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Lokalsport
Klettern wie am nackten Fels

Lokalsport: Klettern wie am nackten Fels
Die Vorjahressieger im Frauen- und Herren-Feld hingen im Halbfinale zur gleichen Zeit an der Wand. Während Johanna Holfeld (links) diesmal Rang zwei holte, verpasste Ruben Firnenburg (rechts) den Finaleinzug. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Der Klettersport findet immer mehr Anhänger - auch in NRW. Jetzt vergab der Deutsche Alpenverein nach der Jugend-DM auch die Titelkämpfe im Lead nach Hilden. Von Birgit Sicker

Der Faszination der Deutschen Meisterschaft konnte sich auch Birgit Alkenings nicht entziehen. Ursprünglich wollte Hildens Bürgermeisterin nur einen kurzen Abstecher in die Bergstation an der Bahnhofsallee machen. Dann nahm das Halbfinale jedoch derart spannende Züge an, dass sie blieb, bis die Finalteilnehmer im Herren- und Frauen-Feld feststanden. Das erreichten letztlich 16 der 80 Teilnehmer.

Bevor es so weit war, mussten die Klettersportler, die bereits um 8.30 Uhr in der Halle waren, aber schon mehrfach ihr Können zeigen. In der Qualifikation gingen die Aktiven gleich zweimal an die Wand. Die selektiven Routen steckte Christian Bindhammer, einer von zwei international tätigen Routenbauern. Der 41-Jährige hinterließ in seiner aktiven Zeit einige Duftmarken, war unter anderem Junioren-Weltmeister und mehrfacher Deutscher Meister. Der Allgäuer reiste zu den Titelkämpfen von einem Wettkampf in Slowenien an - und kehrte anschließend dorthin zurück.

Das Besondere am Lead: Es ähnelt dem Klettern an der nackten Felswand. Auch hier müssen die Sportler das Seil selbst an den vorgesehenen Haken in der Wand befestigen. Der Abstand von einer Sicherung zur nächsten beträgt fünf Meter - das mindert einen möglichen Sturz ab. Ein Zeitlimit von sechs Minuten setzt weitere Grenzen. Die Aktiven versuchen, möglichst hoch zu kommen - wer es in Hilden bis an den letzten Punkt schaffte, schaute aus 17 Metern Höhe auf das Publikum herab. Der Schwierigkeitsgrad der Routen hat es in sich. Im Herren-Finale war es der Grad 10+. "Der 6. Grad ist Breitensport, ab dem 8. Grad sind die Routen für ambitionierte Kletterer und ab dem 9. Grad für Leistungssportler", erläutert Marcel Buchmann, der zusammen mit Justin Bohn die Hildener Bergstation betreibt. 60 freiwillige Helfer haben die beiden Jungunternehmer im Einsatz, um die Titelkämpfe erfolgreich über die Bühne zu bringen. Yannick Flohé, der nach seinem Abitur seit einigen Wochen in der Bergstation an der Theke arbeitet, konzentriert sich diesmal auf den Sport. Er zählt zu den starken Nachwuchsathleten in Deutschland, belegte bei der Jugend-Europameisterschaft im Lead in diesem Jahr den sechsten Platz.

Mehrmals wöchentlich trainiert Flohé in Hilden. In der Qualifikation demonstrierte er sein Können, im Finale jedoch fiel er viel zu früh aus der Route und musste sich deshalb mit einer hinteren Platzierung begnügen. Besser machte es Jan Hojer. Der Kölner ist ein Star der Kletterszene, war bereits mehrfach Deutscher Meister im Bouldern und gewann in dieser Disziplin in diesem Jahr auch die Europameisterschaft. Zudem setzte er sich bei der EM in der Kombination aus Lead, Speed und Bouldern die Krone auf. In Hilden trotzt er der Anstrengung des langen Tages und den besonderen Regeln des Wettkampfes. Durften die Sportler in der Qualifikation den Konkurrenten noch zuschauen und so den einen oder anderen Trick beobachten, befinden sie sich eine Stunde vor dem Start des Finales in der Isolationszone. Hier können sie sich warm klettern, aber auch essen und trinken. Kurz vor dem Finale dürfen alle Teilnehmer, Männer wie Frauen, für drei Minuten einen Blick auf die geschraubte Finalroute werfen. Danach geht es zurück in die Isolationszone - Spicken ist jetzt nicht mehr erlaubt.

Im gleißenden Scheinwerferlicht sind die Kletterer ganz auf sich alleine gestellt. Das vierte Mal an diesem Tag wollen sie eine Top-Leistung abliefern. Das gelingt nicht jedem, denn der Klettersport ist kräfteraubend und die letzte Route hat ihre Tücken. Ganz nach oben schafft es diesmal keiner, trotz der aufmunternden Unterstützung der Zuschauer. Wenn der Sprung zum nächsten Vorsprung misslingt, geht es langsam am Seil nach unten.

In der Damen-Konkurrenz hat am Ende Hannah Meul den Titel in der Tasche. Die Kölnerin war 2016 bereits Deutsche Meisterin in der BJugend, 2017 in der A-Jugend und als Fünfte der Jugend-Weltmeisterschaft ist sie für die Olympischen Jugendspiele 2018 qualifiziert. Hinter ihr geht es ganz eng zu. Drei Sportlerinnen kamen praktisch gleich hoch. Johanna Holfeld und Alma Bestvater gaben jedoch deutlich zu erkennen, dass sie auf dem Weg zum nächsten Griff waren. Aufgrund der besseren Leistung im Halbfinale reichte es für Vorjahressiegerin Holfeld zum Vizetitel.

Quelle: RP
 
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