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Leichtathletik
Koffer packen für Rio

Hilden. Am 7. August fliegt der Hildener Tobias Kofferschläger nach Rio. Der 46-jährige Bundestrainer freut sich auf das Olympische Dorf und spannende Wettkämpfe. Von Birgit Sicker

Tobias Kofferschläger ist schon olympia-erfahren. Seine ersten Olympischen Spiele erlebte der Hildener 2000 in Sydney, als er als Heimtrainer von zwei deutschen Triathleten mit vor Ort war. "Damals bin ich auf eigene Faust angereist, weil ich nicht zum Nationalteam gehört habe", berichtet der 46Jährige. 2012 reiste Kofferschläger dann in offizieller Mission nach London, denn der Leichtathletik-Experte betreut seit Oktober 2008 das deutsche Frauen-Team im 400Meter-Bereich. "Der Kontinent fehlt mir noch", sagt er jetzt vor dem Abflug nach Rio de Janeiro in Brasilien. Eine Urlaubsreise wird aber auch das nicht. "Es ist schon etwas Besonderes, aber nach der Erfahrung in London weiß ich, was mich erwartet."

Der Hildener rechnet mit Arbeitstagen von bis zu 18 Stunden. Grund ist unter anderem die angespannte Verkehrslage. "In London hatten wir ein perfekt funktionierendes UBahn-System. In Rio gibt es das nicht - da sind einige Schienen noch gar nicht gelegt", sagt Kofferschläger mit einem Schmunzeln. Und ergänzt: "Ich werde genügend Geld mitnehmen, damit ich einige Strecken mit dem Taxi fahren kann." Auch die Sicherheitsvorkehrungen erhöhen den Zeitaufwand. Wer ins Stadion oder zur Trainingsstätte will, muss sich ähnlich wie beim Sicherheitscheck am Flughafen einer intensiven Kontrolle unterziehen.

Für die zwölf Kilometer lange Strecke vom Olympischen Dorf bis zur Wettkampfstätte müssen die Leichtathleten zwischen 30 und 90 Minuten einplanen - je nach Verkehr. Wenn für die amtierende Deutsche Meisterin Ruth Sophia Spelmeyer am 13. August um 11 Uhr Ortszeit die Vorläufe über die 400 Meter anstehen, beginnt der Arbeitstag des Bundestrainers bereits um sechs Uhr. Nach dem Frühstück geht es ins Stadion. "Drei Stunden vorher müssen wir da sein", erläutert Kofferschläger. In den Katakomben der Sportanlage wärmen sich die Athleten auf. Knapp eine Stunde vor dem Wettkampf beginnt die Call-Room-Phase - und damit der Count-Down für den Wettkampf.

Ob die 25-jährige Spelmeyer, die in diesen Tagen noch ein Höhentrainingslager im österreichischen Kühtai absolviert, den Einzug ins Finale schafft, hängt auch von der Tagesform ab. Zumal es ihre ersten Olympischen Spiele sind. Mit den Erfahrungen, die sie im und rund um ihren Einzel-Wettkampf sammelt, kann sie aber den anderen Läuferinnen der deutschen 4 x 400-Meter-Staffel gute Tipps geben, wenn es am 19. August um 20.40 Uhr Ortszeit um den Einzug ins Finale geht. "Es ist wichtig, wenn man jemanden dabei hat, der das ganze Prozedere schon einmal mitgemacht hat", betont Kofferschläger.

In der vergangenen Woche ging es für den Trainer und vier Athletinnen seines 400-Meter-Quintetts noch einmal ins Bundesleistungszentrum Kienbaum in Berlin. Auf dem Weg dorthin machten die Sportler in Hannover halt - dort erfolgte die Einkleidung des deutschen Teams. Angesichts der Gepäckmassen war Kofferschläger froh, auf Unterstützung aus der Heimat bauen zu können. Denn das Autohaus Gierten, das schon seit einigen Jahren die Athleten der LG Stadtwerke Hilden mobil macht, stellte Kofferschläger eigens einen Bus zur Verfügung. "Wir haben uns natürlich gefreut, weil das wegen der ganzen Klamotten eine große Erleichterung war", erklärt der Bundestrainer. Zugleich war damit auch die Rückfahrt der Athletinnen gesichert, denn die ursprünglich gebuchten Flüge in die Heimat sagte ein deutscher Billiganbieter kurzfristig ab.

Für den Flug nach Brasilien sollte das nicht passieren. Am 7. August startet Tobias Kofferschläger Richtung Rio, zieht allerdings erst ein paar Tage später ins Olympische Dorf ein. Ob er in den zwei Wochen vor Ort mal an der Copacabana vorbeischauen kann, scheint eher fraglich. "Ich bin gespannt, ob ich überhaupt etwas sehen werde", sagt er. Wenn es das Zeitfenster erlaubt, will er zumindest mal bei den Golfern zuschauen - da kämpft auch Martin Kaymer um Edelmetall. Der Mettmanner Profi zieht ebenfalls ins Olympische Dorf, freut sich auf den Austausch mit anderen Sport-Größen. "Das muss mega inspirierend sein", findet er. Kofferschläger unterstreicht: "Das ist das, was Olympia so einzigartig macht." Der Hildener hat schon die Erfahrung gemacht, wie gewaltig die Eindrücke im Olympischen Dorf sind. "Da leben 10.000 Leute", hebt er hervor. Und betont: "Ich muss aufpassen, dass die Mädels davon nicht erschlagen werden und in den Tagen vor dem Wettkampf die Spannung aufrechterhalten."

Quelle: RP
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