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Porträt Adolf Wüsthoff
Fußball-Fan ist auch Galopper-Experte

Mettmann. Adolf Wüsthoff ist vielen Hildenern bekannt als Wirt des Meider Hofs. Der 82-Jährige unterstützt zudem den Traditionsklub VfB Hilden. Dass Wüsthoff jahrzehntelang Rennpferde besaß, wissen allerdings nur Eingeweihte. Von Ilka Platzek

Hilden Wirt wurde Adolf Wüsthoff, als er mit 23 Jahren von seinem Vater den Meider Hof übernahm. Er betreibt ihn bis heute. Zu seinen Stammgästen gehören seit Jahrzehnten die Sportkegler des Vereins Meide 63 Hilden, die seine fünf alten, aber penibel gepflegten Scherenbahnen regelmäßig nutzen. Den Fußball-Klub VfB Hilden unterstützt er bis heute. Die Spieler füttert er "nach Auswärtsspielen mit Schnitzeln" ab. Deren Qualität wird sogar im Internet gepriesen. Titel: "Bestes Schnitzel überhaupt". Was heute nur noch die älteren Hildener wissen, ist Adolf Wüsthoffs aufregende Zeit als Besitzer von Rennpferden. "Galopper", betont er. Nicht etwa Traber. Wie kommt ein Wirt dazu, Galopper zu besitzen? "Ich hatte in den 60er, 70er Jahren Gäste, die regelmäßig auf der Düsseldorfer Rennbahn waren. Die haben mich mal mitgenommen und dann habe ich einen Trainer kennengelernt, der mir mein erstes Pferd vermittelt hat."

Der Trainer hieß Willi Hauser, das Pferd Wildnerz. So fing es an. Aus einem wurden zwei, aus zwei drei eigene Pferde. "Ich habe vier bis fünf Pferde gleichzeitig gehabt", erinnert sich Wüsthoff. Die Kosten? Vergleichsweise bescheiden: "Damals habe ich pro Pferd und Monat 250 Mark Unterhalt gezahlt. Da war aber alles drin: Box, Futter, Trainer. Als ich 1991 mein letztes Pferd hatte, lag der Unterhalt schon bei 900 Mark." Die Galopper waren sein Hobby, die Rennbahnen sein zweites Zuhause. Die Tiere seien "kostendeckend" gelaufen, sagt er, während er in einem Fotoalbum blättert. Sie haben wohl auch ein wenig Gewinn erwirtschaftet. Auf jeden Fall hat der Wirt aus Hilden viel erlebt und berühmte Leute kennengelernt.

Der Ausnahmejockey Lester Piggott ist für ihn geritten: "Umsonst. Von anderen hat er mehrere tausend Mark pro Start genommen." Wieso umsonst? "Wenn er länger nicht in Düsseldorf gestartet war, wollte er die Bodenverhältnisse der Rennbahn testen. Dann hat er vor dem wichtigen Hauptrennen immer eins meiner Pferde in einem früheren Rennen geritten." - Eine Hand wäscht die andere. "Lester ist fünf, sechs Mal für mich gestartet, aber nie Erster geworden." Auch "der Jockey der englischen Königin, Bill Carson, ist für mich gestartet." Wüsthoff blättert weiter in seinem Fotoalbum und zeigt Fotos, die ihn neben den beiden Jockeys zeigen. Der Pferdebesitzer ließ seine Galopper erst in Düsseldorf, später in Bremen trainieren. Berühmte Pferde hatte er nicht, aber offenbar Tiere, die gut genug waren, ihren Unterhalt zusammenzugaloppieren: "Es müssen etwa 70 Siege gewesen sein und viele Platzierungen", sinniert der alte Herr. "Meine Farben waren bordeaux und weiß." Sein erfolgreichstes Pferd war No Flutter: "Das hat bestimmt 100 000 M ark gewonnen". Der junge Andreas Wöhler hat für ihn gearbeitet. Ebenso Peter Schiergen, "heute einer der erfolgreichsten Trainer in Deutschland", erzählt Wüsthoff.

1991 war dann Schluss. Es habe sich finanziell nicht mehr gelohnt. "Die Gewinnsummen waren zu niedrig, der Pferdeunterhalt daran gemessen zu hoch", befand Wüsthoff. Er hatte genug von der Rennbahn. Was ihm bleibt, sind die Erinnerungen. Nicht zuletzt in Form von signierten Drucken von Zeichnungen des in Reiterkreisen bekannten Pferdemalers Klaus Philipp (83). Das Nachrichtenmagazin der Spiegel hat Philipp als "den besten Pferdemaler der Welt" bezeichnet und ausgiebig portraitiert. Bilder von ihm hängen überall auf der Welt und, zum Teil mit persönlicher Widmung, in Wüsthoffs Wohnung und - in seiner Kneipe, dem Meider Hof an der Gerresheimer Straße 190.

Klaus Philipp und Adolf Wüsthoff haben in den 70er/80er Jahren viel Spaß miteinander gehabt und wohl leidenschaftlich gerne auf Pferde gewettet. Philipp erinnert sich an Wüsthoff als "der Mann mit der goldenen Hand. Der hatte bei seinen Wetten eine hohe Trefferquote." Ehefrau Bernadette Philipp sagt spontan: "Klar kenne ich den Adolf Wüsthoff. Die haben damals um Haus und Hof gewettet." Und ihr Mann ergänzt: Ich weiß gar nicht, warum der aufgehört hat. Plötzlich habe ich den nicht mehr gesehen."

Quelle: RP
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