber dann doch ziemlich anstrengt."

2005 erlitt Ehemann Peter einen schweren Herzinfarkt, seitdem schont auch er sich, gab das geliebte Laufen auf, wechselte zeitweise zum Walken, fährt Fahrrad. "Ich bin da schon wehmütig, wenn ich an die alten langen und vor allem wunderschönen Strecken zurückdenke durch den Hildener Stadtwald und die Ohligser Heide." Im kommenden Jahr wird der ehemalige Wirtschaftspädagoge und stellvertretende Schulleiter sein 60. Sportabzeichen ablegen, die Vorfreude ist groß. "Das schaffst du garantiert", muntert Elke Berrenberg ihren ein wenig skeptischen Ehemann mit Worten auf und lässt ihre Gedanken schweifen. "Das waren schöne Zeiten, wir haben so unheimlich viele nette Menschen kennengelernt durch den Sport, wunderbare Erinnerungen begleiten uns. Eins aber wollten wir beide nie: Uns einem Verein anschließen. Wir wollten selbst entscheiden, wann wir wo und wie trainieren wollen." Peter Berrenberg nickt. Das Ehepaar - verheiratet seit 1968 - scheint einander sehr zugewandt, der Umgang wirkt liebe- und respektvoll. Und: Sie sind sich in vielem einig, auch in der Frage nach dem tollsten Sportabzeichen. "Ganz einfach, das letzte ist immer das schönste."

Quelle: RP
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