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Leichtathletik
Die kurz entschlossene Langläuferin

Mettmann. Ute Spicker rennt - ausdauernd, schnell und erfolgreich. Deshalb holte sie sich den Neanderland Cup 2015 bei den Frauen Von Dirk Neubauer

METTMANN Eben saß sie noch im Wettkampfbüro, schon läuft sie selber über die Startmatte mit dem Zeitsignal. "Das Spontane schaltet den Kopf aus. Man hat keine Zeit, lange nachzudenken." Dabei läuft sie nicht einfach nur mit - sondern meist vorne weg. Kaum ein Wochenende vergeht, ohne dass Ute Spicker, 54, Diplomsportlehrerin aus Mettmann, irgendwo Strecke macht. Sie war Weltmeisterin, Europameisterin und Deutsche Meisterin im Duathlon, hat erfolgreich Triathlons absolviert, wird in der ewigen Liste der besten Marathonläuferinnen vom DLV auf Platz 449 geführt und entschied 2015 als beste Läuferin des Kreises den Neanderland Cup für sich.

Still zu sitzen ist der Sportlerin ein Graus. Also hat sie die Heiligenhauser Hügel rings um den Panoramaweg als Ort für das Gespräch gewählt. Am Ende der gut einstündigen Runde fehlt dem Reporter die Atemluft, um weitere Fragen stellen zu können. Für Ute Spicker rangiert der Interview-Walk unter die Kategorie lockeres Gehen, es war eine Art Aufwärmen zwischen ihrem Wohnort Mettmann und dem "Team Essen 99", ihrem Sportverein.

Dort schätzen sie ihr Teammitglied Ute Spicker als sportliches Vorbild. "Wenn sie sich etwas vorgenommen hat, dann erreicht sie das auch", sagt einer. Ute sei ehrgeizig. "Das stimmt", lacht die derart charakterisierte. "Man muss sich schließlich Ziele setzen." Zugleich stelle sie sich aber auch genauso spontan in den Dienst der Sache, ziehe Läuferkolleginnen mit oder engagiere sich in der Organisation.

"Sehr lange konnte ich mit dem Laufen nichts anfangen", erinnert sich Ute Spicker, die Spätberufene. Tennis war ihre Passion. Noch heute arbeitet sie als Tennistrainerin, unter anderem beim TC Blau-Weiß Wülfrath. "Irgendwann haben mich Tennisschüler von mir einfach mal zu einem Lauf mitgenommen." Da hat sie die Leidenschaft gepackt. Und wie. Denn das mit dem "Leiden" und dem "Schaffen" gilt bis heute. "Ich vergleiche mich immer mit den Schnellsten eines Laufs, nie mit den Läuferinnen aus meiner Altersklasse." Trotz leichter Höhenangst entschied sie sich spontan zur Teilnahme am Karwendel Berglauf: 1462 Meter Höhendifferenz, verteilt auf elf Kilometer Strecke, die zu einem großen Teil über Schotterwege führt. Dort wurde Ute Spicker im Jahr 2015 Vierte in ihrer Altersklasse W 50 (1:43,23,5).

In den Jahren 2004 und 2007 gewann Ute Spicker den Untertage-Marathon von Sondershausen in Thüringen, 700 Meter unter der Erdoberfläche. Auch dort geht es auf und ab, über einen zehn Kilometer langen Rundkurs - 310 Meter Höhenunterschied pro Rund, manche Stellen haben bis 20 Prozent Steigung oder Gefälle.

"Ich laufe lieber aufwärts", sagt Ute Spicker trocken. Nach zwei Fahrradstürzen beim Duathlon sind ihr Bergab-Passagen nicht mehr ganz geheuer. Der Unter-Tage-Rundkurs in Sondershausen bietet ansonsten Herausforderungen, die ideal sind für Ute Spicker. "Dort ist es unglaublich warm. Man läuft im Hochsommer-Trikot", sagt sie, der es niemals zu heiß wird. Und zugleich muss man sich enorm auf die Strecke konzentrieren. "Einfach nur geradeaus im Flachen zu laufen - das ist irgendwie langweilig."

Aktuell gesucht: die nächste Herausforderung. Eine setzt das Alter. "Ich muss härter trainieren, um an frühere Zeiten heranzukommen." Die Ziele für 2016 will Ute Spicker in den nächsten Tagen festlegen. Sie werden kaum zu schaffen sein. Eben darin liegt für Ute Spicker der Reiz.

Quelle: RP
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