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Reitsport
Mit dem Charme der Marilyn Monroe

Aachen/Haan. Für Christine Kuhirt erfüllt sich mit dem Start bei der Europameisterschaft in Aachen ein Traum. Für die Haanerin läuft es bislang gut: Zur Halbzeit der Voltigierprüfung liegt die 26-Jährige auf dem vierten Platz. Von Dominique Schroller

Schwarz-Rot-Goldene Fahnen flattern auf den Rängen und Applaus brandet auf, als Christine Kuhirt mit Fuzzy locker in die Arena läuft. Die Pailletten und Strassteine an ihrem goldenen Kleid glitzern im Scheinwerferlicht, die langen blonden Haare hat die Haanerin im Stil der 60er Jahre kunstvoll hochgesteckt. Sie wirkt hochkonzentriert und fokussiert auf ihre Voltigier-Kür im großen Dressurstadion der Soers. "Das ist dein Heimspiel", ruft das deutsche Team aus dem Hintergrund.

Es ist ihr Moment, der größte Auftritt in ihrer Karriere. Bei den Reit-Europameisterschaften in Aachen startet Kuhirt zum ersten Mal für Deutschland. Im vergangenen Jahr hatte sie die Nominierung für die Weltreiterspiele in der Normandie knapp verpasst, doch zum Finale ihrer Karriere ist der Traum von der Teilnahme an einem großen Championat doch noch in Erfüllung gegangen. Nach einem soliden Pflichtprogramm geht es für die 26Jährige nun darum, sich mit einer guten Kür für das Finale am Sonntag zu qualifizieren.

Sie hebt den Arm, die Musik beginnt. "I wanna be loved by you", haucht Marilyn Monroe aus dem Lautsprecher. Christine Kuhirt läuft in den Zirkelmittelpunkt und, nach einem kurzen Flirt mit Longenführer Stefan Lotzmann, auf Fuzzi zu. Der schwarzbraune Wallach galoppiert in gleichmäßigem Tempo im Kreis. Als Marilyn in die Griffe an seinem Gurt greift und sich elegant zum Aufgang hochzieht, gerät er leicht aus der Spur und die erste Übung entsprechend wackelig. Mit einem strahlenden Lächeln der ausdrucksstarken Lippen überspielt Christine Kuhirt die kleine Unsicherheit geschickt, stellt sich mit dem linken Fuß in den Gurt und streckt den rechten senkrecht nach oben über den Kopf.

Sie muss dieses Element mindestens drei Galoppsprünge lang sicher halten und dann einen fließenden Übergang zur nächsten von insgesamt zehn Übungen finden. Das gelingt. Sie tanzt auf dem Pferderücken, ist ganz in ihrer Rolle und strahlt eine unbekümmerte Koketterie aus. "In der Prüfung denke ich von einem Element zum nächsten. Es geht nur darum, sauber durchzukommen und in der Zeit zu bleiben. Denn wenn die Glocke der Richter läutet, muss ich schon wieder vom Pferd runter sein", sagt die Sportlerin mit den langen Beinen und der zierlichen Statur.

Sie schlägt ein Rad, sie steht auf ihren Händen - die schwierigen akrobatischen Elemente scheinen ihr mit Leichtigkeit zu gelingen. Gespannt verfolgen die Zuschauer auf den Tribünen jede Bewegung. Christiane Kuhirt ist bis in jede Faser gespannt und federt gleichzeitig locker im Rhythmus des Dreitaktes mit. Sie steht auf Fuzzys Rücken und der Faltenrock ihres Kleides bauscht sich dabei - wie der von Marilyn in dem Film "Das verflixte siebte Jahr". Sekunden später räkelt sie sich lasziv auf Fuzzys Kruppe wie ihr Vorbild einst auf dem Klavier.

"Das war für mich der Höhepunkt der Kür. Ich liebe diese Szene und beim Publikum kam es auch ganz gut an", sagt die Haanerin nach ihrer Prüfung. Schweißperlen glitzern auf ihrer Stirn, doch sie strahlt. Immer wieder hat sie sich die Filme aus den 60er Jahren angesehen, Bewegungen nachgeahmt, Choreographie und Kostüm entwickelt. "Das macht so viel Spaß, dass ich diese Kür gerne am Sonntag noch einmal zeigen möchte. Dann baue ich auch das Stehen auf der Kruppe ein, dass ich heute aus Zeitgründen weglassen musste."

Gespannt wartet sie mit Stefan Lotzmann auf die Wertung. Der Trainer und Longenführer trägt passend zu ihrem Kostüm dunklen Anzug und Krawatte. Sein Fokus lag während der Prüfung ganz auf dem Pferd. "Ich musste ihn anfangs mit einer kurzen Peitschenhilfe wieder auf Linie bringen und dafür sorgen, dass er sicher durchläuft." Als die Wertung auf der großen Anzeigentafel aufleuchtet, fällt ihm Christine Kuhirt stürmisch um den Hals. Mit einer Gesamtnote von 8,213 haben die Richter die Vorstellung belohnt. Applaus und Jubel erfüllen das Stadion und begleiten Christine Kuhirt und Fuzzy zum Ausgang.

Quelle: RP
 
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