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Lokalsport
Individuelle Methode bringt den Erfolg

Lokalsport: Individuelle Methode bringt den Erfolg
Anna Louisa Boehmer und Santana sind glücklich nach ihrem Debüt in einer S*** beim Herbstturnier auf der Reitanlage Löckenhoff. FOTO: Dietrich Janicki
Wülfrath. Im Training reitet die 23-jährige Auszubildende ihre Stute stets mit Fellsattel und ohne Steigbügel. Von Bettina Salerno

Dass eine 23-jährige Dressurreiterin von Erfolgen mit ihrem Pferd träumt, ist im Reitsport nichts Ungewöhnliches. Der Weg dorthin ist beschwerlich, kostet viel Geduld, Ausdauer und Einfühlungsvermögen. Und davon scheint Anna Louisa Boehmer eine Menge zu haben, denn diesen Weg geht sie mit ihrer Stute Santana derzeit erfolgreich. Ihre Trainingsart ist allerdings alles andere als gewöhnlich in dieser Sportart. Sie reitet im Training und vor den Wettkämpfen nur mit einem schlichten Fellsattel und übt sich in Pirouetten, Passage, Piaffe - und jeder Menge Spaß beim Reiten.

"Ich reite Santana zuhause immer mit Fellsattel ohne Bügel", sagt die Azubine der klassischen Reiterei völlig selbstverständlich. "Durch diese Reitweise haben wir festgestellt, dass ihre Bewegungsabläufe viel raumgreifender und losgelassener wurden. Und ich ausbalancierter als je zuvor auf dem Pferd sitze." Anna und Santana sind ein Dreamteam ganz besonderer Art, denn eine solche Trainingsart ist in der Reiterszene auf diesem hohen Niveau die absolute Ausnahme. Die bildschöne Stute ist eine erfahrene Dame, lässt sich aber dennoch nicht ohne Weiteres mal eben durch die Prüfung jonglieren. Denn auch solche Pferde benötigen schließlich ihren Piloten.

"Sie ist hochsensibel und verträgt überhaupt keinen Druck. Aber wenn sie läuft, ist sie großartig", so Anna. Das Dressurtraining findet mehrmals in der Woche statt. Mit Fellsattel. "Wir üben uns gerade in Routine beim Reiten von Passage, Piaffe und den Übergängen." Die restlichen Tage verbringt die Stute mit einem abwechslungsreichen Spaßprogramm und natürlich mit täglichem Weidegang auf der großzügigen Reitanlage Pegasus in Wülfrath. "Santana steht auch in der Herde, da fühlt sie sich richtig wohl", sagt Anna und zeigt zu einer riesigen Koppel, die weit über einen Hügel hinweg reicht. Auch dieser Luxus fürs Grand Prix-Pferd ist nicht überall selbstverständlich und eher selten gegeben. "Santana steht noch am Tag vor großen Reitevents auf der Weide, das tut ihr gut", erzählt Anna Louisa sehr überzeugend und weist auf anstehende Starts in der Klasse S*** hin. Beim ersten Anlauf dieser schweren Klasse in diesem Jahr, auf dem Herbstturnier der Reitanlage Löckenhoff in Mettmann, schlug sie sich unter etlichen Profis tapfer und war zufrieden mit ihrer Leistung. "Ok, Passage und Piaffe üben wir noch fleißig, dafür waren die Einerwechsel super. Hauptsache Santana bleibt noch lange gesund." Das war nicht immer der Fall. Sobald erste Starts mit der jetzt 17-jährigen Stute anstanden, fiel sie immer wieder wegen Krankheit aus. Anna gab nie auf, glaubte an sie und trainierte sie immer wieder aufs Neue behutsam an.

Die mächtige Stute von Sir Schölling war das Paradepferd ihrer Mutter. "Ich habe das Reiten währenddessen zunächst auf Schulpferden, bei Reitbeteiligungen und dem Ponyreiten gelernt", so Anna. An Wochenenden durfte sie dann hin und wieder Santana reiten. Erst als ihre Mutter krankheitsbedingt für längere Zeit ausfiel, ritt sie erste Turniere mit Santana in M-Dressuren. Zuhause trainiert wurde mit Fellsattel. Nur zum Turnier wird der Ledersattel schließlich aufgelegt. "Ich könnte aber das ganze Programm auch mit dem Fellsattel reiten", sagt Anna und lacht. Drei Siege in der schweren Klasse kann das Dreamteam derzeit verbuchen und etliche Platzierungen. Als ständige Trainerinnen an ihrer Seite stehen Susanne Wolff und ihre Chefin, Sara Schulze, die selbst sehr erfolgreich bis Grand Prix geritten ist. Unter den Fittichen der beiden Profis absolviert Anna im kommenden Jahr dann ihre Abschlussprüfung als Bereiterin. "Über ganz viele verschiedene Wege zum Ziel zu gelangen und dabei total aufs Individuum Pferd eingehen können, das habe ich gelernt und werde es weiter verfolgen", sagt Anna und hofft, dass im kommenden Jahr vielleicht eine Schleife im Grand Prix dabei sein könnte. "Ein Träumchen wäre das", fügt sie hinzu und muss sich ganz schön zusammenreißen, damit ihr keine Träne über die Wange kullert.

Quelle: RP
 
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