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Stefan Polle
"Manche denken, wir fahren im Kostüm"

Stefan Polle: "Manche denken, wir fahren im Kostüm"
Stefan Polle ist ein "Tier" im Drachenboot. Er hadert immer noch mit der mangelnden Akzeptanz seiner Sportart. FOTO: KN
Mettmann. Der Erkrather Stefan Polle sitzt mit dem Team der Neckardrachen aus Heilbronn erfolgreich in einem Boot. Bei den Deutschen Meisterschaften in Brandenburg gewann er mit der Mannschaft sieben Titel.

Was hat Sie und Ihr Team bei den Deutschen Meisterschaften so erfolgreich gemacht?

Stefan Polle Wir sind Freunde. Wir treffen uns nur fünfmal im Jahr zum Trainingslager, setzen uns dann zusammen ins Boot und legen los. Dieser Zusammenhalt macht uns stark. Das tägliche Training absolviert jeder für sich. Dann gibt es einen individuellen Leistungstest und die 20 besten Sportler dürfen ans Paddel. Jeder hat die Chance dazu, doch er muss etwas dafür tun. Denn ein Drachenboot ist nur so gut wie das schwächste Teammitglied am Schlag. Wir verstehen uns gut, vielleicht auch, weil wir uns selten sehen. Wenn wir zusammen in einem Boot sitzen, dann gibt jeder sein Bestes und das spüren auch alle anderen.

Wir ausgelassen haben Sie Ihre sieben Siege gefeiert?

Polle Wir haben schon ein Bierchen getrunken, es aber nicht übertrieben. Denn wir sind schon ehrgeizig und nach dem letzten Rennen mussten alle noch nach Hause fahren, da konnte auch keiner trinken. Beim Trainingslager vor den Europameisterschaften holen wir das nach.

Welche Ziele haben Sie sich für die Club-EM in einem Monat gesteckt?

Polle So viele Rennen zu gewinnen, wie möglich - also möglichst alle. Dafür haben wir intensiv trainiert. Wir treten mit den Vorläufen in mehr als 20 Rennen an, insgesamt gibt es über die verschiedenen Distanzen zehn Medaillensätze zu gewinnen. Die größten Chancen haben wir im Mixed-Boot und im Zehner-Boot. Denn da sind bei uns die Besten der Besten an Bord. In der Männerkonkurrenz wird es schwierig, denn die Russen konzenterien sich ganz auf das 20er Großboot und sie sind erfahrungsgemäß topfit und stark.

Wie bereiten Sie sich auf den Wettkampf vor?

Polle Im Moment sitze ich jeden Tag im Auslegerboot auf der Regattabahn und trainiere für mindestens zwei Stunden. Mit der Pulsuhr fahre ich die langen Strecken von mindestens 20 Kilometern, um Kraft und Ausdauer zu verbessern. Über zehn Kilometer mache ich zusätzlich Intervalltraining für die nötige Schnelligkeit.

Wie groß ist Ihre Enttäuschung, bei der Weltmeisterschaft in Kanada aus Kostengründen nicht für Deutschland starten zu können?

Polle Jeder ist enttäuscht, wenn er bei der Nationalmannschaft nicht dabei sein kann. Doch die Reisekosten sind für mich zu hoch. Da Drachenboot nicht olympisch ist, gibt es keine Förderung vom DOSB. Wären wir so ausgestattet wie die Rennkanuten, sähe das anders aus. Wir dürfen nicht einmal den Adler auf dem Trikot tragen. Die Sportart ist eben zu unbekannt. Manche Leute denken immer noch, dass wir im Kostüm unsere Rennen fahren.

Sie haben viel erreicht. Wo würden Sie gerne noch triumphieren?

Polle Im Drachenboot habe ich schon alles erreicht. Die Club-WM in Australien wäre noch ein Ziel - sofern ich die Kosten irgendwie stemmen kann oder vielleicht doch noch einen Sponsor finde. Im Auslegerboot wäre ein Start auf Tahiti oder Hawaii ein Traum. Dort gehen bei einem Rennen 400 Boote an den Start und die Wellen sind die Herausforderung. Das wäre toll, das mal zu erleben, auch wenn ich gegen die Einheimischen keine Chance hätte. Sie können die Wellen viel besser lesen. Wenn dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht, ist das nicht schlimm. Für mich ist es trotzdem wichtig, Träume zu haben.

DOMINIQUE SCHROLLER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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