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Leichtathletik
Dieser Lauf ist eine Herzensangelegenheit

Hilden. Mehrere hundert Läufer stehen an der Startlinie im Stadtwald, treten ungeduldig von einem Bein auf das andere oder scharren mit den Hufen wie Anne Pütz beziehungsweise ihr vierbeiniger Begleiter. Aus Luft und Laune baumelt der aufgeblasene Pferdekopf vor ihr her, sie hält die Zügel aber fest in der Hand. "Das behindert mich nicht und mit vier Beinen bin ich sowieso schneller", sagt die Sportlerin lächelnd. Sie galoppiert gleich mit ihren beiden Kollegen von Qiagen auf die fünf Kilometer lange Herzlauf-Strecke. "Wir möchten einfach nur Spaß haben und den guten Zweck unterstützen", betont Pütz und der Vierbeiner wackelt mit dem Kopf. Von Dominique Schroller

Schwer wiegt dagegen die Ausrüstung von Patrick Vierhaus und seinen Kollegen. Sie schultern gerade die Druckluftflaschen und rücken ihre Helme zurecht. Die Feuerwehrleute aus dem Sauerland laufen in voller Montur und schleppen 25 Kilogramm zusätzlich mit auf die Strecke. "Wir möchten fit bleiben", sagt Vierhaus und rückt Richtung Startline auf. Die Einsatzkräfte der Hildener Feuerwehr haben dagegen Marscherleichterung und beschränken sich auf T-Shirt und Turnhose. "Dafür absolvieren wir zehn Kilometer", sagt Wehrleiter Birger von Gehlen. Er läuft mit gutem Beispiel voran und weiß 23 Kollegen hinter sich.

In schwarz-gelben Shirts zeigen die Mitglieder von Echte Liebe Hilden für den BVB Flagge. "Wir haben auch alle freiwillig 19,09 Euro Startgeld bezahlt, dem Gründungsjahr des Vereins entsprechend", berichtet Max Kulesza. Er möchte unbedingt unter 30 Minuten bleiben, obwohl er noch bis vier Uhr morgens auf einer Hochzeit getanzt hat. "Das ist mein Handicap, doch das geht schon."

Auf den Zielsprint freut sich Sven Müller besonders. "Wir sind gut vorbereitet und möchten eine schnelle Runde drehen." Seine Kollegin Ramona Marondel ist auch häufiger bei Firmenrennen am Start und hochmotiviert. "In der Natur zu sein und sich zu bewegen, ist für mich das Schönste überhaupt."

Während der Startschuss die Sportler auf die Strecke schickt und einer nach dem anderen zwischen den Bäumen verschwindet, ehrt Monica Öhm auf der Bühne die Teilnehmer des Inklusionslaufs. "Hier gibt es nur Gewinner und das passt genau zu unserem Konzept. Wir möchten Menschen glücklich machen", betont die Sprecherin des Herzlaufs. Sie hofft, dass im Laufe des Renntages erneut eine fünfstellige Summe für das Kinderhospiz Regenbogenland zusammenkommt. "Der Erlös aus Startgeldern, Tombola, Kaffee- und Kuchenverkauf ist dafür bestimmt. Die Stände und unsere Sponsoren stocken das noch auf", berichtet Öhm. Es bewegt sie, dass jedes Jahr mehr Sportler und Aussteller kommen und der Lauf sich in nur drei Jahren zum Selbstläufer entwickelt hat.

Das Konzept hat auch Stephan Klein angelockt. Der Ultra-Läufer hat es bereits in Guiness-Buch der Rekorde geschafft und sein persönlicher Rekord liegt bei fünf Marathon-Rennen in fünf Tagen. Dabei begann der 54-Jährige erst vor zwölf Jahren, sich zu bewegen. "Vorher habe ich 125 Kilo gewogen, da war an Sport nicht zu denken." Nun geht er als Düsseldorfer Wiki mit Hörner-Helm, Fellweste, Stulpen und Leo-Slip für den guten Zweck an den Start. Beim Inklusionslauf hat er sich für den Halbmarathon später schon mal warm gemacht. "Dabei zu sein, ist heute alles."

Max Kulesza hat sein BVB-Team unterdessen ins Ziel geführt. "Wir sind unter 30 Minuten geblieben und haben damit alles erreicht", sagt der Hildener außer Atem. "Die Zuschauer entlang der Strecke haben für eine tolle Stimmung gesorgt, da hat das Laufen noch mehr Spaß gemacht", ergänzt Jeanette Albrecht. Schweißüberströmt und ausgepumpt absolvieren dagegen Patrick Vierhaus und seine Kollegen die letzten Meter. "Die ersten zwei Kilometer waren noch okay und dann fingen die Beine an zu brennen. Doch wir haben uns gegenseitig angefeuert", erzählt er keuchend. In vier Wochen planen sie einen Marathon in voller Montur. "Dann müssen wir richtig die Zähne zusammenbeißen."

Quelle: RP
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