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Lokalsport
Kleine Sportler - große Sprünge

Hilden. Rund 200 Kinder aus Hildener Kitas legen auf der Sportanlage am Bandsbusch das Mini-Sportabzeichen ab. Dabei geht es nicht um Höchstleistungen, sondern einzig um Spaß und Freude an der Bewegung. Von Daniele Funke

Til ist fünf und kann schon ziemlich schnell rennen. Vor den Augen seiner Kindergartenfreunde nimmt der aufgeweckte kleine Junge Anlauf, sprintet los und springt in die Sandgrube. "Toll Til", ruft seine Erzieherin Dagmar Mergemeier und klatscht Beifall. Til ist mit dem Po gelandet, steht auf und klopft den Sand ab. "Das war mein Motor in meinem Bauch. Wenn ich den anstelle, kann ich superschnell laufen", erklärt der aufgeweckte Blondschopf und stellt sich für einen zweiten Sprung an. Die anderen Vorschulkinder der "Rappelkiste" stehen ihm in nichts nach. Auch Abigail, Marle und Leon zeigen ihre sportliche Höchstleistung. "Dafür bekommt ihr jetzt alle einen Stempel für die Disziplin Weitsprung", ruft Sporthelferin Joelle und drückt den vielen kleinen Handrücken, die sich ihr aufgeregt entgegenstrecken, ein Herzchen auf.

Das Minisportabzeichen für Kindergartenkinder gibt es im Kreis Mettmann bereits seit 2010. Bislang wurde es jährlich in jeweils einer Kreisstadt ausgetragen. "Das war uns in Hilden zu wenig, wir wollten das Minisportabzeichen gerne jährlich anbieten. Und das machen wir nun ab diesem Jahr", sagt Sportbüroleiterin Claudia Ledzbor. Die Sportabzeichenbeauftragte des Hildener Stadtsportverbandes, Helga Schmidt-Schlegel, erklärt die Hintergründe. "Die Kinder sollen ganz früh an den Sport herangeführt werden und diese unglaubliche Bewegungsfreude der ganz Kleinen ist beste Voraussetzung dafür, dass der Sport Bestandteil ihres weiteren Lebens bleibt."

Die Rappelkistenkinder sind fit, als zertifizierter Bewegungskindergarten gehört der Sport zum Alltag der städtischen Einrichtung an der Augustastraße. "Wir haben natürlich auch einige Flüchtlingskinder und es macht mir besondere Freude zu sehen, wie sie hier ihre Anerkennung über den Sport finden, bei dem sie mithalten können, ohne die Sprache zu verstehen." Eins dieser Kinder ist Fouat. Der kleine Junge spricht noch kein Deutsch, hat aber keinerlei Probleme, die Anweisungen zu den einzelnen Disziplinen "weit springen", "weit rennen", "schnell rennen" oder "weit werfen" zu begreifen. Brav wartet Fouat in der Schlange bis er beim Weitwurf an der Reihe ist und schaut danach in fassungslose Gesichter. "Das waren fast 20 Meter", staunt Dagmar Mergemeier, die beiden Sporthelferinnen nicken. Die anderen Kinder liegen zwischen vier und acht Metern. Der kleine Vorschuljunge lächelt schüchtern und wundert sich über die Reaktionen. "Das werden wir beobachten, vielleicht steckt ein wahres Sporttalent in ihm", sagt die Erzieherin.

Beim 50-Meter-Kurzsprint macht Leon das Rennen, knapp vor Bruno im gelben Brasilienshirt. Dann folgt die anstrengendste Disziplin: eine ganze Runde um den Sportplatz. "Ich gebe Euch noch einen Tipp: Lauft nicht zu schnell los, dann habt ihr am Ende keine Kraft mehr", ruft Helga Schmidt-Schlegel den Kindern zu. Dafür aber sind die allermeisten der Fünf- und Sechsjährigen zu emsig, sie wollen alle gerne zeigen, was in ihnen steckt. "Es geht hier nicht um die Leistung bei den ganz Kleinen, einzig um die Freude. Aber natürlich messen sie sich auch ein bisschen aneinander", weiß die 74-Jährige, die seit fast 50 Jahren ehrenamtlich Sportabzeichen abnimmt. "Da ist eine wahre Freude mit den Kleinen, wenn man in ihre leuchtenden Augen schaut, ihr Strahlen, wenn sie etwas geschafft haben, einfach toll", schwärmt sie.

Mittlerweile kommen die ersten Rappelkistenkinder nach den 400 Metern am Ziel an, werden mit viel Beifall aller Beteiligten empfangen. "Das war überhaupt nicht schwer", meint Abigail ein wenig atemlos. Zum Schluss gibt es für die sportlichen Kinder erst einmal Stärkung, dann ganz feierlich, wie bei den Großen, die Urkunde plus Medaille. Einzeln werden die Kinder von Sporthelferin Joelle zu sich gerufen. "Lilly" lobt Joelle, "das hast du super gemacht." Und auch Til ist bald an der Reihe. "Die Medaille ist ja richtig schwer", ruft er aufgeregt. "Aber ich war ja auch richtig schnell, wegen meinem Motor. Und weil ich im März schon sechs werde."

Quelle: RP
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