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Reitsport
DM ist ihre letzte Vorstellung

Haan. Nach Rang vier bei der EM in Aachen holt Christine Kuhirt zum Abschluss ihrer Karriere noch Silber bei der Deutschen Meisterschaft. Die Haaner Voltigiererin will weiter trainieren - jetzt aber ohne Leistungsdruck. Von Dominique Schroller

Ein letztes Mal schlüpfte sie in das goldene Glitzerkleid und die Rolle der Marilyn Monroe. Ein letztes Mal turnte sie auf dem Rücken von Fuzzy durch die Arena und genoss den Applaus der Zuschauer. Als sie anschließend die Halle verließ, glitzerten Tränen in den Augen von Christine Kuhirt. Beim Abschied von der großen sportlichen Bühne überwältigten sie ihre Emotionen. "Es war eine wunderbare Zeit, doch sie war in ihrer Genialität an Fuzzy gebunden", sagte die 26Jährige. Mit einer Silbermedaille um den Hals beendete sie bei den Deutschen Meisterschaften im Voltigieren ihre Karriere zwischen Himmel und Erde.

Höhenflüge hat die Haanerin ebenso erlebt wie Abstürze mit harter Landung. Nach vielen Verletzungen erkämpfte sie sich 2012 den nationalen Titel, 2014 durfte sie als Dritte der Deutschen Meisterschaft nicht mit zu den Weltreiterspielen in die Normandie reisen und im August startete sie bei der Europameisterschaft zum ersten Mal bei einem internationalen Championat.

"Das war immer mein Ziel und diese Atmosphäre in Aachen werde ich wohl nie vergessen. Das war unglaublich." Knapp turnte sie dort in der Kür ihres Lebens an der Bronzemedaille vorbei. "Vierter einer EM ist aber auch nicht ganz so schlecht", sagt Kuhirt. Das findet auch Stefan Lotzmann. "Wir haben heute nicht das gezeigt, was möglich gewesen wäre", sagte Kuhirts Trainer und Longenführer nach dem EM-Auftritt. Doch auch seine Bilanz fiel positiv aus. "Natürlich macht es ein wenig wehmütig, so nahe dran gewesen zu sein, doch die Tage hier in Aachen waren ein Erlebnis." Kuhirt hat mehr erreicht, als sie zuvor zu träumen gewagt hatte und das macht ihr den Abschied leichter. "Es ist der richtige Zeitpunkt. Denn neben meiner Arbeit und dem Training gab es in den vergangenen Jahren wenig." Sie hatte schon vor ihrem Auftritt in Aachen entschieden, ihre Laufbahn gemeinsam mit ihrem Partner Fuzzy zu beenden. "Er trägt den größten Anteil überhaupt an meinem Erfolg. Ohne ihn wäre das alles nicht möglich gewesen. Ebenso wenig wie ohne Stefan Lotzmann, der ihn wieder fit gemacht hat." Für die Akrobatik auf dem galoppierenden Pferderücken, müssen Menschen und Tier einander jederzeit vertrauen und sich aufeinander verlassen können.

"Diese Basis hatten wir und das hat sich auch in Aachen gezeigt. Denn die Wertung für das Pferd ist ein Viertel der Gesamtnote", betont Kuhirt. Sie hätte sich diese Verbundenheit auch mit ihrem eigenen Pferd Rayo de la Luz gewünscht. "Er hat sicher mehr Qualität, doch nervlich ist er den Anforderungen großer Turniere nicht gewachsen." Der 20 Jahre alte Fuzzy ließ sich dagegen selbst vom ohrenbetäubenden Jubel des Publikums in der Soers nicht aus der Fassung bringen. "Es war nicht selbstverständlich, dass er in seinem Alter noch einmal so eine Saison geht. Nun hat er sich die Rente mehr als verdient."

Christine Kuhirt plant, mit Rayo und einer Gruppe von Voltigieren weiter zu trainieren, ohne auf große Ziele hinzuarbeiten. "Es soll kein Druck dahinterstehen. In der Mannschaft steht der Einzelne nicht so sehr im Fokus und es ist kein Problem, auch mal nicht in die Halle zu kommen." Die Leistungssportlerin freut sich schon darauf, auch mal ohne schlechtes Gewissen auf dem heimischen Sofa sitzenzubleiben. "Oder mal entspannt in den Urlaub zu fahren." Sie muss erst Abstand gewinnen, um alle Erlebnisse und Eindrücke, die der Sport ihr geschenkt hat, verarbeiten zu können. "Es ist eine Summe wunderbarer Erinnerungen. Dazu gehören nicht nur die Erfolge, sondern vor allem die intensive Zusammenarbeit mit Stefan und Fuzzy. Das werde ich schon vermissen."

Eine Trainerlaufbahn kann die 26-Jährige sich nicht vorstellen. "Dafür habe ich keine Geduld. Im Unterschied zu Stefan Lotzmann fehlt mir auch die Gabe, aus der Fülle der Korrekturen die entscheidenden herauszufiltern", berichtet Christine Kuhirt. Nach dem Abschluss ihres Studiums im Sportmanagement stieg sie zunächst in das Handelsunternehmen ihres Vaters ein und möchte dort auch erst einmal weiter arbeiten. Mit etwas Distanz wird sie mit einem Lächeln auf ihre sportliche Karriere zurückblicken und sich an die Momente erinnern, als in der Rolle der Marilyn Monroe das Publikum verzaubert hat.

Quelle: RP
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