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Motorsport
Mit Gefühl geht es in die Kurven

Motorsport: Mit Gefühl geht es in die Kurven
Im Rennwagen mit der Nummer 18 demonstrierte Julian Hanses in der Formel 4 sein Können. FOTO: Archiv/Trienitz
Hilden. Als der erste Sieg in der Formel 4 feststand, ließ Julian Hanses seinen Emotionen freien Lauf. Für den Hildener ist der Rennsport ein Beruf, der ihn erfüllt und in dem er mit Disziplin und Ehrgeiz nach Erfolg strebt. Von Birgit Sicker

Der erste Eindruck ist wichtig, sagen Psychologen. Das gilt zweifellos auch für die erste persönliche Begegnung mit Julian Hanses. Ein junger Mann, der schon bei der freundlichen Begrüßung aufmerksam und sympathisch rüberkommt. Im Gespräch redet er offen über sein bisheriges Leben und seine große Leidenschaft, den Motorsport. Sein Ziel: Eines Tages in einem Formel 1-Wagen sitzen. Daran arbeitet er mit Fleiß und Disziplin. Während er davon erzählt, glitzern seine Augen, ein Lächeln umspielt seine Lippen - der 20-Jährige wirkt einfach in jeder Faser seines Körpers authentisch.

Wie fast alle guten Rennfahrer begann Julian Hanses seine Karriere im Kartsport. Im Urlaub drehte er mit sechs Jahren erstmals Runden auf einer Kart-Bahn. "Es hat mir so viel Spaß gemacht, dass wir uns später ein eigenes Kart zugelegt haben", berichtet er. Der erste Eindruck stellt eben oft im Leben die Weichen. Hanses entwickelte den Ehrgeiz, sich im Wettkampf zu messen. Viele Jahre tat er das im Kart, erst in diesem Jahr startete er in der ADAC Formel 4 richtig durch. "Er ist viel später gewechselt als andere - man kann in der Serie schon mit 15 Jahren beginnen. Julian hat das aber schnell wettgemacht", berichtet Björn Niemann, der den Nachwuchsrennfahrer als Medienexperte betreut. Niemann ergänzt: "Er war in diesem Jahr sehr fokussiert auf seinen Sport und die Ergebnisse." Höhepunkt war der Erfolg im Rennen auf dem Sachsenring, als Hanses den Siegerpokal in die Höhe stemmte. Niemann betont: "Ohne Disziplin erreicht man nicht die Erfolge. Man muss für die Karriere sehr viele Dinge im täglichen Leben darauf einstellen."

Eine Erkenntnis, die ihn Julian Hanses den Entschluss reifen ließ, nach dem Realschulabschluss nicht ins normale Berufsleben einzusteigen. "Eine emotionale Basis muss vorhanden sein, sonst klappt es nicht", betont der 20-Jährige. Wenn er über den Motorsport spricht, blitzen genau diese Liebe und Leidenschaft in den Augen des 1,90-Meter-Mannes auf. "Die Einstellung ist das Wichtigste", betont er und gesteht: "Ich habe hart daran gearbeitet." Und meint damit nicht nur die Arbeit im Formel 4-Wagen oder den Ausdauer- und Kraftsport, sondern auch die intensiven Gespräche mit einem Mentaltrainer. "Man muss aus Fehlern lernen und Dinge, die einen belasten, abarbeiten." Auch im Kopf bereitet sich der Hildener auf alle möglichen Situationen vor: "Dann reagiert man schneller."

Überhaupt ist Rennfahren nicht nur eine Frage von Gaspedal oder Bremse. "Man muss auch schlau fahren", erklärt Hanses. Ein Beispiel? "Man muss mit extrem viel Gefühl in die Kurven fahren, muss die Linie finden, wann es anfängt zu rutschen." Viel Übung ist dafür notwendig, Talent erleichtert die Sache ungemein. Für Björn Niemann steht jedenfalls fest: "Aus der Arbeit mit dem Mentaltrainer hat Julian sehr viel mitgenommen und vieles direkt umgesetzt. Er ist lernfähig, zieht aus jeder Situation das Positive, um vorwärtszukommen."

Den Traum, eines Tages in der Formel 1 schnelle Runde zu drehen, haben viele Kinder. Julian Hanses macht da keine Ausnahme. Doch das Ziel liegt in weiter Ferne - und ist nicht nur auf sportlichem Weg zu erreichen, sondern oft nur mit finanzkräftigen Sponsoren. Bestes aktuelles Beispiel ist der Kanadier Lance Stroll. Dessen Vater kaufte kurzerhand einen Rennstall, um seinem Sohn den Einstieg in die Formel 1 zu verschaffen. "Es ist nicht immer das Talent entscheidend", weiß Björn Niemann. Das gilt aber auch für die unteren Formel-Klassen.

Julian Hanses will einen Schritt nach dem anderen machen. Nach der guten Vorstellung in der Formel 4-Serie wäre im nächsten Jahr der Start in der Formel 3 die logische Konsequenz. Ob das klappt, hängt aber auch vom Geld ab. Die Suche nach einem neuen Team läuft. "Es ist ganz unterschiedlich, was sie bieten", erzählt Hanses. Und meint damit Hilfsmittel wie den hochprofessionellen Simulator oder das eigene Fitnesscamp. "Das sind die Dinge, die einen die zwei bis drei Prozent besser machen können, um weiter oben statt unten zu stehen."

Der Nachwuchsmann will sich auch in Zukunft mit Akribie auf Rennen vorbereiten. "Wenn man alles gemacht hat, geht man mit einem ruhigen Gewissen in die Rennen", weiß er. Die Arbeit am Simulator gehört deshalb zum täglichen Brot. Noch wichtiger aber ist für Julian Hanses: "Ich liebe das, was ich mache." Die beste Voraussetzung also, gute Leistung zu bringen. "Das schaffe ich nicht, wenn ich mich nicht wohlfühle mit dem, was ich tue." Das Umfeld muss ebenfalls stimmen. "Freunde treffen, mal die Familie sehen" - auch das trägt dazu bei, dass der 20-Jährige in sich ruht.

Nach dem abschließenden Rennen auf dem Hockenheim Ende September machte der Hildener erst einmal einen Monat Urlaub, "wo es ruhig ist und nicht unbedingt warm". Inzwischen hat die Vorbereitung auf die neue Saison schon wieder begonnen - in welchem Auto Julian Hanses sie in Angriff nimmt, steht noch nicht fest. Sicher ist nur: Er wird auch die neue Herausforderung konzentriert und mit viel Disziplin angehen. Denn der Motorsport ist längst die Erfüllung seines Lebens.

Quelle: RP
 
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