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Lokalsport
Im Hildener Süden klappt die Inklusion

Hilden. Volker Roß ist Betreuer der zweiten Mannschaft der SpVg. Hilden 05/06. Und er ist eine wichtige Bezugsperson für Lenard Wiesener. Der 14-Jährige ist Asperger-Autist und lernt in der Süder Gemeinschaft die Regeln des Miteinanders. Von Birgit Sicker

Auf dem Sportplatz am Weidenweg ist an diesem Sonntag einiges los. Die zweite Mannschaft der SpVg. Hilden 05/06 kämpft gegen den MSV Hillal in der Fußball-Kreisliga B um wichtige Punkte. Mit von der Partie sind auch Volker Roß und Lenard Wiesener. Roß ist seit sieben Jahren als Betreuer für die Süder im Einsatz, und, wie er selbst sagt, "mehr für das Menschliche zuständig".

Der gelernte Koch war schon in vielen Berufen tätig. Inzwischen aber arbeitet er als Inklusionshelfer. Seine Aufgabe: Das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern. Dadurch lernte Roß auch Lenard Wiesener kennen. Der 14-Jährige besucht die Felix-Metzmacher-Schule in Langenfeld - und hat eine besondere Vita. Denn Lenard ist Autist, genauer: ein Asperger-Autist. Erst am Ende der Grundschulzeit erhielt die Familie die Diagnose, die das besondere Verhalten des Jungen erklärt. "Asperger-Autisten haben keine Gefühle, keine Emotionen", erläutert Roß. Oft sind Asperger-Autisten hochintelligent oder haben eine Inselbegabung, sind also in bestimmten Bereichen zu außerordentlichen Leistungen fähig. Ihre Wahrnehmung ist jedoch eine andere. Und es fehlt ein "Filter" im Gehirn, der hilft, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Strömen zu vielen Reize aus der Umgebung auf Lenard ein, zieht er sich deshalb erst einmal zurück, um die ganzen Sinneseindrücke zu verarbeiten und das Chaos in seinen Kopf zu sortieren.

Die erste Halbzeit der Fußball-Begegnung neigt sich dem Ende zu. Volker Roß eilt bereits in die Kabine, um den Pausentee vorzubereiten. Lenard Wiesener hilft ihm dabei, denn wenn die Süder Kicker gleich in den Umkleideraum eilen, geht es Schlag auf Schlag: In zehn Minuten bleibt der Mannschaft nicht viel Zeit, die Taktik zu besprechen und auch noch den Energiespeicher aufzufüllen.

Der Schiedsrichter pfeift die zweite Halbzeit an. "Hallo Lenard, wie geht's", ruft Andreas Beißel, genannt Andi oder "Tanker", der gerade erst als Zuschauer zur Trainerbank schlendert. "Ich muss jetzt gucken, was passiert", antwortet Lenard. Der Schüler kommt gerne auf die Anlage, "weil es passt", sagt er. Viel mehr lässt er sich von einer Fremden erst einmal nicht entlocken, aber es ist zu sehen, wie es in seinem Gehirn arbeitet. Besser läuft die Kommunikation mit dem Fotografen, denn dessen Objektive erwecken Lenards Interesse - und deshalb hakt er unerwartet hartnäckig nach.

Lenard fällt es grundsätzlich schwer, auf Menschen zuzugehen. "Ich muss ihn drängen, damit er die Angst verliert", berichtet Roß und gibt ihm deshalb immer wieder kleine Aufgaben, die es zu erfüllen gilt. Im täglichen Umgang trainiert er mit seinem Schützling Gestik und Mimik. Denn Lenard muss lernen, Gefühle mit einem bestimmten Gesichtsausdruck seines Gegenübers zu verbinden. Und er lernt schnell, diesen zu kopieren. Deshalb ist das Zusammensein mit den Fußballern für den Jugendlichen so wichtig. "Hier lernt er das Leben", sagt Volker Roß. Der Ton unter den Kickern ist oft etwas rauer, doch Lenard lernt, das einzuschätzen. Und erkennt immer besser, wann etwas Spaß ist und wann es ernst wird."Es ist schön, dass hier alle mitmachen und es für alle normal ist", betont Volker Roß.

Für Ralf Tschaschler ist das eine Selbstverständlichkeit. "Wenn jemand ein Handicap hat, dann wollen wir ihn integrieren und sagen den Leuten, worauf zu achten ist. Zur Weihnachtsfeier ist Lenard vorgestellt und von seiner Krankheit erzählt worden", berichtet der Vorsitzende der SpVg. 05/06. Und stellt fest: "Lenard war sofort drin in der Mannschaft. Die nehmen es locker und reden mit ihm, als ob sie mit einen Kumpel sprechen." Längst ist Lenard in die Sportlergemeinschaft integriert.

Quelle: RP
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