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Reportage Familiensportabzeichen
Die Kinder reißen die Erwachsenen mit

Mettmann. Für Familie Schauf hat der Breitensport-Wettkampf auf der Anlage an der Hochdahlerstraße in Haan ein goldenes Ende. Von Dominique Schroller

Haan Mit dem Rücken zum Feld stellt sich Matthias Schauf an die Linie, geht in die Knie, beugt sich vorne über, den Ball in beiden Händen. Dann schnellt er nach oben, streckt sich, schwingt die Arme über den Kopf und lässt den Ball los. In einem gleichmäßigen Bogen steigt er in den bewölkten Himmel auf, senkt sich wieder und prallt dumpf auf den Kunstrasenplatz. Matthias Schauf dreht sich um und schlendert gelassen zu den nummerierten Kegeln. "Wie viel musst Du denn?", fragt seine Frau Susann. "Elf Meter irgendwas", antwortet er gelassen. "Wireweit war es denn?" Sie schaut auf den Bogen und sagt "16,60 Meter." Ihr Mann nickt zufrieden.

Erwartungsvoll beobachtet er anschließend seine Tochter Jasmin, die sich bereits an der Startlinie aufgestellt hat. "Seit unsere erste Tochter mit der Leichtathletik angefangen hat, sind wir begeistert beim Familiensportabzeichen dabei", berichtet der 50-Jährige und blickt über den Sportplatz an der Hochdahler Straße. Bunte Grüppchen haben sich neben den weißen Zelten versammelt, die die einzelnen Stationen markieren. Auf der Tartanbahn startet gerade ein 800-Meter-Lauf, an der Sprunggrube messen die Prüfer fleißig - alles scheint in Bewegung zu sein.

Familie Schauf ist zum Weitsprung weitergewandert. Während Matthias und Jasmin ihren Anlauf ausmessen, greift Susann nach dem Seilchen. "Was muss ich machen?", fragt sie und wirft unter dem Zeltdach einen Blick auf die Liste der Anforderungen. "Aha, 40 Mal rückwärts", murmelt sie vor sich hin. "Aber ohne Zwischensprung", mahnt Prüfer Hans Strerath. Susann bringt das Seil in Startposition und springt. Zischend titscht das Seil auf der Tartanbahn auf. "Eins", zählt Hans Strerath. Wieder ein Zischen, "zwei!", zisch, "drei"... "vierzig!" Susann reißt jubelnd die Arme nach oben. "Geschafft!", sagt sie keuchend und lässt sich ihre Leistung in ihrer Liste eintragen.

Jasmin wiegt sich beim Weitsprung mit dem Oberkörper vor und zurück. Dann läuft sie kraftvoll los, beschleunigt, springt mit einem Satz auf das weiße Brett, drückt sich ab und landet nach flacher Flugkurve dumpf im feuchten Sand. Die Prüfer messen 4,13 Meter. "Das reicht, ich brauche nur vier Meter", sagt die 18-Jährige. Sie hat sich von ihren Eltern mitziehen lassen. "Sie haben sich gewünscht, dass ich nochmal mitmache. In meinem Alter ist das nicht so einfach, da sind die Anforderungen hoch. Trotzdem habe ich den Anspruch, Gold zu schaffen. Das stammt noch aus meiner Leichtathletik-Zeit."

Matthias und Susann Schauf sind bereits strammen Schrittes zum 50Meter-Start unterwegs. "Du hast Bahn drei, ich Bahn zwei", sagt sie über die Schulter. "Du musst durchziehen, ich möchte etwas sehen", ruft ihr Mann ihr nach. "Das hoffe ich nicht, denn Du sollst mich ziehen", kontert Susann. Sie steigt probehalber in den Startblock, entscheidet sich dann aber dagegen. "Auf die Plätze, fertig", zählt der Starter. In dem Moment zuckt Matthias. Fehlstart. "Auf die Plätze, fertig" - Knall. Mit zwei, drei langen Schritten setzt sich Matthias Schauf an die Spitze. Susann kann ihm nicht folgen. Kraftvoll drückt er sich mit seinen muskulösen Beinen ab, schwingt die Arme im Rhythmus mit und trudelt erst hinter der Ziellinie aus.

Das Zielfoto zeigt 7,92 Sekunden. "Das müsste reichen, ich musste unter 8,09 Sekunden bleiben", sagt der Haaner zufrieden und streicht sich mit der Hand durch die kurzen graumelierten Haare. Außer Atem kommt seine Frau auf ihn zu. Sie wirft einen Blick auf den Monitor. "10,63 Sekunden. Das ist nur Silber", sagt die 52-Jährige leicht enttäuscht. "Doch im Streckenschwimmen schaffe ich Gold. Dann genügt auch einmal Silber", sagt sie und winkt zu ihrer jüngsten Tochter Cora herüber. Die Zehnjährige lehnt lässig am Zaun und schaut zu. Sie hat alle Anforderungen in den Kategorien Kraft, Koordination, Schnelligkeit und Ausdauer bereits in der Schule erfüllt. "Wurf war das Schwierigste, denn ich werfe eher hoch als weit. Seilchen war am besten, das übe ich zu Hause immer auf dem Trampolin", berichtet das Mädchen mit dem blonden Zopf.

Jasmin hat auch Bedenken hinsichtlich ihrer Laufleistung. "Die 3000 Meter in 18 Minuten sollten machbar sein, aber der 100-Meter-Sprint in 14,3 Sekunden könnte knapp werden. Seit ich nicht mehr Handball spiele, bin ich nicht mehr so sportlich", sagt die Abiturientin und schlendert zum Start. Sie stellt sich an der Linie auf, alle Muskeln gespannt, den Blick nach vorne gerichtet.

Quelle: RP
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