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Ralf Tschaschler
"Keiner will die Entscheidungen treffen"

Mettmann. Helfer finden sich in der SpVg. Hilden 05/06 schnell, doch die Suche nach einem neuen Vorsitzenden gestaltet sich schwierig. Heute starten die Mitglieder einen zweiten Anlauf. Ralf Tschaschler will zwar noch anpacken, aber nicht mehr entscheiden.

HILDEN Vor drei Jahren übernahm Ralf Tschaschler auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung das Amt des 1. Vorsitzenden bei der SpVg. Hilden 05/06. Er folgte damit auf Marco Stump, der den Posten vorzeitig aufgab. Weil sich jetzt auf der regulären Jahresversammlung kein Nachfolger fand, steigt heute Abend um 19.30 Uhr wieder einmal eine außerordentliche Versammlung im Vereinsheim am Weidenweg, um einen neuen Vorsitzenden zu küren.

Seit wie viel Jahren sind Sie ehrenamtlich für die SpVg. Hilden 05/06 tätig und wie viel Spaß hat es Ihnen gemacht?

Tschaschler 1999 bin ich mit meinen Söhnen zum Verein gekommen, war zunächst Trainer und Betreuer im Jugendbereich, 2006 stellvertretender Jugendleiter und später eben Jugendleiter. Ich habe also alle Positionen durchlaufen und es hat mir immer Spaß gemacht. Den muss man aber auch dabei haben.

Weshalb stellen Sie sich nicht mehr zur Wiederwahl?

Tschaschler Ich habe bereits letztes Jahr angekündigt, dass ich nicht mehr als Vorsitzender weitermachen will. Dem Verein will ich erhalten bleiben und andere Aufgaben übernehmen. Pakete wie Sponsoring, Kita-Cup oder Funktionsgebäude, die ich geschnürt habe, möchte ich weiter betreuen. Aber ich will nicht mehr in der Position des 1. Vorsitzenden arbeiten und nicht mehr allein alle Entscheidungen treffen müssen.

Weshalb gestaltet sich die Suche so schwierig?

Tschaschler Viele in der Sportvereinigung wollen helfen, das unterscheidet uns von anderen Vereinen. Aber keiner will Entscheidungen treffen. Ein gutes Beispiel ist unser Weihnachtsdorf. Wenn jemand den Anstoß gibt, dann sind 20 Leute da, treffen sich und machen das. Es fehlt uns aber an Entscheidungsträgern, an Leuten, die Verantwortung übernehmen. Woran das liegt, weiß ich nicht, denn wir haben viele im Verein, die berufsmäßig auch Verantwortung übernehmen.

Was könnte am Amt des Vorsitzenden abschreckend wirken?

Tschaschler Viele sehen natürlich die Arbeit und Zeit, die ich reinstecke. Aber das habe ich mir selbst zuzuschreiben. Das muss ja gar nicht sein, denn man kann das Ganze auf mehr Schultern verteilen. Mein großer Fehler war, dass ich immer selbst angepackt habe und auch gerne entscheide. Ich war mir auch nicht zu schade, an der Kasse zu sitzen und Wertmarken zu verkaufen. Doch das ist gar nicht nötig. Ich bin Rentner und hatte eben die Zeit.

Könnten auch die Finanzen eine Rolle spielen?

Tschaschler Manche haben vielleicht Bedenken: Jetzt stehe ich in der Verantwortung und muss mit meinem Häuschen haften. Wir sind aber ein Verein, der seit 110 Jahren schwarze Zahlen schreibt. Und wir haben ein Controlling. Finanzielle Dinge wie den Etatansatz oder Geld für die Spieler habe ich nie allein entschieden, sondern mich in solchen Fällen mit dem Beirat zusammengesetzt. Unsere Finanzbeauftragte sammelt die Belege und gibt das Ganze aber dann an ein Steuerbüro. Das wollen wir auch in Zukunft so handhaben. Rechtlich schwierig wird es doch nur, wenn man nachweislich so gehandelt hat, dass man dem Verein Schaden zugefügt hat.

Was passiert, wenn sich heute Abend kein neuer Vorstand findet?

Tschaschler Wir brauchen einen neuen Ersten und Zweiten Vorsitzenden und einen Schatzmeister, damit der geschäftsführende Vorstand komplett ist. Schaffen wir das nicht, könnte der alte Vorstand noch im Amt bleiben, sobald aber einer von den Dreien zurücktritt, ist das hinfällig. Dann wird vom Amtsgericht ein Notvorstand bestellt. Der kann auch aus den eigenen Reihen kommen. Wenn das Amtsgericht jedoch einen Rechtsanwalt oder ein Steuerbüro beauftragt, dann kostet das den Verein richtig viel Geld.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE BIRGIT SICKER.

Quelle: RP
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