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Handball
In der Harzfrage drängt die Zeit

Haan. Harzen oder nicht? An dieser Frage scheiden sich in Haan wieder einmal die Geister. Für die Handballer ist die Antwort von existenzieller Natur, für die Stadt stehen die Kosten im Fokus. Von Erdinc Özcan-Schulz

"The same procedure as every year": Diesen von der Kultsendung "Dinner for One" bekannten Spruch der alten Dame Miss Sophie, den sie ihrem Butler jährlich am Ende des Silvester-Mahls sagt, könnte man auch auf die Harzprobleme der Handballer in Haan übertragen. Nachdem der Unitas-Vorstand im vergangenen Jahr nach langen Diskussionen gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadt eine Sonderregelung für die Meisterschaftsbegegnungen und zuvor vier Freundschaftsspiele in der Vorbereitung auf die neue Saison fand, sucht die Führungsetage des Klubs um den Vorsitzenden Martin Blau wieder das Gespräch mit Rat und Verwaltung.

"Natürlich waren wir damals froh und glücklich, dass wir uns gemeinsam auf diese Lösung geeinigt haben", sagt Blau. Allerdings musste der Unitas-Chef einsehen, dass eine vernünftige Vorbereitung auf die Punktspiele, in denen die Unitas-Handballer Harz nutzen dürfen, recht schwierig ist, wenn die Sportler im Training eben ohne diese Haftmittel auskommen müssen. Schließlich geht es auch um die Frage, ob der Verein langfristig in Haan Leistungs-Handball etablieren kann und will.

Auch Jurek Tomasik, der neue Trainer der Unitas-Herrenmannschaft, ist von den aktuellen Arbeitsbedingungen seines Teams nicht begeistert. "Wir wollen nichts anderes als unter der Woche so zu trainieren, wie wir am Wochenende auch spielen", sagt der Coach, der sicher ist, dass alle Seiten noch zueinanderfinden. Das wäre wünschenswert, denn der Ex-Profi kassierte bei seiner Suche nach neuen Spielern schon einige Absagen, weil er die Frage nach der Harz-Nutzung nicht endgültig beantworten konnte. "Das Problem haben wir ja nicht alleine. Der Haaner TV hat dieselbe Problematik", verweist Tomasik auf den Nachbarn HTV, dessen Mannschaften im weiblichen Bereich überregional spielen.

"Wir unterstützen die Forderung der Unitas", erklärt Stephan Becker, stellvertretender Leiter der Handball-Abteilung des Haaner TV. Der Klub verzichtete auf die Bundesliga-Qualifikation der A-Mädchen. "Ohne die Klärung war es uns zu vage", erläuterte Andre Wernicke die Maßnahme. Dabei hätten die Nachwuchshandballerinnen das Potenzial, in der höchsten Jugend-Klasse mitspielen zu können. "Dafür müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen", sagt Wernicke. Und Jurek Tomasik betont: "Wenn wir das nicht bieten können, brauchen wir uns nicht wundern, wenn Jugendliche aus Haan weggehen, um in der Nachbarschaft Handball zu spielen. Das kann nicht unser aller Ziel sein." Deshalb rät der Trainer der Herrenmannschaft, intensiv an einer Lösung zu arbeiten: "Alle wollen, dass wir die Jugend hier halten. Also müssen wir alle aufeinander zugehen."

Wie sensibel die Thematik bei der Stadt gehandelt wird, zeigt, dass keiner der Verantwortlichen - weder im Gebäudemanagement noch im Amt für Schule und Sport - eine Aussage machen wollte. Entweder fühlte man sich trotz mehrfacher Anfragen nicht autorisiert zu antworten oder nicht zuständig. Genau darin scheint das eigentliche Problem zu liegen: Keiner will den Schwarzen Peter haben und deshalb schiebt jeder die Verantwortung zwischen den Ämtern und dem Rat hin und her. "Ich kann alle Seiten verstehen und werde die Sache ergebnisoffen diskutieren", äußerte sich CDU-Stadtverordneter Tobias Kaymer diplomatisch neutral.

Spätestens nach der parlamentarischen Sommerpause soll das Harz-Problem Thema in der Ratssitzung sein. Bis dahin wollen Martin Blau und seine Mitstreiter noch einmal in einem Schreiben vortragen, wie wichtig die Nutzung eines wasserlöslichen Haftmittels für die einzelnen Mannschaften, die Vereine, aber auch für die Stadt sein kann. Schließlich geht es um die Entscheidung, ob die Haaner Handballer, egal welchen Alters, in der Gartenstadt ein sportliches Zuhause finden. Die Verantwortlichen der Unitas und des HTV ziehen dabei an einem Strang.

Quelle: RP
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