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Boxen
Haanerin geht gerne an ihre Grenzen

Haan. Nadine Apetz holt sich bei der Weltmeisterschaft im kasachischen Astana die Bronzemedaille im Weltergewicht. Ein Erfolg, den bis dahin keine deutsche Boxerin bei den seit 2001 ausgetragenen Titelkämpfen schaffte. Von Daniele Funke

Fußballer haben kräftige Waden, Stabhochspringer lange Beine und Boxer krumme Nasen und Narben im Gesicht - normalerweise. Ein Treffen mit Nadine Apetz im Café König zu einem Interview belehrt eines Besseren: Es gibt auch Ausnahmen. Die junge Haaner Boxerin hat eine ebenmäßige Nase, nicht der Hauch einer zurückliegenden oder frischen Verletzung ist im Gesicht erkennbar. Erstaunen. "Bislang ist mir auch noch nix großartig Schlimmes passiert, zweimal ein blaues Auge, ich glaube, das war es", erklärt die 30-Jährige lächelnd, so als könne sie Gedanken lesen. "Und weil das so ist, haben meine Eltern auch mittlerweile ihre Sorgen und Ängste beiseite legen können und sind mittlerweile richtig stolz auf mich."

Nadine Apetz rührt den Löffel in ihrem Kaffee und erzählt mit ruhiger und angenehmer Stimme von ihrem sportlichen Werdegang. "Ich habe recht spät mit dem Boxen angefangen, das war, als ich zum Studium nach Bremen gezogen bin. Wir konnten da verschiedene AG's wählen und ich war sofort begeistert vom Boxen. Da war ich 21." Sport habe sie ihr Leben lang begleitet, sagt die Wahlkölnerin, als Kind sei sie mit dem Vater gelaufen, später als Heranwachsende sei sie geritten und habe Tennis gespielt. Ihre große sportliche Leidenschaft aber gehöre definitiv dem Boxsport. "Es ist dieses Gefühl, an eigene Grenzen und darüber hinaus zu gehen, der direkte Vergleich mit dem Gegner. Ich bin eindeutig kein Teamplayer, ich möchte ganz alleine für Erfolge oder Niederlagen verantwortlich sein."

Während der fünf Jahre Studium hat Nadine Apetz nicht nur ihre Boxkarriere vorangetrieben, sondern auch ihren Bachelor in Biologie gemacht und ihren Master in Neurowissenschaften. Drei Jahre hat sie in Australien gelebt, hat am Thema "pflanzliche Heilmittel gegen Alzheimer" geforscht. "Die Zeit in Sydney war schön, aber ich bin auch gerne nach Hause zurückgekommen. Ich mag die Mentalität der Menschen hier in Haan, das Übersichtliche, das Gemütliche." Im März 2014 ist Nadine Apetz nach Köln gezogen, nachdem sie vom Boxring Hilden zum Olympiastützpunkt Colonia für den "sportlichen Feinschliff" wechselte. Die Amateurboxerin lebt im Sportinternat, arbeitet an der Uniklinik Köln und schreibt an ihrer Doktorarbeit. Sechs Tage die Woche trainiert die sympathische Medaillenträgerin, hoffte auf eine Teilnahme bei den olympischen Spielen im August in Rio. "Die Welterklasse, in der ich normalerweise boxe, wird dort nicht aufgerufen. Ich habe dann in die teilnehmende Mittelgewichtsklasse gewechselt, in dem ich ein paar wenige Kilo zugelegt habe. Aber die doch häufig wesentlich schwereren Frauen haben mich einfach so weggehauen, so dass ich mich nicht qualifizieren konnte."

Für Nadine Apetz, die sich als ehrgeizig, zielstrebig und bodenständig beschreibt, scheint das kein großes Problem zu sein. Die WM-Medaille ist schon mehr, als sie je erwartet hat, ein Erfolg, über den sich auch Bärbel Ottehenning, die Geschäftsführerin des Boxring Hilden, wahnsinnig gefreut hat. "Wir sind sehr stolz auf Nadine. Die WM sollte für sie noch mal ein Höhepunkt sein."

Die junge Boxerin nimmt einen letzten Schluck Kaffee. Ein Wochenende in Haan bei der Familie, Motorrad fahren, Filme schauen, Nadine Apetz scheint entspannt. Nun bleibt nicht mehr viel Zeit, sie muss zurück ins Sportinternat. "Wir älteren Bewohner machen dort regelmäßig pädagogische Dienste und können auf diesem Weg recht günstig wohnen", erklärt die Boxerin und scheint sich regelrecht auf ihre Schicht zu freuen. "Ich fühle mich dort wahnsinnig wohl, wir sind eine riesige Familie dort und was die Boxabteilung betrifft - ich habe selten so nette Menschen wie dort kennengelernt."

Quelle: RP
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